Julia Reda
Trat mit 16 in die SPD ein und wechselte später zur Piraten-Partei: Julia Reda. Bildrechte: dpa

Streit um EU-Urheberrechtsreform Piratin Reda: Upload-Filter ignorieren Interessen junger Leute

Die Piraten-Politikerin Reda kritisiert, bei der geplanten EU-Urheberrechtsreform seien junge Leute kaum zu Wort gekommen. Die Pläne gingen an der Realität vorbei und verfehlten die ursprünglichen Ziele. Reda und auch der CDU-Europapolitiker Voss beklagen zugleich Gewaltdrohungen in der Debatte.

Julia Reda
Trat mit 16 in die SPD ein und wechselte später zur Piraten-Partei: Julia Reda. Bildrechte: dpa

Die Europa-Abgeordnete Julia Reda hat den Betreibern der EU-Urheberrechtsreform vorgeworfen, die Sorgen junger Leute zu ignorieren. Reda kritisierte bei MDR AKTUELL, an der Ausarbeitung der Reform seien kaum junge Menschen beteiligt gewesen, weil im Europaparlament unter 30-Jährige überhaupt nicht vertreten seien.

Wir brauchen aber deren Expertise und deren Erfahrungswelt, um eine Regelung zu finden, die wirklich für alle fair ist.

Julia Reda, Piraten-Abgeordnete im Europaparlament

Reda erklärte, der umstrittene Artikel 13 zwinge die Plattformen dazu, Uploadfilter einzusetzen. Dabei werde auch vieles automatisch gesperrt, was eigentlich erlaubt sei. Viele Urheber hätten auf unterschiedlichen Plattformen ihr Publikum gefunden und verdienten auch Geld damit. Sie befürchteten nun, dass ihnen das kaputt gemacht werde.

Aus Sicht von Reda verfehlt das geplante neue Urheberrecht sein ursprüngliches Ziel, die Regeln zu vereinheitlichen und verständlicher zu machen. Stattdessen werde alles noch komplizierter und die Unterschiede zwischen den Ländern drohten größer zu werden.

Der CDU-Politiker Axel Voss, der die EU-Urheberrechtsreform mitausgearbeitet hat, betonte dagegen, es könne auch andere Software einsetzt werden, um Inhalte zu prüfen. Letztendlich gehe es darum, die Rechte von Urhebern zu schützen. Da habe sich im Internet eine extreme Schieflage entwickelt.

Morddrohungen schaden der Debatte

Reda und auch der EU-Parlamentarier Voss appellierten, den Streit über die EU-Urheberrechtsreform sachlich auszutragen.

Axel Voss
Axel Voss, CDU-Abgeordneter im Europaparlament. Bildrechte: dpa

Voss sagte MDR AKTUELL, es habe Gewaltaufrufe sowie Bomben- und Morddrohungen gegeben. Was hier passiere, seien Angriffe auf die Person, ihre Ehre oder Würde. Er habe das Gefühl, das sei völlig außer Kontrolle geraten. Es werde auch nichts dafür getan, Gewaltaufrufe wieder zurückzuführen. Für die Sachdebatte sei diese Eskalation eher schädlich.

Auch die Reformkritikerin Reda nannte Gewaltdrohungen völlig inakzeptabel. Man müsse die Auseinandersetzung hart in der Sache führen, dürfe wütend sein und auf die Straße gehen, man sollte auch mit den Abgeordneten diskutieren.

Aber unsere Würde müssen wir gegenseitig wahren bei der Diskussion.

Piraten-Abgeordnete Julia Reda

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. März 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2019, 19:41 Uhr

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8 Kommentare

23.03.2019 11:43 jochen 8

Ich dachte bisher, das die Piratenpartei aus Mangel an Wählerstimmen nicht mehr existiert.

23.03.2019 09:08 frank d 7

Mal davon abgesehen das Piraten in der Geschichte keine netten Zeitgenossen waren, was den Protagonisten offensichtlich egal ist. Was ist den mit dem Berliner Oberpiraten eigentlich? Der seinen Exfreund auf der Sackkarre in Berlin spazieren fuhr. Ein wahrhaft würdiger Namensvetter der somalischen Piraten die in Hamburg grade einen Schutzstatus erhalten haben.
Objektiv gesehen ist Widerstand nur gegen manche Dinge erlaubt und Alles andere wird desavouiert.
Piraterie ist was ganz tolles, he kommt zu den Piraten niemand denkt mehr nach?

23.03.2019 09:05 Michael Möller 6

wenn man hier lesen muss das es zu Morddrohungen und Gewaltaufrufe kommt bin ich entsetzt wie weit es gekommen ist bei uns und der EU. jedoch sind die Politiker sowie die Lobbyisten leider mitverantwortlich dafür so sehe ich das . denn wie wurde diese Richtlinie einmal mehr wie andere entstanden und zwar hinter geschlossenen Türen und es wurden nur die Lobbyisten eingeladen und ein Teil wieder einmal nicht. warum können unsere Politiker eigentlich nicht offen und ehrlich mit ihren Volk (Souverän ) umgehen und diskutieren. man hat leider einmal mehr versagt würde ich sagen mit den Menschen auf Augenhöhe und fair über diese EU-Urheberrechtsreform sich auszutauschen und das Volk mitzunehmen sehr schade kann man da nur sagen.

23.03.2019 08:41 Auf zum letzten Gefecht! 5



Anderen Medien zu folge geht es der EU doch nur darum, den Konsumenten vor abmahn Anwälten zu schützen ;-)

Die werde ich wieder wählen, die die sind für mich da.

23.03.2019 08:14 REXt 4

Je mehr es dem System an den Kragen geht, um so perfider die Reaktionen, bloß nutzen wird es nichts, das „Sterben“ geht langsamer, aber um so perfekter!

23.03.2019 06:57 Wo geht es hin? 3

Komisch: wenn es darum geht, die Überwachung und Kontrolle der Menschen zu optimieren (denn das ist für mich das wahre Ziel dieser Gesetzesinitiative und die faire Bezahlung für Urheber nur der gut zu verkaufende Vorwand), spielt die Zukunft der jungen Menschen so gar keine Rolle mehr. Wo ist da die Greta?

23.03.2019 01:39 Pete van Payne 2

Wann macht dem Herrn Voss endlich mal einer klar, daß diese "Programme" zwangsläufig Uploadfilter sind und vor allem, daß es derzeit und auch in mittlerer Zukunft, keine wirklich funktionierenden Programme dieser Art gibt, die auch die Ausnahmeregelungen und den Kontext richtig erkennen können...
Selbst sein heiss gelibtes Content ID System (im übrigen das bei weitem ausgereifteste was derzeit auf dem Markt ist) funktioniert nur ansatzweise, teilweise aber garnicht. Im Mittel erkennt es nur ca 7-8%... Ich habe das unter Realbedingungen getestet.

22.03.2019 23:01 Fakten-Jack 1

Ich habe heute bei mdr aktuell das Streitgespräch von Frau Reda und Herrn Voss gehört.
Inhaltlich gebe ich dabei eher Frau Reda recht, auch wenn mir das permanente Wiederholen der "Urheberinnen und Urheber" mächtig auf den Senkel ging.
Ich habe mir dabei die Frage gestellt, wieso sich ihre Partei noch nicht umbenannt hat? Es muß doch richtigerweise "Piratinnen- und Piratenpartei" heißen, oder habe ich was falsch verstanden???