20.02.2018, Baden-Württemberg, Karlsruhe: Marlies Krämer wartet im Bundesgerichtshof (BGH) auf den Beginn ihrer Verhandlung. Im Hintergrund ist der sechste Zivilsenat zu sehen, v-l . Oliver Klein, Vera von Pentz, Gregor Galke, Stefanie Roloff und Peter Allgayer.
Marlies Krämer hat schon früher von sich reden gemacht als engagierte Kämpferin für Frauenrechte. Ein Scoop waren die weiblichen Wetter-Hochs. Bildrechte: dpa

BGH-Entscheidung Sparkassen-Kundin unterliegt im Streit um weibliche Anrede

Eine Sparkassen-Kundin will, dass sie auch in vorgedruckten Formularen nicht als "Kunde" angesprochen wird. Mit ihrer Klage hat sie bisher keinen Erfolg, auch nicht vor dem Bundesgerichtshof. Sie kämpft trotztdem weiter.

20.02.2018, Baden-Württemberg, Karlsruhe: Marlies Krämer wartet im Bundesgerichtshof (BGH) auf den Beginn ihrer Verhandlung. Im Hintergrund ist der sechste Zivilsenat zu sehen, v-l . Oliver Klein, Vera von Pentz, Gregor Galke, Stefanie Roloff und Peter Allgayer.
Marlies Krämer hat schon früher von sich reden gemacht als engagierte Kämpferin für Frauenrechte. Ein Scoop waren die weiblichen Wetter-Hochs. Bildrechte: dpa

Frauen müssen in Formularen nicht in weiblicher Form angesprochen werden. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Die Richter in Karlsruhe wiesen die Revision einer Sparkassen-Kundin aus dem Saarland zurück.

Die 80-Jährige Marlies Krämer pocht darauf, auch in Formularen und Vordrucken mit "Kundin" und "Kontoinhaberin" angesprochen zu werden.

Die Sparkasse Saarbrücken verwendet Formulare und Vordrucke, die neben Bezeichnungen wie "Kunde", "Kontoinhaber", "Einzahler" oder "Sparer" keine ausdrücklich weibliche Form enthalten. Im persönlichen Gespräch und in persönlich adressierten Schreiben spricht die Sparkasse die Klägerin mit "Frau" an.

"Kunde" kann auch "Kundin" sein

Krämer hatte argumentiert, die alleinige Verwendung der männlichen Form benachteilige sie wegen ihres Geschlechts. Sie habe Anspruch darauf, als Frau in Sprache und Schrift erkennbar zu sein, so dass Formulare auch die weibliche Form beinhalten müssten.

Der Bundesgerichtshof folgte den Argumenten der Klägerin nicht. Die Richter stellten fest, einen allgemeinen Anspruch auf Änderung grammatisch weiblicher Personenbezeichnungen gebe es im Gesetz nicht. Bei Begriffen wie "Kunde" oder "Kontoinhaber" handele es sich um das sogenannte generische Maskulinum. Nach dem allgemeinen Sprachverständnis könne dies auch Personen umfassen, deren natürliches Geschlecht nicht männlich sei. Das Gericht betonte, ein solcher Sprachgebrauch sei keine Geringschätzung gegenüber Frauen.

Ein solcher Sprachgebrauch bringt keine Geringschätzung gegenüber Personen zum Ausdruck, deren natürliches Geschlecht nicht männlich ist.

Bundesgerichtshof AZ: VI ZR 143/17

Die Klägerin hatte schon in den Vorinstanzen keinen Erfolg. Das Landgericht Saarbrücken sah es wie die Sparkasse: Durch die Verwendung beider Geschlechter würden schwierige Texte nur noch komplizierter.

Nächste Instanz Verfassungsgericht

Die 80-Jährige hatte schon vor Bekanntgabe der Karlsruher Entscheidung erklärt, bei einer Niederlage weiter zu kämpfen. Sie werde auf jeden Fall vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Der Gang nach Straßburg wäre auch noch möglich.

Hätte Krämer Recht bekommen, hätten mehr als 800 Sparkassen-Formulare umgeschrieben werden müssen, mehr als 1.600 Kreditinstitute wären betroffen. Auch hätte das Urteil wohl Folgen für alle Formen der Vertragssprache.

Weibliche Wetter-Hochs durchgeboxt

Die Rentnerin machte schon früher von sich reden als engagierte Kämpferin für Frauenrechte. In den 1990er Jahren verzichtete Krämer so lange auf einen Pass, bis sie als "Inhaberin" unterschreiben konnte. Später sammelte Krämer erfolgreich Unterschriften dafür, dass Meteorologen Wetter-Hochs auch weibliche Vornamen geben. Davor trugen nur Tiefs Frauennamen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. März 2018 | 07:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2018, 10:49 Uhr

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47 Kommentare

14.03.2018 16:44 ditmar lang 47

ich bin der Meinung Marlies Krämer übertreibt.
ich frage mich, wer diese kosten für anwälte und Gerichte trägt.

14.03.2018 12:28 roca remeed 46

Bezeichnenderweise gibt es ja hier im Forum eine seltene Übereinstimmung, dass die Gleichberechtigung der zwei Geschlechter natürlich nicht durch groteske Verballhornungen unserer großartigen Muttersprache verwirklicht wird, sondern durch gegenseitigen Respekt und Wertschätzung, insbesondere auch der arbeitsteiligen spezifischen Beiträge zur erfolgreichen Entwicklung in Familie und Gesellschaft. Übrigens hat die ARD gestern den Fall so kommentieren lassen: "Unterm Strich hat sie jedoch zum Teil gewonnen. Denn auch wenn sie manche belächeln oder als Nervensäge abtun, hat sie erreicht, dass alle Welt über das Thema nachdenkt. Die 80-Jährige bleibt am Ball- und imponiert." Nach 7 Minuten wurde die Kommentarfunktion abgestellt. Auch dieser Kommentar und seine Realitätsnähe wurden ausschließlich "belächelt". Die Kommentatorin hieß übrigens Gigi Deppe. Ich musste nun doch nachschauen, ob nicht schon der 1. April ist ...

14.03.2018 07:31 fischotter 45

Das kommt dabei heraus wenn Alt-68er*innen von der Langeweile geplagt werden.

13.03.2018 00:58 Hans 44

Ja, manchmal muss man(Frau) klagen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Und der ganze Presserummel , da schmeckt der Kaffee gleich doppelt so gut.

13.03.2018 00:04 Die Fürstin 43

... seitdem ich immer wieder aufgefordert werde Briefe, Einladungen, Anschreiben "durchzugendern", frage ich mich wie die korrekte Genderform von der Gast ist - die Gästin?

13.03.2018 22:13 REXt 42

Eine klagewütige Rentnerin, die in einer sinnlosen Beschäftigung der Gerichte, ihr Lebenszel sieht!

13.03.2018 21:56 Peter 41

Die Männer haben sich noch nicht darüber beschwert, im Plural einen weiblichen Artikel verpasst zu bekommen: "die" Männer.
Auch das betreffende Pronomen im Plural ist erkennbar ein ursprünglich weibliches Singularpronomen: "sie".
Und - wen juckts?
Unsere Sprache hat die schönste Arbeitsteilung, manches ist generisch weiblich, manches männlich. Dank sei unserer trauten Muttersprache und unserem lieben Vaterlande!

Wie sagt die Bibel?
"Ehre Vater und Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das Gott, dein Herr, dir gegeben hat."
Denn wer das nicht tut, der verschwindet aus dem eigenen Land, er schätzt sein Erbe nicht.

13.03.2018 21:28 Auf der Sonnenseite des Lebens 40

"Später sammelte Krämer erfolgreich Unterschriften dafür, dass Meteorologen Wetter-Hochs auch weibliche Vornamen geben. Davor trugen nur Tiefs Frauennamen. "

und die Männerwelt lachte darüber. ;-)

13.03.2018 20:11 Rico 39

So ich will jetzt auch ein Männerparkplatz.

13.03.2018 19:18 NRW-Wessi 38

Wenn die Omi so viel Energie und eine so grenzenlose Langeweile hat, soll sie doch die Kinder der berufstätigen Nachbarn betreuen, beim DRK Brötchen für Blutspender schmieren, oder zum Bibelnachmittag für Senioren gehen, aber nicht die Gerichte mit einem derartigen Tünkram belasten.
Außerdem hat unsere tolle GroKo seinerzeit ein drittes Geschlecht genehmigt, was auch immer das sein soll. Hat sich mal jemand darüber Gedanken gemacht?
Der Kunde, die Kundin und ... ? xD