Medienberichte Trump plant angeblich großen Truppenabzug aus Deutschland

US-Präsident Trump plant Medienberichten zufolge einen massiven Abzug von US-Truppen aus Deutschland. Bis zu 15.000 der bislang 34.500 US-Soldaten könnten demnach das Land verlassen. Für die betroffenen Regionen hätte das große Auswirkungen, da dort zehntausende Arbeitsplätze betroffen wären.

ARCHIV - 09.03.2017, Bayern, Illesheim: US-Soldaten stehen während einer militärischen Zeremonie in den Storck-Barracks vor einer Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika.
Die USA planen angeblich den Abzug tausender US-Soldaten aus Deutschland. Bildrechte: dpa

US-Präsident Donald Trump plant Medienberichten zufolge einen drastischen Abbau der US-Truppen in Deutschland. So berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf ungenannte US-Regierungsvertreter, Trump habe das Pentagon angewiesen, die US-Truppenpräsenz in Deutschland von derzeit 34.500 Soldaten um 9.500 zu reduzieren. Außerdem solle eine Obergrenze von maximal 25.000 US-Soldaten eingeführt werden, die gleichzeitig in Deutschland anwesend sein könnten.

"Spiegel": Bis zu 15.000 könnten abziehen

Auch "Der Spiegel" berichtete unter Bezug auf eigene Quellen über eine geplante massive Reduzierung der US-Truppenpräsenz in Deutschland. Dem Nachrichtenmagazin zufolge informierte das Weiße Haus Teile des US-Kongresses darüber, dass das Pentagon bis zum Herbst 2020 zwischen 5.000 und 15.000 der derzeit rund 35.000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen werde. Dem Vernehmen nach habe die US-Regierung den Nato-Partner Deutschland nicht wie üblich vorab über die Entscheidung informiert, hieß es in dem Bericht weiter.

Keine Bestätigung durch Pentagon und Weißes Haus

Das Pentagon äußerte sich auf Anfrage nicht zu einem möglichen Truppenabzug. Auch das Weiße Haus bestätigte entsprechende Pläne Trumps nicht. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, John Ullyot, sagte, derzeit gebe es dazu keine Ankündigung. Trump überprüfe aber ständig den Einsatz von US-Soldaten im Ausland. "Die Vereinigten Staaten sind weiterhin entschlossen, mit unserem engen Verbündeten Deutschland zusammenzuarbeiten."

Abzug schon länger angedroht

Trump fordert schon seit Langem eine gerechtere Lastenteilung innerhalb der Nato und hat wiederholt die aus seiner Sicht mangelnden Verteidigungsausgaben Deutschlands kritisiert. Bereits im vergangenen Jahr hatten die USA mit dem Teilabzug ihrer Truppen aus Deutschland gedroht und unter anderem eine Verlegung von Verbänden nach Polen ins Spiel gebracht. Außer den derzeit noch 34.500 in Deutschland stationierten US-Soldaten beschäftigen die US-Truppen hierzulande 17.000 amerikanische und 12.000 deutsche Zivilbeschäftigte. Zehntausende weitere Arbeitsplätze in Deutschland hängen von den US-Streitkräften ab.

Transatlantik-Koordinator ist irritiert

Während das sich das Auswärtige Amt nicht zu dem möglichen Teilabzug der US-Truppen äußern wollte, reagierten deutsche Politiker reagierten unterschiedlich. Der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Peter Beyer, twitterte, er sei irritiert. Die Pläne seien nicht mit der Bundesregierung besprochen. Unionsfraktionsvize Johan Wadephul dagegen bezeichnete den möglichen Teilabzug als Weckruf für die Europäer. Sie müssten jetzt ihr Schicksal entschiedener in die Hand nehmen und sicherheitspolitisch besser aufstellen.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Fritz Felgentreu, erklärte, die USA könnten mit dieser Ankündigung keinen Druck auf Deutschland ausüben. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch begrüßte ihn. Er sagte, die Bundesregierung sollte dankend annehmen und sogar einen Komplettabzug vorbereiten. Die US-Truppen sollten dann auch die Atombomben mitnehmen.

Polen hofft auf US-Soldaten

Polen hofft angesichts der Berichte über einen geplanten Abzug der US-Truppen aus Deutschland auf eine Stationierung von US-Soldaten im eigenen Land. Ministerpräsident Mateusz Morawiecki sagte die wahre Gefahr liege im Osten. Daher würde eine Verschiebung von US-Truppen an die Ostflanke der Nato die Sicherheit ganz Europas stärken. Aus Angst vor russischer Einmischung wie in Georgien und der Ukraine setzt sich die polnische Regierung schon länger für eine permanente Präsenz von US-Truppen in ihrem Land ein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Juni 2020 | 08:00 Uhr