Weltnichtrauchertag
Ein komplettes Verbot von Tabakwerbung - zum Weltnichtrauchertag erinnern noch einmal viele daran. Bildrechte: colourbox

Weltnichtrauchertag Suchtexperten fordern komplettes Werbeverbot für Zigaretten

Mittlerweile findet sich auf jeder Packung Zigaretten und Tabak der Hinweis "Rauchen tötet". Die EU-Länder haben deshalb Werbung für Zigaretten weitestgehend verboten, nur in Deutschland ist das anders. Zum Weltnichtrauchertag fordern Suchtexperten die Regierung zum Handeln auf.

von Martin Mair, Hauptstadtkorrespondent MDR AKTUELL

Weltnichtrauchertag
Ein komplettes Verbot von Tabakwerbung - zum Weltnichtrauchertag erinnern noch einmal viele daran. Bildrechte: colourbox

Martina Pötschke-Langer rümpft die Nase, als die Suchtexpertin der Deutschen Krebshilfe auf das Werbeplakat blickt. Ein gutaussehendes Pärchen steht lässig vor einer Disko: Die blonde Schönheit himmelt den Hipster-Bärtigen an, in der Hand halte beide eine Zigarette. "Drinnen tobt die Party, draußen das Leben", verheißt die Werbung.

Geschmacklos, grummelt Pötschke-Langer. Sie sagt. "Das ist eine Perversion der Produkte, die ja selbst töten." Und das hunderttausendfach, rechnet die Expertin der Krebshilfe akribisch vor. 120.000 Menschen würden jährlich an den Folgen des Rauchens sterben - das sei mehr als jeder zehnte Todesfall. Doch noch immer, kritisiert Pötschke-Langer, darf für ein tödliches Produkt die Werbetrommel gerührt werden.

Werbung soll komplett verschwinden

Das ärgert auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Marlene Mortler will, dass auf Litfaßsäulen, Plakatwänden und Bushaltestellen die Werbung verschwindet. "Denn es gibt für mich an dieser Stelle keine halben Sachen", erklärt die CSU-Politikerin.

Wenn ich die Werbung nur bedingt verbiete oder ein wenig eingrenze, dann wird sie nur verlagert, geht aber nicht weg.

Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung
Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung
Marlene Mortler ist die Drogenbauftragte der Bundesregierung. Sie kämpft für ein komplettes Verbot von Tabakwerbung. Bildrechte: dpa

Dabei gibt es ein fertiges Gesetz, das Tabak-Werbung in Deutschland weitgehend verbietet. Mortler hat dafür über Monate gekämpft, die letzte Bundesregierung das Gesetz verabschiedet. Doch es kam nie ins Parlament, denn das Werbeverbot hat einen mächtigen Gegner: Volker Kauder, Fraktionschef der CDU. Die Union tut sich schwer damit, Tabakwerbung zu verbieten - öffentlich äußern will sich Kauder nicht.

Gegner des Werbeverbots äußern sich selten

Beim CDU-Parteitag in Karlsruhe 2015 war einer der wenigen Momente, an dem sich die Gegner des Werbeverbots öffentlich äußern. Eine Million Arbeitsplätze würden an der Werbebranche *) hängen, erklärte der Hamburger CDU-Chef Roland Heintze. Er halte es für wichtig, dass die Union sich als Partei der Wirtschaft präsentiere. Heintze sagte damals: "Wir müssen klar machen, dass wir an der Seite des Standorts stehen. Das hat nichts mit Tabak zu tun."

Umsetzung verschleppt

Die CDU-Chefin auf dem Podium runzelte die Stirn. Für Angela Merkel ist die Debatte brisant, denn Deutschland hat die EU-Richtlinie über Jahre verschleppt, die Tabak-Werbung weitgehend verbietet. Erst 2015 machte sich die Regierung daran, doch die CDU-Basis funkte dazwischen.

CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte:

Wenn Deutschland jetzt einfach erklärt, sie setzen dass nicht um, dann ist das kein besonders gutes Omen“, erklärte die Kanzlerin. Und bat die Delegierten, darüber noch einmal nachzudenken.

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Erfolg hatte Merkel damit nicht – die CDU-Basis beschloss die offizielle Parteilinie und die lautet: kein weiteres Werbeverbot.

Offene Demütigung

So rechtfertigt die Unionsfraktion im Bundestag noch heute, dass sie den Gesetzentwurf der eigenen Regierung gestoppt hat. Ein einmaliger Vorgang der vergangenen Legislaturperiode, eine offene Demütigung der zuständigen Bundesminister und der Drogenbeauftragten Marlene Mortler.

Die CSU-Frau lächelt, wenn sie darauf angesprochen wird. Sie sagt mit fester Stimme: "Ich hoffe, dass am Ende Vernunft und Verantwortung siegen."

Erneuter Versuch

Mortler will erneut versuchen, das Werbeverbot für Tabak durchzusetzen. Denn noch immer lächeln tausendfach glückliche Menschen mit Kippe in der Hand in Deutschland. So wie auf dem Plakat, das die Suchtexpertin der Deutschen Krebshilfe in der Hand hält. Martina Pötschke-Langer will es dem Gesundheitsminister schenken. Vielleicht, sagt sie, macht ihm das Mut, die Werbung zu verbieten - so wie das alle Mitgliedstaaten der EU bereits getan haben. Alle, außer Deutschland.

*) Korrektur In einer früheren Version des Artikels hatten wir geschrieben, dass laut CDU-Chef Roland Heintze rund eine Million Arbeitsplätze an der Tabakwerbung hängen würden. Das ist nicht richtig. Richtig ist, dass Heintze gesagt hat, in Deutschland würden rund eine Million Menschen in der Werbebranche arbeiten. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Mai 2018 | 06:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Mai 2018, 06:43 Uhr

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20 Kommentare

02.06.2018 09:13 HERBERT WALLASCH, Pirna 20

Es würde erst einmal genügen, das Rauchverbot für Jugendliche massiv durchzusetzen, auch mit einschneidenten Strafen, egal ob man diese nur als Kinder betrachten darf. Ebenso sollte das Rauchen in der Schwangerschaft unter Stafe gestellt werden, mit staatlicher Meldepflicht und Verpflichtungserklärungen. Aber es wird nur bei den erhobenen Zeigefinger bleiben, keiner will seinen Worten konkrete Taten folgen lassen, typische Scheinmoral.

01.06.2018 15:11 Fragender Rentner 19

Zitat von Oben: Suchtexperten fordern komplettes Werbeverbot für Zigaretten

Schön und gut nur was machen sie gegen die Drogen die überall zunehmen?

01.06.2018 15:03 Suechtiger 18

@Jale 12

"...wenn du schon dämlich daherredest, verwende wenigstens die richtigen Begriffe."

ich rede nicht dämlich daher, ich schreibe und ich bitte zu berücksichtigen das ich schwer krank bin.
Danke

01.06.2018 11:05 Manistbestandteildesmediensystems (Haseloff) 17

@31.05.2018 11:01 ach so

(In der DDR gab es weder Werbung für Alkohol noch für Tabak, gesoffen und geraucht wurde trotzdem!)

Ganz recht. Und während die DDR sich astronomisch steigenden "Gesundheitskosten" gegenübersah und auch wusste, woran das lag, bis sie wissenschaftlich folgerichtig unter Hintanlassung einer ebenso grossen Umweltverschmutzung verschwunden war, dürfen wir heute die Folgen des Lebensstils der "Herrschenden Klasse" in den Gesundheitsstatistiken der inzwischen gebrauchten, vormals neuen Bundesländer verfolgen. Oder auf dem Hallmarkt, in den Dessauer Aussenbezirken usf....

Wie wäre es mal mit einem kleinen Besuch auf einer Krebsstation? Nur, damit dieses elende, leere und volkswirtschaftlich zu teure Geschwalle mal geerdet wird? Ja, ich weiss: Wir müssen alle sterben - aber einige von uns sterben nicht einfach, die verrecken regelrecht. Ich möchte dann kein Gemecker hören.

01.06.2018 08:19 sachmahl 16

Das Werbeverbot geht doch nicht an Euch schwarzlungige Raucher sondern an die, die es noch nicht sind. Junge verführbare Menschen hauptsächlich. Und ja, Alk sollte m.E. auch nicht mehr beworben werden dürfen. 40.000-70.000 Tote pro Jahr.

31.05.2018 17:16 REXt 15

Eigentlich ein Thema für die EU, die kümmern sich um solchen pillepalle gern, wie Wattestäbchen u. anderen schnulli!

31.05.2018 16:57 optinator 14

@Montana
1992 hab ich das Rauchen eingestellt.
Letztes Jahr auf Cuba haben es mir die Zigarillos angetan.
Ganz anderer Geschmack als eine "Kippe".
Trotzdem habe ich die Packung dann doch mit einigen Zigarillos entsorgt.
Wir sterben eh alle, aber wenn es geht nicht an Nikotin. Da lobe ich mir mein Feierabendbier.
Ja, ich weis, das Leben ist grundsätzlich gefährlich, es endet immer mit dem Tot.

31.05.2018 15:53 Wolpertinger 13

@31.05.2018 13:13 Montana
Es geht nicht darum, ob man stirbt. Das Entscheidende ist das Wie und über welchen Zeitraum.

31.05.2018 14:11 Jale 12

@ Suechtiger, Nr. 1: Ähem, das heißt Fürsorgepflicht des Arbeitgebers... wenn du schon dämlich daherredest, verwende wenigstens die richtigen Begriffe.

31.05.2018 13:49 jhfgjbnnj 11

Was soll dirse Diskussion denn bringen, wenn die Kippenlobby die Werbung auf den Packungen bezahlt? Glaubt einer im Ernst, das Thema Kippenwerbung interessiert uns Qualmer?? Schädlicher als qualmen is Werbung!!!

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