Neues Altersvorsorge-Konzept Verbraucherzentralen schlagen Modell der "Extrarente" vor

Die deutschen Verbraucherzentralen haben ein neues staatlich organisiertes Modell der privaten Altervorsorge vorgeschlagen. Die "Extrarente" soll rentabler und flexibler sein als bisherige Angebote der Versicherungswirtschaft.

Klaus Müller Chef Verbraucherzentrale Bundesverband VZBV
VZBV-Vorstand Klaus Müller: "Kostengünstige und gewinnbringende Anlage entscheidend." Bildrechte: dpa

Deutschlands Verbraucherschützer fordern ein neues staatlich organisiertes Angebot zur privaten Altersvorsorge. Laut einem am Montag vorgestellten Konzept des Bundesverbands der Verbraucherzentralen VZBV sollen bei dem neuen Produkt "Extrarente" Arbeitnehmer automatisch über ihre Arbeitgeber in die Vorsorge einzahlen – es sei denn, sie widersprechen. Auch Selbständige sollen einzahlen dürfen.

Flexibel am Kapitalmarkt

Laut dem VZBV-Konzept sollen die Einzahlungen flexibel möglich sein. So seien etwa Beträge zwischen fünf und mehreren Hundert Euro pro Monat vorstellbar. Die Höhe der Einzahlungen soll dabei laufend geändert werden können. In einer "Basisvariante" sind vier Prozent des Bruttoeinkommens als monatliche Einzahlung vorgesehen.

Das eingezahlte Geld soll laut den VZBV-Plänen über private Fondmanager, die durch einen öffentlichen Träger per Ausschreibung beauftragt werden, am Kapitalmarkt angelegt werden. Die Organisation über den öffentlichen Träger reduziere im Vergleich zu gewinnorientierten Unternehmen die Kosten, begründete der Verband seinen Vorschlag.

Bis 49 vor allem Aktien

Eine Brille auf einem Antrag zur Riesterrente
Bisherige Vorsorgemodelle wie die Riesterrente sind nach Auffassung der verbraucherschützer kaum rentabel. Bildrechte: imago/Bernhard Classen

Bis zum 49. Lebensjahr des Arbeitnehmers soll das eingezahlte Geld laut dem VZBV-Konzept komplett in Aktien angelegt werden. Die Verbraucherschützer begründeten das damit, dass bei Aktien langfristig höhere Renditen zu erwarten seien. Da Aktien allerdings auch ein höheres Risiko bedeuteten, solle ab dem 50. Lebensjahr schrittweise in nicht so stark schwankende Anlagen umgeschichtet werden. Ausgeschüttet werden soll die "Extrarente" später, indem Fondsanteile Stück für Stück verkauft werden und der Erlös als monatliche "Extrarente" ausgezahlt wird.

VZBV: Bisher profitieren vor allem Versicherer

VZBV-Vorstand Klaus Müller begründete den Vorstoß seines Verbandes für die "Extrarente" damit, dass es bisher meist teure, kaum rentable und unflexible Altersvorsorge-Produkte gebe, von denen vor allem die Versicherungswirtschaft profitiere. Damit die Menschen aber mehr Geld im Alter zur Verfügung hätten, sei eine kostengünstige und gewinnbringende Anlage wichtig.

Aus diesem Grund wirbt der VZBV schon seit langem für ein neues Standardprodukt zur privaten Altersvorsorge. Laut Müller ist nun die Bundesregierung gefragt. Komme ein Gesetzentwurf noch in diesem Jahr, könnten Verbraucher bereits ab 2022 durch die "Extrarente" vorsorgen.

Kritik der Versicherungswirtschaft

Die Versicherungswirtschaft reagierte erwartungsgemäß mit Kritik auf den Vorstoß der Verbraucherschützer. Der Vorschlag löse keine der Herausforderungen für die Altersvorsorge, erklärte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV. So würden die Verbraucherschützer voll auf den Aktienmarkt setzten. Das Risiko müssten aber allein die Sparer tragen. Zudem ziele der Vorschlag in erster Linie auf Arbeitnehmer. Nötig sei aber eine Altersvorsorge unabhängig vom beruflichen Status.

Der Sozialverband VdK unterstützt hingegen den Vorstoß. Aus seiner Sicht bietet das Konzept Menschen, die mehr Geld zur Verfügung haben, transparente und kostengünstige Angebote der privaten Altersvorsorge.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. April 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. April 2019, 18:51 Uhr

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23 Kommentare

30.04.2019 10:39 Frank 23

Nur mal als kleine Anmerkung für unsere angeblichen Verbraucherschützer zum Nachdenken (denn Sie wissen nicht was Sie tun !) Die globalen Schulden belaufen sich derzeit auf 243 Bio. Dollar. Das ist ein neuer Rekord, der um das Dreifache über dem globalen BIP liegt. Das äußerst hohe Verhältnis der Schulden zum BIP liegt in den Industrieländern bei 390 Prozent. Wirtschaftsexperten warnen schon länger, wenn diese Schulden-Bombe explodiert, wird eine Krise ausbrechen, die verheerender als die von 2008 sein dürfte. Und nun soll das von den Arbeitnehmern zusammengekratzte Geld über private Fondmanager an diesen total überhitzten Kapitalmarkt angelegt werden. Was für eine Wahnsinnsidee !!! Diese Leute haben den Knall 2008 einfach überhört. Taub? Blind ? In den USA waren damals die Pensionskassen über Nacht plötzlich leer. Finito! Nachzufragen wäre wohl aber auch, welche Lobby wohl vielleicht dahinter steht.

30.04.2019 09:34 Fragender Rentner 22

Wenn das Teil über die Versicherungswirtschaft laufen soll, da haben die Verbrauerzentralen wohl einen Deal mit ihnen geschlossen??? :-(((

Alles was darüber läuft verursacht doch nur Kosten zu ungunsten der Einzahler !!!

Im HR-Fernsehen brachten sie gestern Abend auch einen Bericht darüber und da wurde ein Mann gefragt wie er darüber denkt, er sagte vor Jahren wollte man sich schon mal am schweizer System orientieren.

Sie fragte warum es nicht dazu kam und er meinte al es mit der Riesterrente usw. losging wurde es von den Politikern nicht weiter verfolgt.

Dort zahlt jeder in das System ca. 10% ein, auch der Vorstandsvorsitzende eines Konzerns und bekommt auch nur eine maximale Auszahlung von ca. 3.000,- schweizer Franken pro Monat als Auszahlung.

30.04.2019 09:21 Wachtmeister Dimpfelmoser 21

Alles, was den Menschen - "staatlich organisiert" - mehr in ihren Taschen verspricht, hat ungefähr den praktischen Wert von "Asthmazigaretten", wie sie vor etwa 100 Jahren zur Gesundheitsvorsorge angepriesen und verkauft wurden. Oder wie Die Ärzte einmal kundgaben: "Da ist ein Wort der Warnung angebracht".

30.04.2019 08:44 Werner 20

@Peter 10: Die geneigten Leser haben sich längst ihre Gedanken gemacht, wie man an den vielenvielen Antworten ganz leicht erkennen kann, nur der Adressat verweigert sich hartnäckig.

30.04.2019 07:38 Lilly 19

@Peter 10

"135 Euro. Das ist der gegenwärtig geltende Satz für Asylbewerber."

das ist der Satz wenn ein Asylbewerber in einer Sammelunterkunft lebt, zieht er aus, in eine Wohnung ist es schon erheblich mehr.
Nach einem Jahr kommt er in Harz 4 und dann sind nach oben keine Grenzen gesetzt

"Ich gestatte mir, Zweifel an" ;-)

30.04.2019 06:57 Bürger 18

Vor einigen Jahren bekam man 8 bis 9% Zinsen für sein gespartes Geld und war dabei auf der sicheren Seite als Anleger. Heute versucht man das die Leute in spekulative Anlagen investieren. Nein, gebt uns unsere vom Staat gestohlenen Zinsen wieder und verkauft die Bevölkerung nicht für dumm. Erst die Zinsen der Sparer einkassiert, damit die verschuldeten europäischen EU Länder saniert und anschließend die ganze Welt retten. So sieht die Wahrheit aus.Diese unfähige Regierung gehört abgewählt.

30.04.2019 05:51 Sabrina 17

Wessen Interessen vertreten die eigentlich?
Ganz bestimmt nicht die der Verbraucher - jedenfalls bei der Rente.
Hier wird nichts anderes vorgeschlagen, als noch ein Subventionsmodell für Private Versicherungsunternehmen. Der Altersvorsorgeanteil aus der Riesterrente genügt wohl nicht mehr, um das Schneeballsystem Private Altersvorsorge zu finanzieren.

Der Staat ist wirklich korrupt bis in den letzten Winkel.

30.04.2019 05:17 optinator 16

Und wenn der Bürger sich zu solch einem Model hinreißen lässt, kommt Vater Staat nach Jahren und verlangt seinen Anteil in dem irgendwelche Kosten darauf anfallen.
Bsp.: die volle Krankenversicherungsbeiträge bei den Endgeldumwandlungen/Direktversicherungen.
Ist auch erst im nachhinein geschehen. Der Bürger spart definitiv nicht für sich sondern für bestimmte Klientel.

30.04.2019 04:33 part 15

Jeder 4. im Osten hat ein Einkommen von unter 2000 € bei Vollbeschäftigung, also Armut durch Arbeit. Die vielen Teilzeitstellen flossen erst gar nicht ein in die Statistik. Jetzt soll durch Spekulation auf Wertschöpfung die Misere abgemildert werden, die durch Armutslöhne und fehlende Belastung von Arbeitgebern entsteht um den Staat blos nicht in die Pflicht nehmen zu müssen und alle anfallenden Risiken auf die Betroffenen abzuwälzen. Mit Verschlimmbeserungen wird das Grundproblem einer armutssicheren Rente nicht gelöst. Auch wenn hier die Versicherungswirtschaft etwas aufs Abstellgleis gerät, mit einer solidarischen Rentenfinanzierung hat dies wenig zu tun, es werden lediglich Dax- Konzerne davon profitieren.

30.04.2019 00:59 maheba 14

Von "Nichts" kommt "Nichts". Ist doch ganz einfach.
Wenn man auf Grund von Niedriglohn schon kaum was hat kann man ja kaum was aufbringen um sich in irgendwelche Fonds einzukaufen.
Erhöht die Löhne und Zinsen wieder. Anders sehe ich hier keine Lösung.
Geht ja aber nicht, die EU schreibt ja vor was zu tun ist.