Pandemie-Bekämpfung Lockdown nochmals länger und strenger?

Nach der Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die nächste Bund-Länder-Runde zu den Corona-Maßnahmen vorziehen zu wollen, ist eine Debatte über weitere Verschärfungen des Lockdowns entbrannt.

Tische und Bänke stehen vor einem Restaurant in der Innenstadt von Leipzig
Gastronomie und Läden könnten noch länger geschlossen bleiben als bislang geplant. Bildrechte: dpa

Die Deutschen müssen sich auf weitere Verschärfungen der Eindämmungsmaßnahmen gegen das Coronavirus einstellen. Am kommenden Dienstag wollen die Spitzen von Bund und Ländern die Lage beraten, teilte die Bundesregierung am Freitag mit.

Bereits am Donnerstagabend erklärte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, dass er mit Beratungen in der kommenden Woche rechne. Der CDU-Politiker sagte im ZDF: "Kindergärten komplett runterfahren, Schulen abschließen, wirklich Betretungsverbote in den Pflegeheimen, wenn kein negativer Schnelltest vorliegt – solche Dinge müssen wir besprechen."

Am Freitag ergänzte Kretschmer, dass es ihm vor allem um die Einhaltung bestehender Regeln gehe. Er denke nicht, dass die Wirtschaft insgesamt heruntergefahren werden müsse. Die Infektionszahlen müssten aber jetzt "hart und konsequent" heruntergebracht werden.

Dreyer: Sorge wegen Mutation

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) setzt ebenfalls auf neue Bund-Länder-Beratungen Anfang kommender Woche. Die SPD-Ministerpräsidenten hätten ohnehin dafür plädiert, sich früher als bisher geplant mit der Kanzlerin und auch mit Wissenschaftlern zu treffen, sagte Dreyer am Freitag im ZDF. Insbesondere die Mutationen des Virus seien gefährlich. Dreyer: "Das ist ja etwas, was uns alle wirklich gar nicht ruhen lässt." Ein Treffen der Spitzenpolitiker war bislang für den 25. Januar vorgesehen.

Wie das Coronavirus mutiert 1 min
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Grüne beantragen Beratungen im Bundestag

Die Grünen beantragten für die nächste Woche Sondersitzungen von Bundestagsausschüssen. "Angesichts der dramatischen Lage kann der Bundestag nicht bis zur nächsten regulären Sitzungswoche abwarten", sagte die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt, dem "Spiegel".

Göring-Eckardt forderte zudem eine Verschärfung des aktuellen Lockdowns. "Solange die Infektionszahlen nicht runtergehen, können die Lockdown-Maßnahmen nicht beendet werden, und es werden weitere Maßnahmen nötig sein, besonders in der Arbeitswelt", sagte die Fraktionschefin.

Lauterbach: Pflicht zu Homeoffice

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich ebenfalls dafür aus, die Betriebe und Büros stärker in den Blick zu nehmen. Lauterbach sagte den Funke-Medien, der Lockdown sei nicht so erfolgreich, wie er sein müsse. Homeoffice solle verpflichtend gemacht werden.

Virologe Stöhr: Zielwerte zu schwierig zu erreichen

Der Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr hält derweil das Ziel von 50 Corona-Neuinfektion pro 100.000 Einwohner in einer Woche für zu hoch angesetzt. Stöhr sagte MDR AKTUELL, bei diesem Wert werde der Druck auf die Gesellschaft und Wirtschaft zu groß.

Nach seiner Beobachtung der letzten beiden Monate komme man höchstwahrscheinlich mit 130 bis 150 Fällen einigermaßen gut zurecht. Man müsse die Corona-Schutzmaßnahmen immer wieder anpassen. Man brauche ein Niveau, das durchhaltbar und für die Menschen nicht demotivierend sei. Geschäfte, Kindergärten und Grundschulen müssten mit guten Hygieneregeln wieder öffnen dürfen. Stöhr plädierte außerdem dafür, sich mehr auf Alten- und Pflegeheimen zu konzentrieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Januar 2021 | 08:00 Uhr

347 Kommentare

Frank 1 vor 6 Wochen

Wie kommt Außenminister Maas auf die grandiose Idee für Geimpfte Lockerungen zu verlangen? Seit Monaten predigen Politiker gebetsmühlenartig Solidarität! Genügend Impfstoff ist absehbar nicht vorhanden und ich kann mich zeitlich nicht absehbar auch nicht impfen lassen, da ich nicht zur derzeit definierten Risikogruppe gehöre. Vor diesem Hintergrund, der sehr viele Impfwillige betrifft, kommt Herr Maas und betätigt sich als Spalter, statt Solidarität zu fordern. Dann gibt es ja noch das GG. In dem ist die Gleichbehandlung festgeschrieben.

ralf meier vor 6 Wochen

Hallo Wessi, wenn Sie akzeptieren könnten, das ich mir meine Meinung zu Themen wie Corona nicht ideologisch, sondern auf Basis mir bekannter Fakten bilde, würden Sie vielleicht auch verstehen, warum ich meine Meinung schon mal ändere oder wie Sie es schreiben, einen Rückzieher mache.
Manchmal mache ich solch einen 'Rückzieher' auch, wenn mir eigene Einsicht oder das Feedback eines Foristen das Gefühl gibt, das ich mich im Ton vergriffen habe. Sowas passiert mir schon mal. Das sollte Ihnen nicht ganz unbekannt sein. PS: Die erste und letzte Partei meines Herzens war die SPD und das über 30 Jahre lang.

MDR-Team vor 6 Wochen

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