Der Sitz des Verteidigungsministeriums in Bonn auf der Hardthöhe
Die Hardthöhe: Sitz des Verteidigungsministeriums in Bonn. Bildrechte: dpa

Weiter sechs Ministerien in Bonn Vorstoß für Komplettumzug der Bundesregierung nach Berlin

Fast drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung haben noch immer sechs Bundesministerien ihren Hauptsitz in Bonn. Politiker mehrerer Parteien fordern einen Komplettumzug nach Berlin - aus finanziellen, administrativen und ökologischen Gründen.

Der Sitz des Verteidigungsministeriums in Bonn auf der Hardthöhe
Die Hardthöhe: Sitz des Verteidigungsministeriums in Bonn. Bildrechte: dpa

Politiker mehrerer Bundestagsfraktionen fordern einen vollständigen Umzug aller Bundesministerien nach Berlin. Der SPD-Chefhaushälter Johannes Kahrs sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Im Haushaltsausschuss gibt es eine große Mehrheit dafür, den Umzug von Bonn nach Berlin zu beschleunigen."

Nicht nur Flüge das Problem

Johannes Kahrs (SPD), haushaltspolitischer Sprecher seiner Bundestagsfraktion
Kahrs: "Große Mehrheit für Beschleunigung des Umzugs." Bildrechte: dpa

Laut Kahrs sind nicht nur die Flüge der Ministerialbeamten zwischen Bonn und Berlin das Problem, sondern auch das schlechte Regieren. "Wer gut regieren will, muss seine Mitarbeiter am Ort haben." Andernfalls seien Austausch und Absprachen nur schwer möglich.

Außerdem gehe es der alten Bundeshauptstadt Bonn mittlerweile so gut, dass es den vollständigen Regierungsumzug problemlos verkraften würde, begründete der SPD-Politiker seinen Vorstoß.

Auch Linke für Zusammenführung

Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag
Bartsch: "Sind für Zusammenführung der Bundesregierung in Berlin." Bildrechte: dpa

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch, erklärte: "Wir sind für die Zusammenführung der Bundesregierung am Standort Berlin - und zwar aus finanziellen, sozialen und ökologischen Gründen."

Der FDP-Klimaexperte Lukas Köhler sprach sich dafür aus, die Flüge von Ministeriumsmitarbeiter zwischen Bonn und Berlin nach Möglichkeit einzuschränken. Es müsse "stärker auf den Einsatz von Videokonferenzen und Onlinetools" gesetzt werden.

Sechs Ministerien immer noch in Bonn

Das Bonn-Berlin-Gesetz von 1994 sieht vor, dass Bonn das zweite politische Zentrum der Bundesrepublik bleiben soll. Sechs Ministerien haben ihren Hauptsitz weiterhin in der früheren Bundeshauptstadt: das Verteidigungs-, Landwirtschafts-, Entwicklungs-, Umwelt-, Gesundheits- sowie das Bildungsministerium. Die anderen Bundesministerien mit Hauptsitz in Berlin haben einen zweiten Dienstsitz in Bonn. Das hat zur Folge, dass tausende Politiker und Beamte wöchentlich zwischen Bonn und Berlin pendeln.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Juli 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2019, 10:05 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

13 Kommentare

21.07.2019 15:59 Fragender Rentner 13

@Critica zu 11

Du scheint wohl nicht zu wissen, dass es in Bonn viel ruhiger und beschaulicher ist als in Berlin?

Man wird da bestimmt auch nicht von den Medien so bedrängt wie in Berlin.

21.07.2019 10:31 Fragender Rentner 12

Hatte ich das bei einem Sender richtig gehört, es soll ja nur das Ministerum mit dem Hauptsitz nach Berlin umziehen?

Da bleiben dann wohl doch noch so manche oder viele Abteilungen in Bonn?

Wenn dem so ist, da wird die Fliegerei wohl nicht aufhören !!! :-(((

Wie nennt man so etwas?

21.07.2019 09:24 Critica 11

Wissen die Ministerien nicht, dass es Internet gibt. Das funktioniert auch ohne Flugzeug :). Die kleinen Bürger sollen alles via Internet regeln, vielleicht um sie auszuhorchen. Und die Ministerien? Ach so, die kennen ja kein Internet.

20.07.2019 19:55 Fragender Rentner 10

Wie sagten sie bei RTL, dass die Mitarbeiter des Umweltministerium in diesem Jahr nur 1.740 mal von Bonn nach Berlin gefolgen sind ist doch prima oder nicht?

Uns erzählen sie etwas vom Einsparen von CO2 und die lassen es massenweise durch die Flüge in die Luft !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Man muß doch diese grundehrlichen Politiker richtig gern haben oder nicht?

20.07.2019 14:22 Leonard 9

Alle reden über die Umwelt. Aber wenn es konkret wird, ducken sich alle weg. Die täglichen Flüge kosten jede Menge für den Steuerzahler und schaden der Umwelt. Man hat fast 30 das Problem nicht angepackt.

20.07.2019 13:50 pkeszler 8

Ich bin auch aus Ersparnisgründen dafür, dass alle Bundesministerien in die Bundeshauptstadt Berlin gehören. Die zugeordneten Ämter können auch in anderen Städten ihren Sitz haben. Das ist doch das gleiche Problem wie in der EU, wo schon länger angestrebt wird, dass die ständige Umherzieherei zwischen Straßburg und Brüssel aufhört.

20.07.2019 12:46 Wessi 7

Die gute "Bonner Republik" fusste auf Dezentralität+das sollte auch so bleiben.Es hilft nicht alle 25 Jahre mal wieder an Beschlossenem etwas zu ändern.Es hatte einen Sinn die Regelung 1994 einzuführen+keiner hat gesagt, daß Erfolg kein Geld kosten darf.Es gibt heute genau so viele Befürworter+Ablehner wie derzeit.Man sollte seine Tradition, die der BRD, hoch halten.

20.07.2019 12:07 Fragender Rentner 6

Oh sollen jetzt wohl doch die versprochenen Ministerien in den Osten kommen?

Oder stehen jetzt ein paar Wahlen im Osten an?

Erst mal hamm sprach Schramm.

20.07.2019 11:48 Ureinwohner 5

Hochgerechnet auf das ganze Jahr 2019 läuft das auf rund 3000 Flüge hinaus. Damit dürfte ausgerechnet das Umweltministerium seinen ökologischen Fußabdruck gegenüber dem Vorjahr deutlich vergrößern. Denn im gesamten Jahr 2018 sind die hauptberuflichen Umweltschützer „nur“ 2755 Mal vom Rhein an die Spree geflogen und umgekehrt.Das ist die Umweltbilanz eines
Ministeriums.Sechs Ministerien immer noch in Bonn.Das hat zur Folge, dass tausende Politiker und Beamte wöchentlich zwischen Bonn und Berlin pendeln. MDR bitte mal etwas genauer. Weiviel Flüge denn nun fragt der Steurzahler ? Was kostet das ?

20.07.2019 11:46 Manni 4

Es gab keine " Wiedervereinigung "!
Es gab einen Beitritt - zum Geltungsbereich des Grundegesetzes.

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]