Sarah Wagenknecht (Franktionsvorsitzende DIE LINKE) bei ihrer Rede auf dem Parteitag.
Fraktionschefin Wagenknecht bei ihrer Rede am Sonntag auf dem Linken-Parteitag in Leipzig. Bildrechte: IMAGO

Linken-Parteitag Wagenknecht-Rede Auslöser für heftige Debatte zum Thema Zuwanderung

Linken-Fraktionschefin Sarah Wagenknecht ist das bekannteste Gesicht der Linken. Nach ihrer Rede am Sonntag auf dem Parteitag in Leipzig entschlossen sich die Delegierten noch einmal, über Arbeitsmigration zu debattieren.

Sarah Wagenknecht (Franktionsvorsitzende DIE LINKE) bei ihrer Rede auf dem Parteitag.
Fraktionschefin Wagenknecht bei ihrer Rede am Sonntag auf dem Linken-Parteitag in Leipzig. Bildrechte: IMAGO

Die Linken-Partei hat auf ihrem Parteitag in Leipzig mehr Diskussionsbedarf zum Thema Migration angemeldet. Nach einer Rede von Fraktionschefin Sahra Wagenknecht wurde überraschend eine neue Debatte zum Thema bewilligt. Der Antrag war mit nur einer Stimme Vorsprung genehmigt worden.

Wagenknecht fordert sachliche Diskussion

Die Debatte über die Flüchtlingspolitik und ob es einen unbeschränkten Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt geben solle, zerreißt seit Monaten die Partei. Wagenknecht war in ihrer Rede am Sonntag erneut darauf eingegangen. Sie forderte, dass die Linke den Streit sachlich führen müsse und ohne Diffamierungen. Wagenknecht hatte in der Vergangenheit mehrfach erklärt, dass sie es für "weltfremd" halte, dass jeder nach Deutschland kommen und Anspruch auf alle Sozialleistungen haben könne. Sie war daraufhin in der Partei kritisiert worden.

Fraktionschefin greift "Vogelschiss"-Zitat auf

In Leipzig erklärte die Fraktionschefin zugleich, sie erwarte nicht, dass alle Linken ihre Meinung teilten, aber sie erwarte eine "solidarische Diskussion". Es sei eine "Unkultur der Debatte" und "infam", ihr bei dieser Frage Rassismus, Nationalismus und Nähe zur AfD vorzuwerfen.

Stattdessen müsse die Linke sich der AfD und den Rechten in der Gesellschaft entgegenstellen, anstatt sich gegenseitig zu zerlegen. So solle die Partei vielmehr dafür sorgen, dass die AfD eines Parteivorsitzenden Alexander Gauland "zu einem Vogelschiss in der deutschen Geschichte" werde. Wagenknechts Zitat ist eine Anspielung auf Gaulands Äußerung Anfang Juni bei einem Treffen der Nachwuchs-AfD. Auch rief Wagenknecht die Linke auf, sich wieder stärker um die zum Teil verloren gegangene Stammwählerschaft im Osten zu kümmern. Angesichts der dortigen Stimmverluste bei der Bundestagswahl "können wir uns nicht zurücklehnen und zur Tagesordnung übergehen".

Leitantrag zu offenen Grenzen mehrheitlich angenommen

Die Linken hatten am Samstag mit großer Mehrheit einen Leitantrag der Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger angenommen, in dem offene Grenze für Flüchtlinge gefordert werden und damit Wagenknecht indirekt eine Absage erteilt. Zudem bestätigten die rund 580 Delegierten ihre Parteispitze im Amt, wenngleich mit deutlich anderer Zustimmung als noch vor zwei Jahren. Auf dem Parteitag in Leipzig erhielt Kipping 64,46 Prozent der Stimmen (2016: 74 Prozent), für Riexinger votierten 73,8 Prozent der Delegierten (2016: 78,5 Prozent). Gegenkandidaten gab es keine.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Juni 2018 | 13:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2018, 16:19 Uhr

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29 Kommentare

12.06.2018 00:00 Eulenspiegel 29

Ich denke man muss hier mal klar daran erinnern. Wir haben in unserer Verfassung ganz klar das Recht auf freie Religionsausübung festgelegt. Und das gilt für alle Religionen. Außerdem ist die BRD schon immer ein weltoffenes Land gewesen. Das heißt das alle Weltreligionen ganz selbstverständlich hier eine Heimat haben.

11.06.2018 23:46 Eulenspiegel 28

Also ich denke die Linken machen da grade ein Orientierungsprozess durch. Frau Wagenknecht ist da schon auf den richtigen Kurs. Auch ich denke unser Haus sollte offen stehen für alle Kriegsflüchtlinge und alle politisch Verfolgten. Und all die Leute die sich bei uns ein besseres Leben versprechen können wir nur in so weit aufnehmen wie sie unserer Volkswirtschaft nützen. Ich denke da ist jede Investition, die dazu führt das es den Leuten in ihren Heimatländern so gut geht das sie gar nicht daran denken auszuwandern eine gute Investition.

11.06.2018 19:51 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 27

@ 25:
Wenn für Dich als Deutschen das Ablehnen der Ausgrenzung von Muslimen 'kein anständiges Argument' ist, bist Du in meinen Augen auch kein 'anständiger Deutscher'.

11.06.2018 19:01 Günter 26

Am besten man tauscht die Wagenknecht mit der Genossin Merkel aus. Letztere passt viel besser zur Genossin Kipping

11.06.2018 18:41 Ich bins 25

@Krause. Schon wieder die Problematik mit Religionshaus grenzung? Bringen sie endlich mal anständige Argumente!!

11.06.2018 17:07 ps55 24

Mit diesem leid (t)antrag werden die linken weitere wähler verlieren. Hier im Osten denken die menschen pragmatischer: das arbeitsangebot ist knapp, da sind leute, die keine Familie ernähren müssen und mit weniger Stundenlohn zufrieden sind, eine Konkurrenz.
Ausserdem ist es der falsche Weg, Menschen herzulocken und die dort gebliebenen verhungern zu lassen. Warum tritt die linke nicht dafür ein, dass die gegen syrien verhängten wirtschaftssanktionen beendet werden. Das käme den Menschen in syrien direkt zugute.

11.06.2018 13:05 annerose will 23

Sarah W. ist neben Lafontain wohl die einzige Realistin in dieser früher mal wählbaren Partei. Der Rest ist dem politischem Mainstream völlig angepasst und marschiert mit in Richtung Kollaps entweder ohne Sinn und Verstand oder noch schlimmer vorsätzlich wenn letztere vorhanden wären.

11.06.2018 09:51 karstde 22

Eines der sehr wenigen Politiker(in) die noch Verstand und Wissen hat. Aber leider setzt sich Dummheit, Borniertheit und Machtbesessenheit immer mehr durch.

11.06.2018 09:16 Bingo 21

Erst bettelte Merkel, um die Gunst und denn Zuzug von Flüchtlinge, jetzt legen die Linken nach. Die Flüchtlingsindustrie brauch Nachschupp, an angeblich Asylsuchenden.Fr.Wagenknecht, verlassen sie den Haufen...

11.06.2018 00:53 Sabrina 20

@ 10.06.2018 16:04 Ingo - Ostseebad Binz

Zitat:
"Ich erwarte von dieser Partei, die ich übrigens auch wähle, dass Realitätssinn vor Profilierungssucht steht."

Ich habe diese Partei früher mal gewählt, trotz Bauchschmerzen angesichts der wirtschaftspolitischen Vorstellungen von gregor Gysi, die ja faktisch das umgekehrte Spiegelbild des Neoliberalismus sind.

Diese Partei, die das Hierherlocken von Menschen aus Afrika, die nicht selten zu Hause alles aufgeben und entwurzelt in Turnhallen landen und anschließend in der Arbeitslosigkeit und Chancenlosigkeit bzw. im colateralen Wirtschaftsbetrieb (Drogen, Einbrüche...), als Humanismus darzustellen versucht, als ein Stehen auf der Seite der Entrechteten, ist für mich nicht wählbar. Die Führung um Kipping/Riexinger/Ramelow ist genauso verlogen wie die SPD.