Holocaust-Gedenktag Politiker warnen vor wachsendem Antisemitismus

Mehrere Politiker haben vor wachsendem Antisemitismus in Deutschland gewarnt und die Erinnerung an den Holocaust angemahnt. Außenminister Maas kündigte an, dass der Kampf gegen Antisemitismus ein Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft sein werde. Der Zentralrat der Juden forderte, Besuche in Gedenkstätten sollten für Schulklassen Pflicht sein.

26.01.2020, Berlin: Kerzen brennen am Holocaust-Mahnmal
75 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz sind am Sonntag 75 Kerzen am Holocaust-Mahnmal in Berlin entzündet worden. Sie sollen an die ermordeten Juden Europas erinnern. Bildrechte: dpa

Einen Tag vor dem Holocaust-Gedenktag haben mehrere Politiker davor gewarnt, dass Antisemitismus und Ausgrenzung in Deutschland zunehmen.

Ramelow: Erinnerung an Millionen Morde lebendig halten

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow machte deutlich, dass der Kampf gegen Antisemitismus Aufgabe der Gesellschaft bleibt. Er sagte, jeder Einzelne müsse sich fragen, wie dem Hass begegnet werden könne.

Der Linken-Politiker mahnte, auch 75 Jahre nach der Befreiung des NS-Konzentrationslagers Auschwitz sei es wichtig, die Erinnerung an die Millionen Morde und an die beispiellose Verrohung und das komplette Versagen jeglicher Menschlichkeit lebendig zu halten.

Schuster für verbindliche Gedenkstättenbesuche

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat sich für verbindliche Gedenkstättenbesuche von Schulklassen ausgesprochen. Er sagte dem "Tagesspiegel", entscheidend sei, dass derartige Besuche in der Schule angemessen vor- und nachbereitet würden. Davon hänge ab, was sie bewirkten.

Schuster betonte, wenn eine Schulklasse von München aus erst kurz in die KZ-Gedenkstätte Dachau fahre, danach die Filmstudios besuche und zwischendurch zu McDonalds gehe, dann sollte man es lieber lassen. Zudem beklagte Schuster Defizite bei Lehrern etwa im Umgang mit antisemitischen Vorfällen in der Schule und sprach sich für Fortbildungen aus.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrat der Juden
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Wer den Abgrund von Auschwitz kennt, wird die Menschenwürde nie aufs Spiel setzen.

Josef Schuster

Theologin Bosse-Huber: Erinnerung ist nötig für Versöhnung

Die Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche in Deutschland, Petra Bosse-Huber, die Erinnerung an den Völkermord durch Nationalsozialisten sei nötig, damit Vergebung und Versöhnung eine Chance bekämen.

Bei einem Gedenkgottesdienst für die in der NS-Zeit ermordeten Sinti und Roma im Berlin Dom sagte die Theologin, für die Angehörigen der Sinti und Roma sei dasselbe Schicksal vorgesehen gewesen wie für die jüdische Bevölkerung. Für die Mehrheitsgesellschaft bedeute dies, Wahrheiten auszuhalten und anzuerkennen und sich einen brutal ehrlichen Spiegel vorhalten zu lassen.

Maas warnt vor Wegzug von Juden

Außenminister Heiko Maas warnte vor einem massiven Wegzug von Juden aus Deutschland. In einem Beitrag für den "Spiegel" schrieb er, es sei eine Schande und ein Albtraum, dass sich Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland nicht mehr sicher fühlten. Die Politik müsse gegensteuern. Maas kündigte außerdem an, dass der Kampf gegen Antisemitismus von Juli an ein Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft sein werde.

Jüdischer Weltkongress: Deutschland muss mehr gegen Hetze tun

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, fordert, Deutschland müsse mehr gegen antisemitische Hetze tun. Der "Bild"-Zeitung sagte er, den größten Nachholbedarf sehe er bei der Bekämpfung von Hass und Rassismus im Netz. Dies sei keine Frage mangelnder Technik. Das sei eine Frage des Willens, den Menschen das Handwerk zu legen, die im Internet Rassismus und Judenhass verbreiteten.

Gedenktag erinnert an Befreiung von KZ Ausschwitz

Der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar erinnert an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren durch die Rote Armee. Allein dort wurden von den Nationalsozialisten etwa 1,1 Millionen Menschen ermordet, die allermeisten von ihnen waren Juden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Januar 2020 | 17:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2020, 18:47 Uhr