Ferkel schlafen auf der Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung (BrasLa)
Schweine auf Landwirtschaftsausstellungen geben meist ein zufriedenes Bild ab. Bildrechte: dpa

Tierhaltung Bauern hadern mit staatlichem Tierwohl-Label

Obwohl es immer mehr Vegetarier gibt, isst die Mehrheit der Deutschen weiterhin viel Fleisch. Rund 60 Kilogramm sind es pro Einwohner und Jahr. Vielen würde es allerdings besser schmecken, wenn sie wüssten, dass die Tiere nicht übermäßig leiden mussten. Schon jetzt gibt es diverse Tierwohl-Label, die das garantieren sollen. Die Bundesregierung will 2020 ein weiteres - staatlich geprüftes - hinzufügen. Zunächst für Schweine. Was kann das bringen?

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Ferkel schlafen auf der Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung (BrasLa)
Schweine auf Landwirtschaftsausstellungen geben meist ein zufriedenes Bild ab. Bildrechte: dpa

Auf der Landwirtschaftsausstellung Agra in Leipzig tapsen sieben Schweinchen durch eine geräumige Box. Sie schnuppern, schmatzen und kuscheln. Dass sie ständig begafft werden, stört sie nicht. Als Ausstellungsschweine geht es ihnen gut.

Frank Schröder betreut die Tiere für die Interessengemeinschaft der sächsischen Schweinehalter auf der Messe Agra und kann ihnen sogar Spielzeug als Beschäftigungsmaterial anbieten: Beißsterne, Beißstangen, auch eine Beißkugel. Beweglich an Ketten angebracht. "Weil die Schweine, wenn sie nicht gerade schlafen, auch einen hohen Bewegungsdrang haben und ein starkes Erkundungsverhalten zeigen", sagt Schröder.

Spielzeug und Platz

Die Bundesregierung will, dass es möglichst vielen Schweinen so gut geht. Für kommendes Jahr plant sie ein staatliches Tierwohllabel in drei Stufen. In der ersten Stufe müssen Schweine mindestens 20 Prozent mehr Platz erhalten als gesetzlich vorgeschrieben. Je Schwein also mindestens 0,9 Quadratmeter. Die Tiere müssen Spielzeug aus Naturmaterial erhalten. Und ihre Schwänze dürfen nur noch in Ausnahmefällen gekürzt werden.

Doch wie viele Bauern werden künftig nach Kriterien des Labels wirtschaften? Nele Kruse vom Bauernverband Sachsen-Anhalt sagt, dass Landwirte grundsätzlich bereit seien, Tierwohl umzusetzen. Allerdings nur, wenn sie diese Mehrmaßnahmen erstattet bekämen.

Die Verbraucher sagen zwar immer, sie wollen mehr Tierwohl und fordern immer mehr Tierwohl. Was aber letztlich an der Ladentheke gekauft wird, ist leider häufig ein anderes Bild.

Nele Kruse Bauernverband Sachsen-Anhalt

Tierwohl kostet

Grundsätzlich ist es nicht schwer, Ställe angenehmer zu gestalten. Eckhard Meyer, Referent für Schweinehaltung im sächsischen Landwirtschaftsministerium, hat einige Modelle zur Agra mitgebracht. Sie zeigen gut durchlüftete Räume mit Freiflächen, bieten 1,3 Quadratmeter pro Schwein. Doch auch Meyer sagt, das koste: "Wir können sagen, wenn wir in diese tierwohlorientierte Haltung irgendwo einsteigen, dann brauchen wir bei vielen Systemen, die wir vom Stallbau entwickelt haben, 30 Cent pro Kilogramm Schlachtgewicht eben mehr. "

Freiwillig ist zu wenig

Im ökologisch ausgerichteten Anbauverband "Bioland" sieht man darin kein Problem. Referentin Katharina Winter sagt, der Verbraucher sei durchaus bereit, mehr zu zahlen. Sie bedauert es, dass das Tierwohllabel eine freiwillige Sache bleiben wird. Tierwohl müsse doch verpflichtend sein, wenn man feststelle, dass Tiere nicht gut gehalten werden und dass das Leid verursache. "So besteht ja immer noch die Möglichkeit, dass die Tiere so gehalten werden, wie es jetzt gesetzlicher Standard ist, wo eigentlich erkannt worden ist, dass das für das Tier nicht gut ist." Tierwohl müsse gesetzlicher Standard werden.

Dass der gesetzliche Standard unzureichend ist, bestreiten die konventionellen Landwirte. Mancher ermöglicht auch jetzt schon freiwillig mehr, als das Gesetz verlangt. Denn es gibt zahlreiche private Tierwohllabels. Einige setzen tatsächlich Standards, andere sind nur Marketing. Ein staatliches Label würde mehr Klarheit bringen, da es staatlich kontrolliert wäre.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. April 2019 | 06:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. April 2019, 07:29 Uhr

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8 Kommentare

30.04.2019 15:51 Fragender Rentner 8

@Max W. zu 7

Kann man sich mit den Lagerarbeitern überhaupt unterhalten?

Es wurde da nur ein Mensch gezeigt der an den geteilten Schweinen etwas wegschnitt was auch auf Krankheiten oder Überanstrengung in den Ställen zutuen hatte, wie man sagte.

Von einer Kühlkette hatte ich in dem Teil als ich zuschaltete nicht gesehen, ob der Bericht noch länger war weiß ich nicht, müßte man in einer Mediathek nachschauen.

Heute Mittag bei ARD/ZDF kam auch ein kleiner Bericht über Schweinetransporte nach Deutschland und die Fahrerin konnte oder wollte kein Deutsch verstehen.
Sie solle die Klimaanlage oder die Belüftung einschalten.

30.04.2019 08:49 Max W. 7

@29.04.2019 15:08 Fragender Rentner (Wie brachten sie am Wochende in einem Bericht von einem Schlachthaus, wo die toten Schweine hingen wo es Leute gibt die extra schauen wo noch Geschwülste u.ä. zu sehen waren, was sie dann wegschnitten !!!!!!!!!!!!!!!

Angeblich sollen nur gesunde Tiere zum Schlachten kommen ??????????)

Ich kann jedermann nur empfehlen, sich a. mal einen Schlachthof in Betrieb anzusehen, b. mit ein paar Logistikern zu sprechen, die in der Fleischkühlkette tätig sind und c. das gleiche mit Veterinären zu veranstalten.
WENN die mit ihnen sprechen wollen - was sich ganz stark bezweifle.

Und machen sie das nicht vor dem Essen...

30.04.2019 08:44 Max W. 6

"Tierwohl müsse doch verpflichtend sein"

Exakt. Und damit ist die Frage "Was soll das bringen" als polemisches Scheinproblem entlarvt. Hier macht sich eine Lobby "Sorgen" und zwar ausschliesslich um ihre Profite. Mehr muss man zu "Labels" und "freiwilligen Selbstverpflichtungen" auch nicht sagen - schon die Politruks der Marktideologie, die damit um sich werfen, wissen, dass sie lügen und zwar bei vollem Bewusstsein. Und deren Verlautbarer wissen das erst recht.

Wir wollen mal davon absehen, dass diese Frage seit Jahrzehnten in der "Diskussion" ist. "Unsere Politiker" habe sich dabei stets und fast ohne Ausnahme als Achtgroschenjungs der Agrarlobby gezeigt. Das sind übrigens ganz dieselben, die neuerdings auffälliges Interesse an "Seerettung" und "Integration" zeigen und eine Agenda2010 über das Land gebracht haben...

29.04.2019 15:08 Fragender Rentner 5

Wie brachten sie am Wochende in einem Bericht von einem Schlachthaus, wo die toten Schweine hingen wo es Leute gibt die extra schauen wo noch Geschwülste u.ä. zu sehen waren, was sie dann wegschnitten !!!!!!!!!!!!!!!

Angeblich sollen nur gesunde Tiere zum Schlachten kommen ??????????

29.04.2019 14:34 Jan 4

Fleisch ist in Deutschland viel zu billig. Bei solchen Preisen erkennt man schon, dass es den Tieren sehr schlecht ging.
Liebe Konsumenten, wenn ihr schon Fleich essen müsst, dann kauft dies bei eurem regionalen Fleischer. Vielleicht einfach mal ein paar Kilometer aufs Land fahren. Und fragt ruhig mal den Fleischer woher das Fleisch kommt.

29.04.2019 12:57 Atheist aus Mangel an Beweisen 3

Solange wie die Tiere so geschlachtet werden wie neuerdings, braucht mir keiner mit Tierwohl zu kommen!

29.04.2019 10:46 CDU Wählerin 2

wir Speisen zu viel Fleisch und sind zu dick. Schon unsere oft dicken Kids sehen es ein aber ... Werbung sei dank ist die Versuchung da und uns lieber am Eis als an Drogen naschend.
Fleisch sollte erheblich teurer werden! Besser Qualität als Gammelfleisch zu 1,99 /kg

zahlen wir 29,99 oder 39,99 je kg und haben Qualität muss es nicht täglich sondern wie 1970 am Wochenende was Besonderes sein.

29.04.2019 10:12 Hossa 1

Fleisch muss einfach teurer werden.
Es kann nicht sein das ein Produkt wofür Tiere ihr Leben geben verschleudert wird.