Umstrittenes Pilotprojekt Was passiert in Ankerzentren?

Bayern will Vorreiter sein – und nimmt als erstes Bundesland den Betrieb der umstrittenen Ankerzentren für Migranten auf. Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff Ankerzentren? Und was genau passiert dort?

Der Begriff "Ankerzentrum"

Das Wort "Anker" steht keineswegs für einen rettenden Hafen in stürmischer See. Es steht vielmehr für An(kunft), k(ommunale Verteilung), E(ntscheidung) und R(ückführung).

Um diese Aufgaben zu bewältigen, sollen vier Institutionen in den Ankerzentren eng vernetzt miteinander arbeiten: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), die Bundesagentur für Arbeit, Jugendämter sowie Ausländerbehörden und Verwaltungsgerichte. Kurze Wege sollen Verfahren beschleunigen. Die Aufgaben werden gebündelt erfüllt.

Aufenthalt bis zum positiven Bescheid

Etwa 1.000 bis maximal 1.500 Flüchtlinge sollen zentral in den Ankerzentren untergebracht werden. Zunächst wird die Identität der Flüchtlinge festgestellt. Nach der Altersbestimmung werden unbegleitete Minderjährige durch Jugendbehörden in Obhut genommen. Erwachsene bleiben in den Anker-Einrichtungen.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann erklärte, dass Geflüchtete bzw. Asylbewerber in der Regel bis zum Abschluss ihres Verfahrens in den Ankerzentren bleiben sollen. Erst im Anschluss sollen Menschen mit Bleibeperspektive auf die Kommunen verteilt werden. Auch Geflüchtete, die gegen einen ablehnenden Bescheid klagen, sollen in den Ankerzentren bleiben. Bei entgültiger Ablehnung eines Bleibeantrags sollen sie in ihre Heimatländer zurückgeführt werden.

Der Aufenthalt in den Ankerzentren soll in der Regel maximal 18 Monate dauern, bei Familien mit minderjährigen Kindern sechs Monate.

Caritas befürchtet Konflikte

Das "Anker"-Konzept wird von vielen kritisiert. Die Caritas etwa befürchtet, dass das Aufeinandertreffen der vielen Migranten ohne Perspektive unweigerlich zu Konflikten führt. Statt Integration zu fördern werde Aggression geschürt, wenn Menschen über längere Zeit ohne Beschäftigung auf engem Raum zusammenleben müssten.

Auch die Kinderrechtsorganisation Save the Children lehnt Ankerzentren ab. Diese Einrichtungen seien kein Ort für Kinder und Familien. Gerade für Heranwachsende böten solche großen Sammelunterkünfte keine geschützten und sicheren Räume.

Umsetzung ist Ländersache

Fest steht: Die Zentren sind ein zentraler Punkt in Seehofers Asylplänen, die fast zum Bruch der Großen Koalition geführt hätten. Wie die Bundesländer die Ankerzentren umsetzen, ist ihnen selbst überlassen. Während die meisten anderen Bundesländer vorerst nicht mitmachen wollen, setzt Bayern den Plan um. In allen sieben Regierungsbezirken werden dazu Transitzentren oder Erstaufnahmeeinrichtungen in Ankerzentren umgewandelt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 01. August 2018 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2018, 18:49 Uhr

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41 Kommentare

19.12.2018 17:16 Pfingsrose 41

nummer 39: Da muss ich Ihnen zustimmen.

19.12.2018 17:00 Dresdener 40

Ankern klingt wie bleiben:
Gefällt mir nicht!

19.12.2018 15:58 Beate G. 39

Ankerzentrum hin oder her,alle abschieben,die hier kein Bleiberecht haben und zwar ohne wenn und aber und auch keinen mehr ohne Papiere ins Land lassen.Viele sind es leid,seit 3 Jahren nur leeres Politikergeschwafel,nur es kommt nichts dabei herum,eher wird alles immer schlimmer.

19.12.2018 15:28 Fragender Rentner 38

Na hoffentlich geschehen da nicht auch solche Dinge wie in Bamberg vor kurzem in dem Zentrum?

19.12.2018 15:04 Sachse43 37

Blablabla: Abschieben und zwar sofort!
Die verantwortlichen Politiker reisen mit!

02.08.2018 18:15 Kritischer Bürger 36

@Peter 26 / 31: FAKTEN(?)BITTE: +...25 Prozent der seit 2015 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge haben inzwischen eine Arbeit. Das geht aus einem Medienbericht hervor. Viele von ihnen arbeiten in Jobs, bei denen keine guten Deutschkenntnisse erforderlich sind....+
=Jobs= sind auch Arbeit, aber oft nicht sozialversichert! Das zu Ersten: Quelle dazu tagesschau.de vom 31.05.2018! Also ziemlich aktuell auch wenn Sie diesem Medium sicher wieder etwas nachsagen würden.
Ihre 25% beziehen sich wohl auf: +...Laut einem Bericht der "Rheinischen Post" hat jeder Vierte von ihnen eine Beschäftigung gefunden....+ EINE BESCHÄFTIGUNG!! Jeder VIERTE das sind dann 25% von Hundert! Das zum Zweiten!
+...Etwa jeder Fünfte sei sozialversicherungspflichtig beschäftigt....+ Das bedeutet es kann sich höchstens um 20% handeln. Das zum Dritten!
Was ich von Statistiken halte ... naja! Alles zusammenrechnen wäre es gar 45% in Job, Beschäftigung und sozialversi-pfl. Tätigkeit. Ist doch ein Ergebnis oder?

02.08.2018 16:52 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 35

@ 34:
Zitat "Die FDP kann man ja sonst nicht für voll nehmen aber da hat der Lindner einmal recht."

Frei nach dem Motto: "Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn."?

[Liebe User, bitte bleiben Sie beim Thema. Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html ) nicht freigegeben. Ihre MDR.de-Redaktion]

02.08.2018 15:49 Freies Wort vs Etablierte Phraseologie 34

Die FDP kann man ja sonst nicht für voll nehmen aber da hat der Lindner einmal recht.
Die hier kein dauerhaftes Bleiberecht haben müssen hier weder ihre Familien hin holen, noch müssen sie in unsere Sozialsysteme integriert werden , noch müssen sie hier eine Ausbildung anfangen.
Eine Ausbildung , damit hier einige Firmen ihr "Hire and Fire" fortsetzen können , ausstellen und wieder neue einstellen damit die Löhne unten bleiben. Wer sucht denn ewig " Fachkräfte " , doch wohl meist die , welche am beschi...... bezahlen.

02.08.2018 08:34 Ekkehard Kohfeld 33

Ziegelstein 32 @29: Tja Lisa, um ebenfalls ein wenig bildlich zu bleiben:
Wer hoch fliegt, fällt tief.##Um ein wenig bildlich zu bleiben dann werden der Anderen ja noch tiefer fallen da ist so gar
etwas wahres dran wenn man die sinkenden Werte der letzten Jahre sieht:-)))))))Sie sind echt ein sonder Fall ein Eigentor nach dem Anderen:)))

01.08.2018 22:10 Peter 32

@29: Tja Lisa, um ebenfalls ein wenig bildlich zu bleiben:
Wer hoch fliegt, fällt tief.
Oder anders:
Die Fettleibigen haben ein erhöhtes Gesundheitsrisiko.