Am 6. Februar 1919 tritt die Verfassungsgebende Deutsche Nationalversammlung in Weimar erstmalig zusammen, die Eröffnungsrede hält der Volksbeauftragte Friedrich Ebert.
Am 6. Februar 1919 tritt die Verfassungsgebende Deutsche Nationalversammlung in Weimar erstmalig zusammen, die Eröffnungsrede hält der Volksbeauftragte Friedrich Ebert. Bildrechte: dpa

Hintergrund Weimar 1919 - Geburt der ersten deutschen Demokratie

Die militärische Niederlage im Ersten Weltkrieg beschert Deutschland die Revolution, seine erste parlamentarische Regierung sowie die erste parlamentarische Demokratie seiner Geschichte. Das Fundament dafür legt die erste nach gleichen und geheimen Wahlen gewählte deutsche Nationalversammlung, die ab dem 6. Februar 1919 in Weimar tagt.

 Am 6. Februar 1919 tritt die Verfassungsgebende Deutsche Nationalversammlung in Weimar erstmalig zusammen, die Eröffnungsrede hält der Volksbeauftragte Friedrich Ebert.
Am 6. Februar 1919 tritt die Verfassungsgebende Deutsche Nationalversammlung in Weimar erstmalig zusammen, die Eröffnungsrede hält der Volksbeauftragte Friedrich Ebert. Bildrechte: dpa

Vor 100 Jahren, am  6. Februar 1919, um 15:15 Uhr eröffnet der Sozialdemokrat Friedrich Ebert die Deutsche verfassungsgebende Nationalversammlung, die nach Novemberrevolution, Kaisersturz und Ende des Ersten Weltkrieges im Weimarer Nationaltheater zusammenkommt. Anwesend sind 432 gewählte Volksvertreter, darunter erstmals 37 Frauen, die Ebert auch besonders hervorhebt.

Meine Damen und Herren, die Reichsregierung begrüßt durch mich die Verfassunggebende Versammlung der deutschen Nationen. Besonders herzlich begrüße ich die Frauen, die zum ersten Mal gleichberechtigt im Reichsparlament erscheinen. Die provisorische Regierung verdankt ihr Mandat der Revolution; sie wird es in die Hände der Nationalversammlung zurücklegen.

Friedrich Ebert in seiner Eröffnungsrede im Weimarer Nationaltheater

Gewaltige Herausforderungen

Friedrich Ebert
Der erste Reichspräsident der Weimarer Republik, Friedrich Ebert. Bildrechte: dpa

Die Nationalversammlung steht vor riesigen Aufgaben: Neben einer demokratischen Verfassung muss sie Frieden mit den alliierten Siegermächten schließen, eine provisorische Regierung bilden sowie dem Volk Arbeit und Brot verschaffen.

Dabei herrscht Unruhe im Land. Deutschland ist gespalten, die einen wollen mehr Revolution, die anderen zurück zum Obrigkeitsstaat. Zudem steht die junge Republik nach dem verlorenen Krieg auch unter starkem außenpolitischen Druck.

Zuversichtlich ruft Ebert den etwa drei Monaten zuvor gewählten Volksvertretern zu:

Das deutsche Volk ist frei, bleibt frei und regiert in aller Zukunft sich selbst.

Friedrich Ebert im Weimar

Am 19. Januar 1919, finden in Deutschland die ersten freien und geheimen Wahlen statt, bei denen erstmals auch Frauen zugelassen sind. Die Wahlbeteiligung liegt bei 83 Prozent.

Weimar wegen Unruhen in Berlin

Weimar wird als Tagungsort insbesondere wegen der Unruhen und Straßenkämpfe im revolutionären Berlin ausgewählt. Ebert hoffte zugleich, dass Weimar als Heimstatt der freiheitsliebenden Deutschen Klassik Wirkung auf das Ausland hinterlässt.

Fast 200 Tage harte Parlamentsarbeit

Bereits am 11. Februar 1919 wird Ebert zum vorläufigen Reichspräsidenten gewählt und sein Parteikollege Philipp Scheidemann mit der Regierungsbildung beauftragt, die zwei Tage später ihre Geschäfte aufnimmt.

Am 22. Juni 1919 stimmt die Nationalversammlung nach heftigen Auseinandersetzungen und dem Rücktritt des Kabinetts Scheidemann unter dem Druck der Alliierten dem Versailler Vertrag zu. Am 31. Juli 1919 verabschiedet die Nationalversammlung nach hitzigen Debatten die Verfassung der Weimarer Republik, die am 14. August 1919 in Kraft tritt - die erste demokratische Verfassung für ganz Deutschland. Im September - nach fast 200 Tagen Arbeit - verlassen die Parlamentarier Weimar und ziehen wieder in die Hauptstadt Berlin.

Über die Weimarer Verfassung

Die Weimarer Reichsverfassung hat erstmals allen Deutschen im Reich Grundrechte garantiert und der ersten deutschen Demokratie ihre rechtliche Grundlage gegeben. Das allgemeine gleiche Wahlrecht wurde auch den Frauen zuteil. Zudem besaß die Bevölkerung durch Volksbegehren und Volksentscheide die Möglichkeit, Gesetze direkt zu beschließen.

Als klassische bürgerliche Grund- und Freiheitsrechte wurden Rechtsgleichheit, Freiheit der Person, Freizügigkeit, Recht der freien Meinungsäußerung, Petitionsrecht, Versammlungsfreiheit sowie die Glaubens- und Gewissensfreiheit in die Weimarer Verfassung mitaufgenommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Februar 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Februar 2019, 05:00 Uhr