Blick in die Menge bei der Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 in Leipzig
Am 2. Oktober 1989 wurde "Wir sind das Volk" geboren, der Revolutionsruf schlechthin. Bildrechte: dpa

Reportage Wer erfand "Wir sind das Volk"?

Am 9. Oktober 1989 liefen mehr als 70.000 Menschen über den Leipziger Innenstadtring. Es war die entscheidende Montagsdemonstration und "Wir sind das Volk!" wohl der Revolutionsruf schlechthin. Aber wer hatte die geniale Idee dazu? Wer hat den Satz "Wir sind das Volk" zum ersten Mal gerufen? Begleiten Sie Reporterin Kathrin Knabe bei ihrer Spurensuche in Leipzig.

Blick in die Menge bei der Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 in Leipzig
Am 2. Oktober 1989 wurde "Wir sind das Volk" geboren, der Revolutionsruf schlechthin. Bildrechte: dpa

"Wir sind das Volk" kennt wohl jeder. Man denkt sofort an die Montagsdemonstrationen. An zehntausende Menschen, die über den Leipziger Innenstadtring ziehen. An die Friedliche Revolution. Seit dem Herbst 1989 musste "Wir sind das Volk" aber für verschiedenste politische Inhalte herhalten, jüngst für Wahlplakate der AfD. Was würde wohl der Erfinder des Satzes dazu sagen? Dazu müsste man aber wissen, wer sich den Slogan damals ausgedacht hat.

Erste Recherchen ergeben, dass man gar nicht weiß, wer es war. Das Nachrichtenradio MDR AKTUELL will es aber wissen und beauftragt Reporterin Kathrin Knabe. Sie soll sich auf die Suche nach dem Erfinder machen. Sie wohnt in Leipzig und beginnt die Recherche direkt vor ihrer Wohnungstür. Danach zieht sie weiter an verschiedene Orte in Leipzig und interviewt Historiker und Zeitzeugen. Ein Gespräch findet genau an der Stelle statt, wo "Wir sind das Volk" das erste Mal erklang.

"Hätte ich damals gewusst, dass das später so wichtig wird ..."

Suche "Wir sind das Volk"
Schriftsteller Martin Jankowski war dabei, als das erste Mal "Wir sind das Volk" gerufen wurde. Bildrechte: MDR/Kathrin Knabe

Da ist zum Beispiel Anja Kupfer, die mit elf Jahren ihre Eltern zu den Montagsdemonstrationen begleitete und "Wir sind das Volk" rief. Aber ihre Mutter ermahnte sie, bloß nicht zu laut zu sein. Da ist Martin Jankowski, der sagt: "Hätte ich das damals gewusst, dass das später historisch so wichtig wird, hätte ich es mitgeschrieben und mitgeschnitten." Aber er war ja dabei und kann sich ganz genau an die Premiere des Rufs erinnern.

"Wir sind das Volk" damals und heute

Suche "Wir sind das Volk"
Für Bürgerrechtlerin Gisela Kallenbach bedeutete der Ruf "Schluss! Wir sind stärker. Wir sind mehr." Bildrechte: MDR/Kathrin Knabe

Da ist Bernd Lindner, der meint, dass vielleicht Punks zum ersten Mal "Wir sind das Volk" den Volkspolizisten entgegen gebrüllt haben.

In ihrer Reportage rekonstruiert Kathrin Knabe die Schritte, die zu dem entscheidenden Revolutionsruf geführt haben. Und sie fragt auch, was "Wir sind das Volk" eigentlich heute noch bedeutet. Ihr Fazit: Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende.

Die Reportage gibt es auch als Podcast in der ARD-Audiothek, Apple, Google und Spotify.

Die Musik aus der Reportage stammt von der Band Manko.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Oktober 2019 | 19:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2019, 10:12 Uhr