Ein Firmen-Lkw-Anhänger steht auf dem Werksgelände des nordhessischen Wurstherstellers Wilke
Ein Lkw der inzwischen geschlossenen Firma Wilke. Bildrechte: dpa

Foodwatch-Recherche Verbraucherschutz-Behörde warnte zu spät vor Wilke Wurst

Im Skandal um mit Listerien belastete Wurstwaren der Firma Wilke erhebt Foodwatch schwere Vorwürfe gegen das Bundesamt für Verbraucherschutz: Demnach hat die Behörde erst zwei Tage nach dem Rückruf offiziell gewarnt.

Ein Firmen-Lkw-Anhänger steht auf dem Werksgelände des nordhessischen Wurstherstellers Wilke
Ein Lkw der inzwischen geschlossenen Firma Wilke. Bildrechte: dpa

Im Skandal um listerienverschmutzte Wurstwaren des Herstellers Wilke hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eine Panne bei der Warnung von Verbrauchern eingeräumt. Wie die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch mitteilte, wurde die potenziell lebenswichtige Information über den Rückruf sämtlicher Wilke-Produkte erst mit zwei Tagen Verzögerung über den E-Mail-Presseverteiler des BVL verbreitet.

In einem Schreiben an Foodwatch bestätigte das BVL den Fehler. "Beim Versand der E-Mails kam es zu unerwarteten technischen Problemen", zitiert Foodwatch die Bundesbehörde. "Wir bedauern dies sehr."

Mehr Geld für lebensmittelwarnung.de?

Das BVL betreibt die Webseite lebensmittelwarnung.de. Dort wurden erste Informationen über den Wilke-Rückruf am 2. Oktober veröffentlicht. Üblicherweise versendet das BVL bei einem neuen Eintrag zeitnah eine E-Mail über den Presseverteiler des Portals, damit sich die gesundheitsrelevante Warnung möglichst schnell verbreiten kann.

Beim Wilke-Rückruf dauerte es jedoch bis zum späten Vormittag des 4. Oktober. Die "Behebung" der technischen Probleme habe "leider den genannten Zeitraum beansprucht", so das BVL.

Foodwatch forderte daher die Verbraucherschutzministerin Julia Klöckner auf, das Portal lebensmittelwarnung.de mit den "nötigen Mitteln auszustatten, damit es auf dem Stand der Technik arbeiten" könne. Es sei verfehlt, dass es nur einen versteckten E-Mail-Verteiler für Journalisten gebe, der auf dem Portal noch nicht einmal beworben werde, aber keinen E-Mail-Newsletter für die breite Öffentlichkeit.

Wie gefährlich sind Listerien?

Listerien sind Bakterien, die selbst bei gesunden Menschen grippeähnliche Symptome wie Fieber aber auch Durchfall auslösen können. Für Risikogruppen, Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Ältere oder Schwangere, können die Bakterien lebensgefährlich sein.

Der Betrieb des Wurstherstellers Wilke im hessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg war Anfang Oktober geschlossen worden, nachdem mehrfach Listerienkeime in Wilke-Produkten gefunden wurden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt seitdem gegen den Geschäftsführer wegen fahrlässiger Tötung. Die Ermittler prüfen 25 Todesfälle; bei drei Fällen sollen die Keime den Tod verursacht haben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. November 2019 | 04:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2019, 14:04 Uhr

1 Kommentar

kennemich vor 3 Wochen

Na mei, kann doch mal passieren, nur keine Aufregung.