Flugzeug beim Landeanflug a, Baltic-Airport in Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Bildrechte: dpa

Windkraft

Netzbetreiber für Windräder an Flughäfen

Stand: 07. Januar 2020, 08:35 Uhr

Weil viele Bürger keine Windräder in ihrer Nähe wollen, kommt der Ausbau an Land derzeit kaum voran. Doch der Chef des Stromnetzbetreibers 50Hertz, Kapferer, sieht noch viel Platz – etwa im Schutzbereich von Flughäfen. Für die Energiewende setzt er auch auf Strom aus Skandinavien.

Der neue Geschäftsführer des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, Stefan Kapferer, sieht weiterhin großes Potenzial für Windräder an Land. So kämen etwa Einflugschneisen an Flughäfen für Windkraftanlagen in Frage. Hier könnte die Flugsicherung Technologien entwickeln, die Windausbau und Sicherheit gemeinsam zulassen.

Hintergrund ist, dass derzeit um Fluganlagen herum in der Regel eine Schutzzone von 15 Kilometern besteht, in dem jedes Bauvorhaben spezielle Genehmigungen braucht. Aktuell stehen laut Deutscher Flugsicherung deutschlandweit rund 2.100 Windenergieanlagen in der Nähe von Flughäfen. Der Bau in den Schutzbereichen habe sich zuletzt verlangsamt

Vorteile für Offshore-Windparks  

Mit Blick auf die Debatte um den Abstand von Windrädern zu Wohnhäusern und Widerstand von Bürgern gegen Anlagen in der Natur mahnt Kapferer: Ohne die Akzeptanz der Bevölkerung könne die Energiewende nicht gelingen.

Es nützt nichts, wenn man politische Ziele verfolgt, die von der Bevölkerung am Ende nicht akzeptiert sind.

50Hertz-Chef Stefan Kapferer

Der 50Hertz-Chef setzt daher auf Windkraftanlagen auf dem Meer, dafür sei die Akzeptanz der Menschen größer. Es gebe noch ungenutzte Flächen in der Ost- und Nordsee. Auch könnten dort größere Energiemengen erzeugt werden als an Land.

Strom aus Skandinavien

Um die Ziele der Bundesregierung bei den Erneuerbaren zu erreichen, muss aus Sicht von Kapferer auch nicht der gesamte Ökostrom aus Deutschland kommen. 50Hertz arbeite etwa an einer Verbindung nach Schweden. Ein weiterer Übertragungsnetzbetreiber, Tennet, baue derzeit eine Trasse zwischen Norwegen und Deutschland. Bis 2030 will die Bundesregierung den Anteil erneuerbarer Energien von derzeit rund 43 auf 65 Prozent steigern.

Entspannung beim Trassenausbau

Wichtiges Projekt von 50Hertz ist derzeit der Bau der Stromtrasse Südostlink, über die Windstrom aus dem Norden nach Süddeutschland transportiert werden soll. Auch dagegen gibt es lokalen Widerstand.

Jedoch hat sich Kapferer zufolge die Stimmung in den vergangenen Jahren entspannt. Die Netzbetreiber hätten in der Kommunikation mit den Betroffenen dazugelernt. Außerdem werde inzwischen ein Großteil der Kabel unterirdisch verlegt.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 07. Januar 2020 | 06:00 Uhr

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