Windräder drehen sich auf einer Anhöhe.
Der Ausbau der Windenergie stockt. Die Probleme und Vorbehalte sind vielfältig. Bildrechte: dpa

Nach Kohleausstieg Klageflut, Förder-Ende, Rückbau-Streit: die Probleme der Windkraft

Mit dem Kohleausstieg müssen andere Energiequellen gestärkt werden. Doch bei der Windenergie stockt der Ausbau, um viele Projekte gibt es Streit. Auch in Sachsen werden bundesweite Ausbauziele nicht erreicht. Das Land steht exemplarisch für die Probleme, mit denen die Windenergie zu kämpfen hat.

Windräder drehen sich auf einer Anhöhe.
Der Ausbau der Windenergie stockt. Die Probleme und Vorbehalte sind vielfältig. Bildrechte: dpa

Bundesregierung und Industrie registrieren zunehmend Widerstand gegen die Windenergie. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Matthias Miersch, forderte in der vergangenen Woche daher eine frühere Bürgerbeteiligung bei der Planung von Windenergieanlagen. Man brauche "umsetzbare Ideen, um zu mehr Akzeptanz bei der Bevölkerung für weitere Windenergieanlagen zu kommen."

Nach einer Analyse der Fachagentur "Wind an Land" werden derzeit in Deutschland mehr als 300 Windenergieanlagen mit 1.000 Megawatt Leistung beklagt. Als Hauptgrund würden dabei Natur- und Artenschutzgründe vorgetragen.

Auch Wirtschaftsminister Peter Altmeier hat das Thema auf der Agenda: Der CDU-Politiker kündigte ein Krisentreffen mit der Industrie und den Ländern an, nachdem die Branche Alarm geschlagen hatte. Unter anderem beklagte der Präsident des Bundesverbandes Windenergie, Hermann Albers, "Genehmigungsstau und Klageflut". Der Bau von Windenergieanlagen sei im ersten Halbjahr 2019 beinahe zum Erliegen gekommen. Der Blick nach Sachsen offenbart, wo es bei der Windenergie klemmt.

Anzahl der Windräder in Sachsen unterdurchschnittlich

Während der Ausbau der Windenergie also erklärtes Ziel der Regierungsparteien und auch der Grünen bleibt, macht die AfD Wahlkampf dagegen: "Gegen den Willen der Bürger in den betroffenen Kommunen darf es in Sachsen keine weiteren Windkraftanlagen bzw. keinen weiteren Ausbau von bestehenden Windkraftanlagen (Repowering) geben", heißt es im Wahlkampfprogramm der Partei für die anstehende Landtagswahl in Sachsen.

Laut Sächsischer Energieagentur erreicht das Land wegen des geringen Zubaus von Windkraftanalgen bundesdeutsche Zielwerte nicht. Im ersten Halbjahr 2019 wurden in Sachsen laut dem Beratungsunternehmen "Deutsche WindGuard" acht neue Anlagen errichtet. Im Freistaat gebe es damit 943 Windkraftanlagen (Anlagenbestand inkl. Kleinanlagen laut Marktstammdatenregister). Von den Flächenländern haben nur das Saarland, Thüringen und Baden-Württemberg weniger. Der Grund: Nur 0,18 Prozent der Landesfläche ist für Windräder ausgewiesen und 95 Prozent der Fläche in Sachsen gelten als "Tabuzone", hier dürfen gar keine Windräder gebaut werden.

Vorbehalte bekämpfen durch Beteiligung

Ein Ansatz, Vorbehalte der Bevölkerung gegen Windenergieanlagen abzubauen, wäre die Beteiligung von Anwohnern am wirtschaftlichen Erfolg der Anlagen: Einige Unternehmen bieten den Anrainern den Erwerb von Anteilen am jeweiligen Projekt an, also eine finanzielle Beteiligung am Gewinn. In anderen Orten unterstützen Projektierer in der Standortgemeinde konkrete Projekte, etwa die Errichtung eines Spielplatzes oder eines Lehrpfades.

Laut dem Landesverband Windenergie hat Sachsen "insgesamt sehr bescheidene Ausbauziele, die faktisch auf einen Rückgang an Anlagen und Standorten hinauslaufen". Denn ab 2021 drohen zudem viele Windkraftanlagen in Sachsen vom Netz zu gehen, weil nach 20 Jahren die EEG-Förderung wegfällt. Dann würde ein anderes Problem akut, nämlich der Rückbau von Windenergieanlagen.

Streitpunkt Anlagen-Rückbau

Nachrichten

Jörg Urban, Vorsitzender der AfD in Sachsen kommt zu einer Pressekonferenz zu der Vorstellung des kirchenpolitischen Papiers von vier ostdeutsche AfD-Fraktionen und der AfD-Fraktion aus Nordrhein-Westfalen. 48 min
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Der sächsische AfD-Landeschef Jörg Urban geht am 1. September als Spitzenkandidat in die Landtagswahl. Wie sehen seine Pläne für den Freistaat aus?

MDR AKTUELL Mo 12.08.2019 09:00Uhr 48:24 min

https://www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/audio-1135622.html

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Der sächsische AfD-Spitzenkandidat Jörg Urban hat der Windenergiebranche im Gespräch mit MDR AKTUELL vorgeworfen, den Rückbau der Windkraftanlagen nicht zu Ende gedacht zu haben. Der Bundesverband Windenergie (BWE) entgegnet, dass die Bedingungen für den Rückbau in der Regel schon in der Baugenehmigung erwähnt und im Pachtvertrag genau geregelt seien. Baugenehmigungsbehörden der Bundesländer stellten zudem sicher, dass die Verpflichtungen eingehalten würden. Zu den Verpflichtungen gehört auch der komplette Rückbau abgeschalteter Anlagen, die im Baugesetzbuch verankert ist.

In Sachsen müssen sich Erbauer von Windkraftanlagen seit 2016 zur finanziellen Absicherung des Rückbaus in Höhe von fünf Prozent der Errichtungskosten verpflichten. Wenn eine moderne Windkraftanlage beispielsweise etwa fünf Millionen Euro kostet, wären etwa 250.000 Euro Sicherheitsleistung für bloß ein Windrad zu erbringen. Im Gegensatz dazu hat das Sächsische Oberbergamt für alle Bergbauaktivitäten inklusive des Braunkohleabbaus im Jahr 2017 zusammen lediglich 33,5 Millionen Euro Sicherheitsleistungen erhoben.

Weiterverkauf und Recycling

Werden Windanlagen zurückgebaut, werden sie häufig durch leistungsfähigere Anlagen ersetzt. Die Altanlagen werden dann meist weiterverkauft. Laut BWE bestehe ein gut funktionierender Markt für Altanlagen beispielsweise in den ehemaligen GUS-Staaten und Südosteuropa sowie in Afrika.

Müsse eine Anlage verschrottet werden, ließen sich 80 bis 90 Prozent der Komponenten, die metallhaltigen Anlagenteile, die gesamte Elektrik sowie die Fundamente und der Turm (Stahl-, Kupfer-, Aluminium- und Betonkomponenten) recyceln, so das Ergebnis einer Studie des Verbands Deutscher Ingenieure aus dem Jahr 2014. In der Zwischenzeit hätten sich die Recycling-Verfahren jedoch weiterentwickelt, so das Bundeswirtschaftsministerium. Aktuelle Quoten würden durch das Umweltbundesamt im Rahmen einer Studie gerade ermittelt. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. August 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2019, 11:24 Uhr

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19 Kommentare

15.08.2019 12:07 Nachdenker 19

Aha, die Branche schlägt Alarm. Da muß die Politik am Bürger vorbei endlich mal der Geldgier der Windwahnsinnigen zum Erfolg helfen... Nein, geschredderte Insekten, geschredderte Vögel, massive Auswirkungen aufs Klima (Windmassen werden verwirbelt!), weniger Wolkenbildung, Geräuschkulisse und kaum noch freier Blick in die Natur - das haben die Bürger dicke satt. KEIN Politiker, keiner aus der "Branche" hat ein Windrad vor der Nase! Immobilien werden bereits danach bewertet, ob Windparks in der Nähe sind. Rückbau? Wer es glaubt, wird selig. Viele Räder drehen sich nicht, viel Energie kann nicht eingespeist werden. DIE Lösung: weniger Energie verbrauchen - vom geliebten Smartphone bis zum E- Auto!!!

14.08.2019 19:14 nasowasaberauch 18

#Meine Meinung
Alles richtig und noch nicht mal die ganzen Umweltschäden aufgezählt, es reicht aber auch schon so.

14.08.2019 16:42 Meine Meinung 17

Am besten wäre doch wenn man an einen einzigen Tag die Kohlekraft und Atomkraftwerke abschaltet. Was passiert dann? Richtig dann ist Ende im Gelände. Heißt ja so schön "Wir können Strom speichern" Was brauchen Akkus? Lithiumsalz. Wo kommt es her? Aus der Wüste für eine Tonne Lithiumsalz werden 21 Millionen Liter Wasser aus der Wüste gepumpt. Soll mir mal einer sagen das das Umwelt und Klimafreundlich ist. Der normale Mensch wie unser einer wird sich bald nichts mehr leisten können. Windkrafträder, Solarparks werden nie ausreichendentem Strom vor allem Preiswerten Strom erzeugen können. Auch die Entsorgung dieser Anlagen wird zum großen Problem werden dazu kommen noch die für E.autos hergestellten Akkus die ihre Leistung nicht mehr bringen zu entsorgen. Alles im allen wird die Umwelt mehr schaden nehmen. Ja Strom kommt aus der Steckdose und wir kaufen im Supermarkt ein. Wie der Strom dahin kommt und die Ware in den Supermarkt fragt keiner. Grüne Ideologie mehr nicht.

14.08.2019 15:39 Lilly 16

@Peter 12

bis zu Ende lesen ;-)

"Flächendeckende und großtechnische Anwendungen einer Weiterverwertung gebe es bislang aber noch nicht, gibt er zu bedenken."

14.08.2019 15:29 Fragender Rentner 15

Heute Mittag bei ZDF/ARD brachten sie etwa über Moore, die wir leider auch wegen der Landwirtschaft und Viehzucht nicht mehr haben.

So manche die es jetzt noch gibt fallen wegen der waren Sommer trocken.

Sie sagte, dass die Moore sehr sehr viel auch CO2 speichern kann und mehr als einige Wälder zusammen.

Also nicht alleine über die Abholzung der Regenwälder aufregen, macht hier schon auch etwas für das Klima und die Zukunft.

Wir benötigen funktionierende Moore.

14.08.2019 13:24 Guter Schwabe 14

Zitat:
Einige Unternehmen bieten den Anrainern den Erwerb von Anteilen am jeweiligen Projekt an, also eine finanzielle Beteiligung am Gewinn.

Ich denke, wenn am Ende durch den Wegfall der EEG- Förderung und / oder aus Altersgründen, die fachgerechte + umweltverträgliche Entsorgung ansteht, wird jedes dieser Projekte zum Verlust.
Da wird sich noch so mancher wundern, der eine Beteiligung an einen Bürgerwindrad hat und dann zahlen darf.

14.08.2019 12:30 Brennabor 13

@ REXt: Frage: Und wie viel Tausend Tonnen Atommüll
haben wir noch zu entsorgen ?

14.08.2019 12:09 Peter 12

@9 REXt: Na, mal wieder mit Schwarzmalerei geschäftigt?
Allerdings sind Sie nicht auf dem neuesten Stand. Auf Herrn Urban scheint das auch zuzutreffen.
Ich zitiere aus dem Spiegel: "Einige Firmen arbeiten dafür an Recycling-Konzepten. Sie hoffen, dass der Markt in den kommenden Jahren wächst.
Da ist zum Beispiel die Bremer Firma Neocomp. Dort schreddert man ausrangierte Rotorblätter in einer speziellen Anlage - und vermischt das Material anschließend mit Reststoffen aus der Papierherstellung. Das Produkt werde dann an Zementwerke verkauft, so Geschäftsführer Hans-Dieter Wilcken.
Glasanteile der geschredderten Rotorblätter seien dann im Zement enthalten. "Die Nachfrage ist so hoch, dass wir mehr produzieren könnten", so Wilcken über die Marktlage des seit 2015 bestehenden Unternehmens."

14.08.2019 11:53 annerose will 11

Warum spricht man nicht offen aus: Die sog. Energiewende, wie sie propagiert wurde, ist gescheitert. Aus allen Richtungen hört man Warnungen bzgl. Energiesicherheit, Wahrscheinlichkeit von Stromausfällen, immer häufiger nötige Stabilisierungsmaßnahmen durch Stromimport von Nachbarn etc. Nötig wären gewesen: viel mehr Forschung und Entwicklung auf den Gebieten bisher noch nicht verfügbarer Energiegewinnungs- und vor allem Speichermöglichkeiten, dann erst Abschaltung von vorhandenen Kraftwerkskapazitäten. Die bisherig erreichten Ergebnisse sind bezüglich Energiesicherheit rund um die Uhr absolut unzureichend. Es ist wie mit vielem, politische Schnellschüsse ohne Sachkenntnis und ohne auf warnende Stimmen zu hören.

14.08.2019 11:19 Brennabor 10

@ D.o.M. : "Jüngere = hoher Bildungsstand" / "Ältere =
niedriger Bildungsstand" Da muss doch die Frage erlaubt
sein: Wie hoch ist denn Ihr Bildungsstand ?