Ausbau erneuerbare Energien

Merkel will Entschädigung bei Windrad-Bau

Stand: 13. Januar 2020, 18:28 Uhr

Der Ausbau von Windkraft stockte zuletzt – unter anderem wegen vieler Bürgerproteste. Manuela Schwesig hatte deshalb vorgeschlagen, betroffene Menschen finanziell zu entschädigen. Nun bekommt sie prominente Unterstützung.

Menschen, in deren Orten künftig Windräder oder Stromtrassen gebaut werden, könnten bald finanziell entschädigt werden. Ein entsprechender Vorschlag der SPD bekommt nun Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Es geht darum, dass wir die Menschen, die am Infrastrukturausbau beteiligt sind, dafür in gewisser Weise entschädigen oder belohnen, dass sie die Gesamtlast für die Bevölkerung ganz Deutschlands auf sich nehmen", sagte Merkel beim Neujahrsempfang der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns in Stralsund.

Sie verwies in dem Zusammenhang auf Unterschiede zwischen Stadt und Land: Es gebe eine wachsende Kluft zwischen den Menschen in der Stadt mit größeren Bedürfnissen etwa nach Ökostrom und den Menschen auf dem Land, die mit der dafür nötigen Infrastruktur leben müssten. "In den Städten ist es natürlich sehr einfach, für die Windenergie zu sein", sagte Merkel. Für Dorfbewohner mit Windrädern vor ihren Häusern sei das eine andere Frage.

Deshalb unterstütze sie "sehr" einen Vorschlag von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig von der SPD, dass die Menschen, die an der Erzeugung von erneuerbarer Energie in ihrer direkten Umgebung beteiligt seien, "auch an den Gewinnen beteiligt seien", erklärte die Kanzlerin.

Merkel sagte weiter: "Das war früher ganz selbstverständlich: Wer ein Atomkraftwerk in seiner Kommune hatte oder in der Nähe, dem ging es gut." Die Bundeskanzlerin wollte dies aber nicht als Abkehr vom beschlossenen Atomausstieg verstanden wissen. Wer die Gesamtlast der Energiewende auf sich nehme, müsse dafür auch entschädigt werden.

Vorschlag aus der SPD

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hatte vorgeschlagen, Anwohner an den Gewinnen von Windkraftanlagen zu beteiligen. Auch SPD-Chefin Saskia Esken hatte sich dafür ausgesprochen. Der bayerische Wirtschaftminister Hubert Aiwanger von den Freien Wählern hatte dafür plädiert, Bürger etwa über Genossenschaftsmodelle an Windanlagen zu beteiligen.

In vielen Gemeinden gibt es inzwischen Widerstand gegen den Ausbau von Windenergieanlagen und Stromtrassen. Das ist einer der Gründe, warum die Anzahl neu installierter Windanlagen im vergangenen Jahr stark eingebrochen war. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier plant deshalb eine Abstandsregelung, die aber heftig kritisiert wurde. Der Ausbau der Windenergie gilt als wichtiger Baustein bei der Energiewende.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 13. Januar 2020 | 17:00 Uhr

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