Gehaltsunterschiede Ostdeutschland: Frauen verdienen mehr als Männer

Das ist bekannt: In Ostdeutschland verdient man nicht so viel wie im Westen des Landes. Rund 15 Prozent weniger verdient ein Vollzeitbeschäftigter im Osten laut Angaben der Bundesregierung. Nicht so bekannt: Die Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau sind im Osten deutlich geringer als im Westen.

Eine Mitarbeiterin bei einem Pharma-Unternehmen
Frau in einer Arzneimittelfabrik in Oranienburg. Bildrechte: imago/photothek

Nirgends sind die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen geringer als in Sachsen-Anhalt. Zusammen mit Brandenburg hat das Bundesland mit 3 Prozent deutschlandweit den geringsten Gender-Pay-Gap. In Thüringen liegt er bei 8 Prozent, in Sachsen bei 10 Prozent. Im Durchschnitt liegen die Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern in Ostdeutschland bei 7 Prozent, in Westdeutschland aber bei 21 Prozent – allerdings bleiben sie im Osten seit 2006 konstant, während die Unterschiede im Westen geringer werden.

In Dessau-Roßlau Unterschied am größten

Im sachsen-anhaltinischen Dessau-Roßlau an der Elbe ist der Unterschied besonders groß: hier verdienen Frauen 11,2 Prozent mehr als Männer. Auf dem zweiten Platz folgt Stendal, auch in Sachsen-Anhalt. Hier haben die Frauen 7,6 Prozent mehr Gehalt. Auch in Mansfeld-Südharz, Gera, Halle, Magdeburg und Görlitz verdienen Frauen minimal mehr als ihre männlichen Kollegen.

Alles keine Regionen, die durch ihre starke Wirtschaftskraft bekannt sind. Und das ist wohl auch einer der Gründe für die Gehaltsunterschiede: Verdienen Männer vergleichsweise wenig, wie es in vielen Regionen Sachsen-Anhalts der Fall ist, ist auch der Unterschied zu den Frauen-Gehältern geringer bzw. kehrt sich um.

Mehr Industrie, höhere Löhne für Männer

Doch auch in Mitteldeutschland verdienen Männer in 43 von 50 Landkreisen und kreisfreien Städten im Schnitt mehr als Frauen. Der Gender-Pay-Gap ist besonders da noch ausgeprägt, wo viele männerdominierte Branchen zu finden sind. Zum Beispiel sind im Wartburgkreis und im Kreis Sömmerda viele Industrieunternehmen ansässig. In diesen Gegenden verdienen Männer weiterhin über 15 Prozent mehr als Frauen.

Falls jetzt aber Frauen auf die Idee kommen sollten, aus oben genannten Gründen nach Dessau-Roßlau zu ziehen: Die Gehaltsunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind deutlich größer als die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen innerhalb Ostdeutschlands. Statistisch gesehen sollte man nach wie vor für ein höheres Gehalt lieber in den Westen ziehen.

Nach wie vor mehr erwerbstätige Frauen im Osten

Die DDR-Vergangenheit sorgt 30 Jahre nach der Wiedervereinigung jedenfalls immer noch für Unterschiede in der Arbeitswelt Ost und West: Thüringen hat die höchste Frauenbeschäftigungsquote in ganz Deutschland mit 63,3 Prozent. Auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt ist sie mit 62,5 Prozent sehr hoch. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise liegt sie dagegen nur bei 53,3 Prozent. (Quelle: Arbeitsagentur Datenstand 2018) Außerdem arbeiten Frauen in Mitteldeutschland häufiger im öffentlichen Dienst, der tarifgebunden bezahlt wird und sitzen häufiger in Führungspositionen als in Westdeutschland.

Dieses Thema im MDR-Fernsehen: Wir Ostdeutsche - 30 Jahre im vereinten Land, 02.10. 2020, 20.15 Uhr