Corona-Krise Wirtschaft warnt vor Folgen eines zweiten Lockdowns

Angesichts steigender Corona-Neuinfektionen warnen Wirtschaft und Politik vor den Folgen eines zweiten Lockdowns. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff sagte, einen weiteren Lockdown könnten weder die Wirtschaft noch der Sozialstaat verkraften.

Leere Tische und Stühle in einem Biergarten am Elbufer
Leere Tische und Stühle in einem Biergarten am Dresdner Elbufer. Ein weiterer Lockdown würde nicht nur der Gastronomie den Rest geben. Bildrechte: dpa

Vor dem Hintergrund zunehmeder Corona-Neuinfektionen warnen führende deutsche Wirtschaftsexperten vor den Folgen eines zweiten Lockdowns. Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, riet der Bundesregierung in der "Rheinischen Post" davon ab, übereilt einen zweiten bundesweiten Lockdown zu verhängen. Dies sei derzeit wegen der sozialen und ökonomischen Kollateraleffekte nicht zu verantworten. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sagte derselben Zeitung: "Eine zweite Welle könnte wirtschaftlich schädlicher sein als die erste Welle." Viele Unternehmen seien angeschlagen, hätten hohe Schulden und kaum mehr Rücklagen.

Mittelstandspräsident warnt vor Ruin der Wirtschaft

Auch der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, appellierte an die Politik, einen zweiten Lockdown zu verhindern. "Es wäre unverantwortlich, die deutsche Wirtschaft durch einen weiteren Lockdown in den Ruin zu treiben", sagte Ohoven den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Auch wenn lokale Ausbrüche zu partiell erhöhten Infektionszahlen führen, darf daraus kein zweiter Shutdown entstehen." Die wirtschaftlichen Auswirkungen einer solchen Maßnahme seien nicht abzusehen, zumal die Bundesregierung mit dem Corona-Hilfspaket von 1,2 Billionen Euro ihr Pulver bereits verschossen habe.

Haseloff: Können uns zweiten Lockdown nicht leisten

Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff warnte, dass man sich einen zweiten Lockdown nicht leisten könne.

Reiner Haseloff
Haseloff: "Einen zweiten Lockdown können wir uns nicht leisten." Bildrechte: dpa

Der CDU-Politiker sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Das würde unsere Wirtschaft kaum verkraften und sich letztendlich auch negativ auf den Sozialstaat und seine Stabilität auswirken." Haseloff warnte, dass sich Hilfsmaßnahmen wie "im jetzigen finanziellen Rahmen" wohl nicht wiederholen ließen. Er sehe die steigende Anzahl der Infektionen mit großer Sorge. Deshalb dürfe man bei der Einhaltung der "Maßnahmen gegen das Virus" nicht nachlässig werden. "Nur dann können wir gemeinsam eine 2. Welle verhindern."

Altmaier für härtere Strafen

Zuvor hatte sich bereits Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier für härtere Strafen bei Verstößen gegen Corona-Regeln ausgesprochen. Der CDU-Politiker sagte der Deutschen Presse-Agentur, wer andere absichtlich gefährde, sollte damit rechnen müssen, dass dies für ihn gravierende Folgen habe. Der gerade beginnende Aufschwung dürfe nicht durch einen erneuten Anstieg der Infektionen gefährdet werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. August 2020 | 13:00 Uhr