Klima- und Umweltschutz Wirtschaftsweiser will Pendlerpauschale abschaffen

Weil Heizen und Fahren ab 2021 teurer werden, soll eine höhere Pendlerpauschale besondere Härten abfedern. Ein ganz falscher Weg, findet der oberste Wirtschaftsweise der Bundesregierung Schmidt. Ökonomisch wie ökologisch gehöre die Pendlerpauschale ganz abgeschafft.

Modellauto auf einem Antrag auf Pendlerpauschale
Deutschlands oberster Wirtschaftsexperte kritisiert die Anhebung der Pendlerpauschle. Bildrechte: IMAGO

Der Chef der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, hat die beschlossene Anhebung der Pendlerpauschale kritisiert. Schmidt sagte der "Rheinischen Post", dass die Bundesregierung die Pauschale erhöhe, sei der "falsche Weg". Klimapolitisch werde damit das "falsche Signal" ausgesendet. Pendler mit langer Anfahrt zur Arbeit und höherem Einkommen würden sogar noch belohnt.

Zersiedlung der Landschaft

Schmidt betonte, die Pendlerpauschale befördere die Zersiedlung der Landschaft. Sie belohne die Menschen dafür, dass sie freiwillig mitunter sehr weit entfernt von ihrem Arbeitsort lebten. Aus ökonomischer Sicht gehöre die Pendlerpauschale abgeschafft.

Der Ökonom sagte, er verstehe zwar den Wunsch, für die Belastungen durch das Klimapaket einen sozialen Ausgleich zu schaffen. Dafür wäre aber eine Ausschüttung der Einnahmen aus dem CO2-Preis besser geeignet.

Mehr Geld ab 21. Kilometer

Der von Bundestag und Bundesrat gebilligte Klimakompromiss sieht vor, dass die Pendlerpauschale ab 2021 vom 21. Kilometer an zunächst von 30 auf 35 Cent steigt. Ab 2024 sollen es dann sogar 38 Cent sein. Das soll ein Ausgleich dafür sein, dass Fahren und Heizen durch den CO2-Preis teurer werden.

Schmidt leitet den "Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung". Das Gremium erstellt Konjunkturprognosen für die Bundesregierung. Die fünf Mitglieder werden informell als "Wirtschaftsweisen" bezeichnet. Schmidt ist zudem Chef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, kurz RWI.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Dezember 2019 | 07:00 Uhr

45 Kommentare

JanoschausLE vor 39 Wochen

Und wenn ich mein Geld ins Ausland sende oder spende?.. Mann oh Mann, Ihre Denke ist ganz schön krude, von Pendlerpauschale zu Ausländern, die ihr, auch hart erarbeitete Geld, in die Heimat schicken. Tolles Fantssy-Stück. Haben Sie die Filmrechte für diese Geschichte schon nach "Bollywoid" verkauft?

CrizzleMyNizzle vor 39 Wochen

Ein Kaptain hat aber auch seine Crew im Blick, sonst wird gemeutert. Um bei der Schiffsanalogie zu bleiben, ein Typ der noch nie zur See gefahren ist und nichts mit Schifffahrt zu tun hat, bildet sich ein alles besser zu wissen und erteilt Ratschläge die nichts mit der Lebenswirklichkeit der Menschen zu tun hat.

CrizzleMyNizzle vor 39 Wochen

Zeitgeist, der Vollprofi was?
Es gibt so viele Regionen wo gar keine Arbeit vorhanden ist. Wenn man dort wohnt (Elternhaus übernommen zum Bsp.) und im Umkreis von 50km was findet wo man Geld verdienen kann, ist das doch prima.
Die Zersiedelung hat nicht nur Nachteile... ohne diese würden Mieten und Kaufpreise noch extremer steigen. Aber um die Ecke denken ist halt nicht das Steckenpferd von Ihnen.
Zumal man nicht so tun sollte als ob der Staat einem das Autofahren bezahlt, am Ende wenn es gut läuft sind die Kosten von ein-zwei Monaten wieder drin (sofern man genug Steuern zahlen darf).

und Punkt 3 ist ja wohl das lächerlichste was ich in dem Zusammenhang gehört habe (was nicht heißt dass es nicht auch vorkommt, aber der Prozentsatz ist sehr niedrig... und selbst wenn schont es den Verkehr und die Umwelt). Übrigens kann man das Geld auch als Fußgänger oder Fahrradfahrer abgreifen, so ganz ohne echte Kosten...