Hochhaus mit Balkonen und Satellitenschüsseln
Arme Menschen müssen einen immer größeren Anteil ihres Einkommens fürs Wohnen ausgeben. Bildrechte: Elisabeth Enders/MIAMedia

Studie Steigende Wohnkosten verstärken Kluft zwischen Arm und Reich

Einer Studie zufolge müssen finanzschwache Menschen in Deutschland einen immer größeren Anteil ihres Einkommens fürs Wohnen ausgeben. Ganz anders sieht es hingegen bei der einkommensstärksten Schicht aus.

Hochhaus mit Balkonen und Satellitenschüsseln
Arme Menschen müssen einen immer größeren Anteil ihres Einkommens fürs Wohnen ausgeben. Bildrechte: Elisabeth Enders/MIAMedia

Steigende Wohnkosten vergrößern die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland. Einer Studie zufolge ist der Einkommensanteil, den arme Menschen fürs Wohnen ausgeben müssen, massiv angestiegen. Bei Reichen sank der Anteil dagegen.

Demnach sind im Zeitraum von 1993 bis 2013 die Wohnausgaben des einkommensschwächsten Fünftels der Gesellschaft von 27 auf 39 Prozent des Nettoeinkommens gestiegen. Im einkommensstärksten Fünftel der Bevölkerung sanken die Wohnausgaben hingegen von 16 auf 14 Prozent. Die Studie wurde von Berliner und Londoner Wissenschaftlern erstellt und liegt der Nachrichteagentur epd vor.

Niedrigverdiener oft auch Mieter

Die sich verstärkende Kluft bei den Wohnausgaben führen die Wissenschaftler auf fallende reale Einkommen Niedrigverdiener und steigende Mieten zurück. Im einkommensschwächsten Fünftel der Gesellschaft wohnen laut der Studie mit rund 77 Prozent deutlich mehr Menschen zur Miete als im oberen Fünftel. Dort sind es lediglich 35 Prozent. Daher ist das einkommensschwächste Fünftel stärker von steigenden Mieten betroffen. Die Kosten für Eigentümer seien hingegen ab Mitte der 2000er Jahre, etwa wegen sinkender Hypothekenzinsen, gefallen.

Ein bunter Sonnenschirm steht auf einem Balkon
Wer einkommensschwach ist, kann auch nur wenig Geld für den Kauf einer Immobilie sparen. Bildrechte: IMAGO

Wie es hieß, bedeutet die wachsende Kluft der Wohnkosten für Haushalte mit geringem Einkommen einen besonders starken Rückgang der Konsum- und Sparmöglichkeiten.

Der Umstand, dass ein großer und steigender Anteil der Menschen mit geringem Einkommen nicht sparen könne, sei besorgniserregend. Dadurch werde auch Vermögensbildung durch den Kauf von Immobilien weiter erschwert. Es sei daher zu erwarten, dass die steigende Ungleichheit in den Ersparnissen künftig zu einer weiteren Verschärfung der Vermögensungleichheit führen werde.

Migration von Ost nach West

Als weiterer Grund für steigende Pro-Kopf-Wohnausgaben gilt zudem die steigende Zahl der Einpersonenhaushalte. Davon sind besonders Menschen mit niedrigem Einkommen betroffen. Weitere Gründe sind die Migration von Ost- nach Westdeutschland und von Personen mit niedrigem Einkommen in teure Städte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Oktober 2018 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2018, 18:01 Uhr

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34 Kommentare

24.10.2018 15:09 Lisa 34

gehts noch
@Stefan (Der) 32
"Nein, Lisa hat nicht recht. Sie spielt hier mit Vorurteilen und falschen Zahlen, welche Sie dann auch noch leugnet genannt zu haben"

-1 Flüchtling brauch eine Wohnung
-1K Flüchtlinge brauchen 1K Wohnungen
-1 Mio Flüchtlinge brauchen 1 Mio Wohnungen
so Stefan, was brauchen dann 5 Mio Fl.?

übrigens: geht die Rechnung natürlich nicht 1:1 auf, wenn man wie Ahmad aus Syrien der jetzt in Pinneberg mit 2 Frauen und sechs Kindern lebt, bekommt man ein Haus ;-)

24.10.2018 14:58 karstde 33

Das ist Kapitalismus. Kapitalismus finden doch alle so geil. Warum meckert Ihr alle?

24.10.2018 12:41 Stefan (Der) 32

@20.Arbeitende Rentnerin: Nein, Lisa hat nicht recht. Sie spielt hier mit Vorurteilen und falschen Zahlen, welche Sie dann auch noch leugnet genannt zu haben. Egal! In Deutschland bekommt jeder, der soziel schwach ist (z.B. Hartz IV oder Hilfe zum Lebensunterhalt), die Wohnung bezahlt. Egal wer. Das gilt natürlich auch für Asylsuchende, die kein eigenes Einkommen haben, weil sie nicht arbeiten dürfen. Verstehe ich Sie richtig, dass Sie gerne möchten, dass Asylsuchende über ihr eigenes Einkommen ihre Wohnung bezahlen können oder möchten Sie, dass die Asylsuchenden auf der Strasse leben? In welche Richtung zielt Ihre Kritik?

24.10.2018 05:30 Lisa 31

wie bestellt hat auch "neues aus der Anstalt" das Thema aufgegriffen.

sehr aufschlussreich!
das sollte man sich nicht entgehen lassen.

23.10.2018 20:52 Eulenspiegel 30

Hallo Zollenreuter 23
Das Gesetz der freien Marktwirtschaft heißt: Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Und was geschieht hier in Wirklichkeit? Es wird Wohnraum vernichtet um den Preis künstlich hoch zu halten und nichts anderes. Das nennt man den freien Markt aus schalten um Profitmaximierung zu ermöglichen.

23.10.2018 11:18 kleinerfrontkaempfer 29

Dafür braucht es eine Studie?!
Wer mit halbwegs offenen Augen im Alltag unterwegs ist kann ungefragt darauf antworten.
In Doitschland wird wohl erst einer "Studie" geglaubt.

23.10.2018 10:24 Lisa 28

@Zollenreuter 23

"Die Wohnungsgesellschaften haben wegen des Leerstands enorm hohe Kosten"

da gebe ich ihnen Recht, trotzdem ist der Abriss nicht für "nichts" zu haben und dafür gibt es Förderung.

Hätten die mal die Förderung für Aus- und Umbau genutzt, da hätten bestimmt ganz viele Leute ganz viele Ideen gehabt, das kostet natürlich, stattdessen verkauft der Bund auch noch seine eigenen Immobilien.

Achje, unsere Wirtschaftsminister von der SPD eben ;-)

23.10.2018 09:56 Fragender Rentner 27

Da hatte ich letztens gehört wie einer einen fragte warum sie gegen preiswerten Wohnungsbau seien.

Darauf antwortete der Andere, wir sind dehalb dagegen, weil auch diese Preisbindefrist ausläuft und die Mieten steigen werden.

Wir sind für eine Bezuschußung der Wohnungsmiete, damit diese Menschen auch in Zukunft in den Wohnungen bleiben können und nicht wegen ihres kleinem Einkommen die Wohnung verlassen müssen.

23.10.2018 07:46 Jakob 26

Was sagt uns das? Die Löhne müssen steigen, insbesondere der Mindestlohn.

Außerdem sollte die Bundesregierung auf die Empfehlungen der Expertenkommission hören, die sich zu Wegen aus dem Wohnungsmangelproblem geäußert hat. Aber da scheinen die Regierenden in ihrer eigenen Filterblase zu leben und diese Empfehlungen lieber zu ignorieren.

23.10.2018 05:20 optinator 25

Da wo überall Geld fließt und eine Steuer darauf erhoben wird, verdient der Staat kräftig mit dabei.