Im Natur- und Umweltpark in Güstrow ist am 10.02.2011 ein Rudel Wölfe unterwegs.
Die Politik will die Ausbreitung des Wolfes künftig stärker kontrollieren. Bildrechte: dpa

GroKo-Verhandlungen Wolf soll stärker kontrolliert werden

Union und SPD haben sich in den Koalitionsverhandlungen darauf geeinigt, die Wolfsbestände in Deutschland stärker zu kontrollieren. Auch soll der Bund die Länder stärker beim Schutz von Nutztieren unterstützen. Streitpunkt bleibt die Bejagung. Die FDP beantragte im Bundestag, Wölfe zum Abschuss freizugeben, die AfD ebenso. Die anderen Parteien lehnen das ab.

Im Natur- und Umweltpark in Güstrow ist am 10.02.2011 ein Rudel Wölfe unterwegs.
Die Politik will die Ausbreitung des Wolfes künftig stärker kontrollieren. Bildrechte: dpa

Die Ausbreitung des Wolfes in Deutschland soll künftig stärker kontrolliert werden. Das haben Union und SPD bei ihren Koalitionsverhandlungen vereinbart. Danach sollen Nutztiere besser von Wolfsangriffen geschützt werden. Der Bund soll die Länder dabei unterstützen.

Der SPD-Unterhändler und niedersächsische Umweltminister Olaf Lies sagte, die Ausbreitung des Wolfes müsse gemanagt werden. Auffällige Wölfe müssten konsequent kontrolliert, vertrieben und nötigenfalls erschossen werden. Eine Gewöhnung der Wölfe an den Menschen müsse unterbunden werden. Konkrete Maßnahmen nannte Lies nicht.

In dem Koalitionspapier heißt es, die Sicherheit der Menschen habe oberste Priorität. Die auch aus Umwelt- und Naturschutzgründen wichtige Weidewirtschaft dürfe nicht beeinträchtigt werden. Der Schutz der Weidetiere müsse verbessert werden. Kosten für Schutzmaßnahmen sowie Schäden müssten schnell und vollständig ausgeglichen werden.

60 Rudel in Deutschland

Wölfe leben seit der Jahrhundertwende wieder in Deutschland. Das erste Rudel wurde im Jahr 2000 nachgewiesen. Inzwischen gibt es nach Schätzungen des Umweltverbandes NABU etwa 160 erwachsene Tiere. Das Bundesamt für Naturschutz zählt aktuell 60 Wolfsrudel. Die Population konzentriert sich vor allem auf Ostdeutschland und den Harz.

Immer wieder werden Schafe, Rinder und andere Nutztiere von Wölfen gerissen. Viele Halter sind besorgt. Deswegen wird schon seit längerem über den richtigen Umgang mit dem Wolf gestritten.

FDP will Jagd erlauben

Der Wolf war am Freitag auch Thema im Bundestag. Die FDP forderte die Bejagung und sorgte damit für eine lebhafte Debatte. Die Liberalen sprachen sich dafür aus, den Schutzstatus der Raubtiere zu senken. Jäger sollten die Bestände kontrollieren und bei Problemen eingreifen.

Grüne: Angstmacherei à la Rotkäppchen

Vertreter von Grünen und Linken übten scharfe Kritik an dem Vorstoß. Die Grünen-Politikerin Steffi Lemke warf den Liberalen Stereotype wie aus dem Märchen Rotkäppchen vor. Die FDP mache keine sinnvollen Vorschläge zur Lösung der Probleme. Kirsten Tackmann von der Linken forderte bessere finanzielle Hilfen vom Bund für Geschädigte und Schutzmaßnahmen. Ähnlich äußerten sich Vertreter von CDU und SPD. Die Parteien legten entsprechende eigene Anträge vor.

Die AfD sprach sich in einem eigenen Antrag ebenfalls für eine Regulierung der Wolfsbestände aus, sofern diese Obergrenzen überschritten. Ihr Vertreter Karsten Hilse warnte vor möglichen Attacken auf Kinder. Konkrete Entscheidungen traf der Bundestag zunächst nicht. Die verschiedenen Anträge wurden zur Beratung in den Umweltausschuss überwiesen.

NABU gegen Abschuss

Der NABU hält die Aufnahme in das Jagdgesetz für "vollkommen überflüssig". Der Wolf könne nur unter ganzjähriger Schonzeit ins Jagdgesetz aufgenommen werden, weil eine Bejagung geltendes EU-Recht brechen würde. Statt Wölfe zu jagen, müsse der Schutz der Herden verbessert werden.

Bisher gilt in Deutschland das absolute Jagdverbot. Im Bundesnaturschutzgesetz ist festgelegt, dass der Wolf als geschützt Art nicht geschossen werden darf. Das Gesetz lässt jedoch Ausnahmen zu. Dazu zählt laut Bundesumweltministerium etwa ein "Problemwolf, der ganze Herden reißt". Auch wenn ein Wolf dem Menschen zu nahe kommt, könne er im Extremfall geschossen werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 02. Februar 2018 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Februar 2018, 19:18 Uhr

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24 Kommentare

04.02.2018 07:33 Corinna Dore 24

Der Wolf sollte nicht "bejagt" werden! Letztlich gehört der Wolf dazu. Wovor haben die Menschen angst? Dass sie vom Wolf angegriffen werden? Dass die Jäger weniger schießen dürfen? Dass Tiere gerissen werden, die ohnehin sterben werden, aber eben für den Menschen ....
Für letztes " Problem" gibt es Herdenschutzhunde.
Angriffe auf Menschen, gibt es eher im Märchen und für den "naturschützenden Jäger" , gäbe es auch weniger zu tun. Vielleicht ist das ja das Problem? Ich bin natürlich gegen ein Bejagung des Wolfes.

03.02.2018 22:01 Heidi Wehmann 23

Der Wolf braucht die Wildnis, und die haben wir hier in Deutschland definitiv nicht mehr. Es ist eine dicht besiedelte Kulturlandschaft, in die der Wolf nicht passt. Der Deichschutz ist defährdet, wenn die Schäfer nach und nach aus Resignation ihre Herden aufgeben, die hier so typische Heidelandschaft wird dann auch nicht mehr auf natürliche Art gepflegt werden. Die ach so gewünschte Weidewirtschaft wird auch zurückgehen, denn es nicht nur unzumutbar, zig Hektar Weideflächen mit einem wolfssicheren Zaun einzuzäunen, sondern es ist schier unmöglich. Man zerstört dadurch auch die Wildwechsel anderer hier heimischen Wildtierarten. Somit verschwindet dann auch ein Stück der Artenvielfalt. Ist es uns das alles wegen eines einzigen Tieres? In meinen Augen nicht!

03.02.2018 20:29 Cosima 22

Ich bin dafür, das der Wolf in das Jagdrecht aufgenommen wird. Viele Menschen sehen die Probleme nicht oder wollen es nicht. Viele Wölfe laufen in Ostdeutschland oder auch in Niedersachsen durch Dörfer, ohne scheu. Sie können jeder Zeit älteren Menschen oder Kindern begegnen. Das ist eine gefährliche Sache. Man braucht nur mal lesen wie viele Kinder in Indien von Wölfen verschleppt werden. Das nächste ist das mit den Nutztieren und der Hobbytierhaltung. Ein Herdenschutzhund kann nicht überall eingesetzt werden, da auch dieser gefährlich ist. Die Zäune können gar nicht so hoch gemacht werden, ein Wolf schafft locker 1,80 Meter. Es ist ein riesen Kostenaufwand. Es gibt genug Berichte, wo auch schon Reiter von Wölfen verfolgt wurden und wo einem Spaziergänger mit Hund der Wolf von der Leine gerissen wurde. Das Thema Wolf darf nicht verharmlost werden, zum Schutz der Menschen.

03.02.2018 19:04 Räudiger Hund 21

Jetzt sind die GroKodile schon auf den Hund.. äääh .. auf den Wolf gekommen! Eigentlich ein völliges Nebenthema. Wem 's gefällt...
Aber haben wir nicht wirklich Wichtigeres in diesem Land zu bewältigen? Ich frag' ja nur...

03.02.2018 17:17 Gerd 20

OMG - immer diese haltlosen Behauptungen und Märchen... Das alles ist nur dumme Angstmacherei!
Beispiel: "Deutschland ist zu dicht besiedelt..." Blödsinn! Das statistische Bundesamt hat folgende Zahlen im Jahr 2015 veröffentlicht. Deutschland hat eine Gesamtfläche von 357 376 km². Davon sind 51,7 % Landwirtschaftsfläche; 30,6 % Waldfläche; nur 13,7 % (!) Siedlungs- und Verkehrsflächen; 2,4 % Wasserflächen und 1,7 % Sonstige Flächen einschließlich Abbauland. Also wenn auf gerade einmal 13,7 % der Fläche Deutschlands über 80 Millionen Menschen leben, warum soll dann auf den restlichen rund 80 % der Fläche Deutschland kein Platz für ein paar Tausend Wölfe sein?
Diese Panikmacherei ist vollkommen unbegründet und dient nur dazu von den wirklichen Problemen in diesem Land abzulenken. Und da hätten wir, weiß Gott, einige schwerwiegendere Problemfelder. Einfach mal drüber nachdenken und sich die Fragen stellen: Warum wird dieses Thema gerade jetzt so hoch gekocht? Wem nutzt es?

03.02.2018 16:12 Inge 19

Oh Ihr selbsternannten Götter...
Ich bin diese Diskussion über den Wolf endgültig leid und finde es verachtenswert, dass der Mensch meint, sich über alle Lebewesen stellen zu können und entscheiden zu dürfen, wer eine Daseinsberechtigung hat und wer nicht.
Nur weil wir Menschen weiter entwickelt sind, so intelligent, dass wir Waffen produzieren können, mit denen wir Tiere und schlauerweise uns gegenseitig töten können, gibt es uns nicht das Recht, einfach über Leben und Tod anderer Lebewesen zu bestimmen.
Es gibt so viel größere Probleme auf der Welt als den Wolf, der noch keinem Menschen in Deutschland wirklich gefährlich geworden ist.

03.02.2018 10:40 Sascha10 18

Ganz richtig von Inge erkannt. Es gibt keine Problemwölfe, das ist ein Märchen. Der normale wolf verhält sich nicht so wie die grünen Gutmenschen in Deutschland es wollen. Der wolf findet in Deutschland keinen geeigneten Lebensraum vor, keinen der nicht zu massiven Konflikten führt. Halslieferung

03.02.2018 08:44 Ekkehard Kohfeld 17

@ Inge 14 Ich bin für den Wolf und gegen die Jagd, denn es gibt keine Problemwölfe!##Ach sie sollten mir mal erklären warum man ein Raubtier schützt das nicht vom Aussterben bedroht ist aber dabei hilft andere Arten die davon bedroht sind auszurotten ich behaupte die müssen zum überleben das noch besser können wie die Jäger.
Oder können die die rot Listen lesen und machen dann eine Bogen um diese????Und der Wolf so leid es mir tut wahr hier zuletzt im Mittelalter zu Hause,wollen sie die zugebaute und bewirtschaftete Landschaft wieder zurück bauen?Ich bin wirklich ein Tierfreund aber das läuft doch in falsche Richtung als nächstes dann der Bär und dann das Mammut die haben hier ja auch mal gelebt.

03.02.2018 07:20 K. Mattern 16

Nur weil hier ein’ge zu viel Rotkäppchen schauen sollen bestehende Gesetze wieder mal verbogen werden . Vielleicht sollte man Sonntagsmittag auf diversen Programmen die Märchensendungen verbieten. Wenn das schon erwachsene Menschen negativ beeinflusst, welchen Schaden richtet es dann bei Kindern an.

02.02.2018 22:04 Barthel Wenzel 15

Schon schlimm, wie sich die "Grünen" im Bundestag ereifern, wenn es um dieses Thema geht. Wenn sie sich nur halb so aufbäumen würden, wenn's um deutsche Bürger geht.... Bei allen Themen, die an die Vernunft der Leute appellieren, haben die "Grünen" eine Meinung, die schwer oder gar nicht zu ertragen ist.