Ein Wolf durchstreift sein winterliches Gehege.
Der Wolf hat am Mittwoch den Umweltausschuss des Bundestages beschäftigt. Bildrechte: dpa

Diskussion im Umweltausschuss Streit um Umgang mit dem Wolf

Der Wolf ist zurück in Deutschland und breitet sich immer weiter aus, vor allem in Ostdeutschland und Niedersachsen. Auf 800 bis 1.000 Tiere wird der derzeitige Bestand geschätzt. Die Artenschützer freut es, die Landwirte dagegen machen sich Sorgen um ihre Tiere auf der Weide. Die Politik sieht Regelungsbedarf – deshalb hat der Umweltausschuss des Bundestags am Mittwoch Experten zum Thema Wolf befragt. Die waren uneins.

von Cecilia Reible, Hauptstadtkorrespondentin MDR AKTUELL

Ein Wolf durchstreift sein winterliches Gehege.
Der Wolf hat am Mittwoch den Umweltausschuss des Bundestages beschäftigt. Bildrechte: dpa

In einigen Regionen Deutschlands sind Wölfe ein echtes Problem. Immer wieder gibt es Berichte über gerissene Schafe oder Rinder. Abgeschossen werden dürfen die Raubtiere jedoch nur in strengen Ausnahmefällen – denn Wölfe stehen unter Artenschutz.

Änderung des Bundesjagdgesetzes gefordert

Die FDP im Bundestag will das ändern, sie fordert, den Wolf als jagbare Tierart ins Bundesjagdgesetz aufzunehmen. Unterstützung kommt von Helmut Damman-Tamke vom Deutschen Jagdverband: "Alle Erfahrungen, die wir mit Wölfen weltweit haben, sind gesammelt unter einer Situation, wo Wölfen unter Jagd nachgestellt wurde. Diesen Wölfen wurde vermittelt, die Nähe des Menschen und auch die Nähe seiner Nutztiere nach Möglichkeit zu meiden." Deshalb greift es nach Auffassung des Jagdverbands zu kurz, Schaf- oder Rinderherden nur durch bessere Zäune vor Wölfen zu schützen.

Auch Eberhard Hartelt vom Deutschen Bauernverband fordert, die Ängste der Tierhalter ernstzunehmen und nicht nur Scheinlösungen anzubieten: "Scheinlösungen sind meines Erachtens die Behauptung, dass allein mit Prävention und Kompensation die Weidetierhaltung zu schützen und zu erhalten ist. Wenn dann noch Vorschläge kommen, dass man einen Wolf, der nicht von alleine flieht, vertreibt, indem man in die Hände klatscht, dann nimmt man die ländliche Bevölkerung nicht ernst."

Jagdrecht nur Scheinlösung?

Andere Experten wiederum halten die Jagd auf Wölfe für eine Scheinlösung. Ilka Reinhardt vom Institut für Wolfsmonitoring bezweifelt, dass den Schafhaltern geholfen wäre, wenn der Wolf zum Abschuss freigegeben würde: "Wenn Sie einen Wolf schießen und Sie schützen die Schafe nicht, wird der nächste Wolf genau das gleiche machen. Er wird wieder Schafe fressen. Deshalb ist eine generelle Bejagung nicht geeignet, um Konflikte zu minimieren, da hilft nur Herdenschutz."

Schäfer: Wolf ist nicht das Hauptproblem

Auch die Schafhalter selbst glauben nicht, dass sich ihre Lage verbessert, wenn künftig Jagd auf den Wolf gemacht werden darf.

Die Hauptprobleme der Branche seien Nachwuchsmangel und hohe Kosten durch Maßnahmen für den Herdenschutz, aber auch durch gestiegene Pachtforderungen, beklagt Andreas Schenk vom Verband der Berufsschäfer. "Der Wolf ist nicht schuld am Niedergang der Schafhaltung, den wir heute beobachten. Die Verantwortung dafür tragen Politik und Gesellschaft. Wir Schäfer werden schon lange nicht ausreichend entlohnt, weder für unsere Erzeugnisse, noch für unsere Leistung für Natur und Umwelt", sagt er.

Bundeseinheitliche Regeln gefordert

Die Schäfer wünschen sich deshalb mehr finanzielle Unterstützung für ihren Berufsstand. Etwa in Form einer Weidetierprämie. Einig sind sich die Experten vom Bauern- bis zum Berufsschäferverband in einem Punkt: Für den Umgang mit dem Wolf braucht es klare bundeseinheitliche Regelungen. Herdenschutz und Finanzhilfen dürfe man nicht allein den Ländern überlassen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. April 2018 | 18:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. April 2018, 19:34 Uhr

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5 Kommentare

18.04.2018 21:45 Peter 5

@1: Huch, ich sehe gerade Tagesschau und was wird gesendet: Ein Beitrag zum Migranten Wolf.
Scheint wirklich wichtig zu sein!
Ach Nein! Die alternative Szene wird das unter Systempresse oder Mainstreame verbuchen.

18.04.2018 21:36 Peter 4

Wir müssen unbedingt die Frage beantworten: Gehört der Wolf zu Deutschland?

18.04.2018 21:31 Montana 3

18.04.2018 21:10 Peter
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Kleiner Witzbold ? Oder wie soll man sich Ihren Kommentar erklären.

18.04.2018 21:10 Peter 2

@1: Ich weiß nicht, was Sie zu mäkeln haben. Der Wolf ist doch auch nur ein illegal nach Deutschland gekommener Migrant.
Es kann losgeschossen werden: Grenzen zu! Wölfe ohne Pass abschieben!
Nur, wollen die Polen ihre nach Deutschland geflüchteten Wölfe zurücknehmen?

18.04.2018 20:11 Wo geht es hin? 1

Das nenne ich doch mal eine wirkliche Meldung, die ganz Deutschland aufwühlt. Zumindest habe ich hier den Eindruck, denn in allen Rubriken des MDR ist das DER Aufmacher an 1. Stelle. Gibt es wirklich nichts wichtigeres?

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