Historiker Dr. Michael Wolffsohn
Wolffsohn: "Das sind Juden, die sich allein gelassen fühlen von den traditionellen Parteien in Bezug auf ihre physische Sicherheit in Deutschland." Bildrechte: IMAGO

Interview Analyse von Historiker Wolffsohn: AfD kann auch Juden erreichen

Die AfD will einen Arbeitskreis für jüdische Mitglieder gründen. 17 jüdische Organisationen sprechen sich gegen eine Zusammenarbeit mit der Partei aus. Der Historiker Michael Wolffsohn sieht Gründe, warum die AfD auch deutsche Juden erreichen könnte. Einer sei die zunehmende Gewalt durch Muslime, mit der sich ein Teil der Juden von anderen Parteien allein gelassen fühle.

Historiker Dr. Michael Wolffsohn
Wolffsohn: "Das sind Juden, die sich allein gelassen fühlen von den traditionellen Parteien in Bezug auf ihre physische Sicherheit in Deutschland." Bildrechte: IMAGO

Der Historiker Michael Wolffsohn hat in einem Hörfunk-Interview analysiert, warum die AfD für manche Juden in Deutschland eine Option sein könnte. Der selbst einer jüdischen Familie entstammende frühere Professor der Bundeswehr-Universität in München sagte MDR AKTUELL, die AfD spreche diejenigen an, die sich von traditionellen Parteien "in Bezug auf ihre physische Sicherheit" allein gelassen fühlten: "Fakt ist, dass die meisten Attacken (...) gegen Juden in Deutschland" wie auch in anderen Ländern, etwa in Frankreich oder den USA, "von Muslimen ausgeübt werden." Zugleich gelte selbstverständlich der Satz, dass nicht alle Muslime potentielle Judenmörder seien.

Laut Wolffsohn wird in der Wahrnehmung eines Teils der Juden diese "muslimische Gefahr" in Deutschland nicht energisch genug bekämpft: "Das ist eine große Sorge, die in der jüdischen Gemeinschaft besteht."

Migrationsfrage spaltet auch jüdische Gemeinschaft

Wolffsohn sieht in der Migrationsfrage auch die Juden hierzulande gespalten. Während die einen sagten, Juden könnten doch nicht gegen die Aufnahme von Menschen in Not sein, "denn unsere Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, Vorfahren, überhaupt waren fast immer Flüchtlinge", sagten andere dazu: "Ja, das ist richtig, aber wir können doch nicht sehenden Auges die potentiellen Mörder von Juden ins Land lassen."

"In jedem Kollektiv gibt es eine Menge unterschiedliche Wünsche, Hoffnungen und Ängste", das sei in der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland nicht anders, sagte Wolffsohn. Diese Gemeinschaft sei "ganz normal" und darum in Bezug auf die AfD auch nicht homogener als andere, "denn so eindeutig ist eben der Antisemitismus in der AfD nicht". Es gebe in der Partei durchaus auch Israel- und Juden-freundliche Gruppierungen, allerdings auch ganz klar antisemitische.

Insgesamt 17 jüdische Organisationen in Deutschland haben sich gegen eine Annäherung an die AfD ausgesprochen, auch der Zentralrat. Wolffsohn gab aber zu bedenken, dass der nur etwa die Hälfte der deutschen Juden repräsentiere.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieser Zusammenfassung des Interviews mit Michael Wolffsohn war durch eine Reihe von Formulierungen der falsche Eindruck erweckt worden, Wolffsohn würde Mitgliedschaften von Juden in der AfD begrüßen. Dies war nach dem Wortlaut des Gesprächs falsch, in dem er nicht politische Sympathien bewertet sondern analysiert hatte, warum auch manche deutsche Juden für die AfD sein könnten.

Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Oktober 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2018, 12:57 Uhr

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62 Kommentare

08.10.2018 13:23 Ralf112 62

@ Kohfeld: "Beleidigung, Beleidigung, Beleidigung und Argumente sind ja nicht das Thema..." was für ein geistreicher Beitrag!!!
Achtung jetzt kommen Argumente, falls Sie wissen was das ist!
Da Sie als "Protestwähler" ebenso die AfD unterstützen wie die Juden des neu gegründeten Arbeitskreises bleiben Gauland, Weidel, Höcke und Co. Ihre (Partei-)Führer, das können Sie leugnen wie Sie wollen, ist aber Fakt! Damit müssen Sie leben. Den jüdischen Neu-AfDlern hat eine Entschuldigung für die "sprachlichen Entgleisungen" gereicht, Sie brauchen offenbar noch nicht mal eine! Das sagt auch schon viel aus! Und für jemanden, der sich über die Nazi-Keule beschwert und von sich als Demokrat spricht, ist es erstaunlich, dass Sie jeden, der Kritik an der AfD anbringt, als Faschisten bezeichnen. Klingt für mich weder nach Demokrat noch nach Protestwähler...

08.10.2018 12:05 Wessi 61

@ 56/59 Sie mischen hier - bekannte Methode, aber unrichtig - die Meinung d.Antifa mit der Meinung antifaschistischer Parteien.Und als Jude braucht man nicht Zionist zu sein, Nethanjahu ist auch nur eine Momentaufnahme.Israel war über Jahrzehnte äusserst links.@ 55 ...was wäre, wenn die Muslime versuchten in die Spitze der AfD zu kommen...? Der Islam ist doch sooooooooooo negativ?! Es geht hier nicht um eine sehr kleine Gruppe, sondern um viel mehr.Was wäre, wenn Muslime+Juden gemeinsam die AfD-Spitze versuchen würden zu erobern.Oder auch nur ein Parteiausschlußverfahren gg. Gedeon etc. anstreben würden?

08.10.2018 12:02 Manfred Hessel 60

Ich finde, die jüdischen Mitbürger sollen selbst entscheiden was sie machen. Die sind wohl auch alt genug. Betreutes Denken und vorgekaute Meinungen brauchen sie bestimmt nicht.

08.10.2018 10:18 Ichich 59

Dazu muß man erwähnen, daß Wolffsohns Meinung bekannt ist. Bereits in dem Buch "Keine Angst vor Deutschland!" von 1991 hat er drauf verwiesen, daß "Juden" instrumentalisiert würden, wenn sie nützlich seien, die gleichen Leute aber eine geradezu rabiate Abneigung oder Feindschaft gg. Israel an den Tag legten. Wer soll glauben, daß Leute, die positiv und unterstützend gegenüber Israel sind, bei den Grünen oder SED/Linksartei Mitglied werden ... insbesondere weil eine "Aufarbeitung" antizionistischer oder gar antisemitischer Tendenzen bei diesen linken Parteien bis heute nicht erfolgt ist.

08.10.2018 10:11 Gisela Woodson 58

Das Judentum hat schon immer zu Europa gehört. Und es sollte auch weiterhin so sein.

08.10.2018 09:10 Ekkehard Kohfeld 57

@ Ralf112 50 Das Niveau Ihrer Antworten wird immer niedriger.##Ich versuche doch nur auf ihr Niveau runter zu kommen,gelingt nicht so gut.#
Aussagen Ihrer AfD extremrechtsaußen Führer sind selbstverständlich immer aus dem Zusammenhang gerissen.#Nicht ausweichen darum ging es in ihrem Kommentar nicht##
Auch der Ablenkungsvetsich, andere als Nazis oder Faschisten zu bezeichnen und ihnen 3. Reich Methoden zu unterstellen, verfängt nur bei Ihren braunen Gesinnungsgenossen. Wer sich selbst nicht mit den Aussagen seiner Führungsriege auseinandersetzen will oder kann, ##Ich habe ihnen das schon mehrmals gesagt das ist nicht meine Führungsriege ich bin einfach nur ein Demokrat und ein Protestwähler der AFD wenn ihnen das nicht passt ist das ihr Problem aber nichts Demokratisches.Und in einer Demokratie werden die Hebel der Macht durch Wahlen verteilt und nicht durch plumpe 3.Reichs Hetze oder wie macht man das in einer Demokratie?Nur macht das nicht die AFD sondern sie völlig Niveaulos.

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08.10.2018 08:31 Ichich 56

Lieber @Wessi, "... sich eine Gruppe die eigenen Henker erwählt." Welche Gruppe hat ihren Feinden treu und brav zu Seite gestanden ? WelcherPLO-Freund und Bewunderer der iranischen Mullahs wurde mit "Ehrendoktorwürden" israelischer Universitäten geehrt ? Welche Partei hat "Zionismus" und "Faschismus" gleichgesetzt ? Welche Partei hat der PLO Waffen geliefert ? Offenbar erkennen sehr viele Juden (in Deutschland), daß sie aus polit. Kalkül "vor den Bus geworfen" werden.

08.10.2018 01:16 Querdenker 55

@Wessi 54

Zitat: „Wenn es den Juden in der Partei verwehrt worden wäre, eine Gruppe zu gründen, hätte das ein sofortiges Verbot (Religionsfreiheit) der Partei zur Folge gehabt.“

Natürlich könnte die AfD die Bildung einer offiziellen Gruppe innerhalb der Partei verbieten. Das steht der Religionsfreiheit nicht im Wege. Macht die AfD aber nicht. Sogar liberale Muslime dürfen eine Gruppe in der AfD bilden (siehe „welt Muslime in der AfD: Beatrix von Storch zeigt sich offen für muslimische Initiativen“).

Es gibt kein Recht darauf, eine offizielle Gruppe in einer Partei bilden zu dürfen. Da haben religiöse Menschen keine Sonderrechte.

In der CDU wurde sogar von einer Abgeordneten die Diskussion angestoßen, dass Muslime nicht in die CDU gehören und ihnen die Mitgliedschaft verweigert werden sollte.

siehe „spiegel Veronika Bellmann: CDU-Abgeordnete will keine Muslime in der Partei“

07.10.2018 21:30 Wessi 54

@ 47/51 Es geht doch nicht darum, ob sich die Gruppe gegründet hat.Wenn es den Juden in der Partei verwehrt worden wäre, eine Gruppe zu gründen, hätte das ein sofortiges Verbot (Religionsfreiheit) der Partei zur Folge gehabt.Es geht hier einfach darum, ob sich eine Gruppe die eigenen Henker erwählt. Und @ 51...meine Familie lebt hier seit 1820.Immer integriert, ja, sogar assimiliert.Und was war mein Opa 1933...?Auf einmal.So mancher der hier postenden Rechten kam irgendwo aus den slavischen Sümpfen, Beutegermane sozusagen. Demokratie bedeutet Mehrheitsmeinung.

07.10.2018 21:01 Ralf112 53

@ 52 Bajuware: "Politiker haben sich aber nicht über die postive oder negative Vergangenheit zu definieren, sondern durch ihre persönlichen Leistungen."

Also zunächst einmal habe ich die AfD nicht als Nazi-Partei bezeichnet. Weder sind alle Politiker noch sind alle Wähler der Partei Nazis!
Leider ist das Führungspersonal zu großen Teilen alles andere als eindeutig nicht rechtsextrem. Und da halte ich es so wie Sie das geschrieben haben. Ich bewerte Politiker nicht über ihre Vergangenheit, sondern über ihre aktuellen (Fehl-)Leistungen. Da können Sie das "unschön" oder "unappetitlich" nennen, ich nenne "Kameltreiber und Messerstecher" rassistisch! Sie können auch es auch unschön nennen, wenn der Vorsitzende der AfD die NS-Zeit als Vogelschiss bezeichnet, aber es hat ihn ja niemand gezwungen, eindeutig zweideutige braune Soße von sich zu geben. Er hat das auch nicht in der Vergangenheit gesagt, sondern ganz aktuell!