Abiturienten schreiben eine Abiturprüfung
Abiturienten bei einer schriftlichen Abschlussprüfung. Bildrechte: dpa

Bildung Der weite Weg zum Zentralabitur

Jahrzehntelang waren Abiturprüfungen in der Bundesrepublik Sache der einzelnen Schulen. Die Abschlüsse hatten daher unterschiedliches Niveau, die Noten waren schwer vergleichbar. Inzwischen bemühen sich die meisten Länder um eine Vereinheitlichung von Bildungsstandards und Prüfungen. Doch es gibt weiterhin erhebliche Unterschiede.

Abiturienten schreiben eine Abiturprüfung
Abiturienten bei einer schriftlichen Abschlussprüfung. Bildrechte: dpa

Aktuell gibt es für schriftliche Abiturprüfungen in 15 der 16 Bundesländer in den Fächern Mathematik, Deutsch, Englisch und Französisch einen gemeinsamen Aufgabenpool. Diese Aufgaben unterschiedlicher Schwierigkeit werden von den Ländern eingereicht, von einer Expertengruppe überprüft und dann die Endfassungen freigegeben. Die Länder können daraus Aufgaben für die schriftlichen Prüfungen in den vier Fächern für den Grund- und Leistungskurs auswählen.

Länder stellen eigene Aufgaben

Hinzu kommen weitere Fragen, die die Länder selbst bestimmen. Nach Angaben aus Thüringen stammten 2019 gut ein Drittel der Aufgaben in Mathematik aus dem Pool. Die übrigen Prüfungsfragen erstellte eine Aufgabenkommission des Landes, die sich aus erfahrenen Gymnasiallehrern zusammensetzt. Das ist in den anderen Ländern ähnlich, wobei das Verhältnis zwischen Pool-Fragen und Länder-Aufgaben variiert.

Der Sprecher des sächsischen Kultusministeriums, Dirk Reelfs, konnte auf Anfrage von MDR AKTUELL den Anteil der Zentralaufgaben bei den aktuellen Abiprüfungen nicht beziffern. Nach seinen Worten ist es bis zu einem echten Zentralabitur in Deutschland noch ein weiter Weg. Die Kultusminister der Länder versuchten permanent, die Bildungsstandards zu vereinheitlichen, doch das werde noch einige Zeit dauern.

Nach der Einheit brach das starre Modell auf

Laut Grundgesetz ist Schulpolitik Ländersache. Jahrzehntelang bestimmte die Schulen gemäß dem Lehrplan ihres Bundeslandes selbst die Prüfungsaufgaben. Nur einige Länder wie Bayern, Baden-Württemberg und das Saarland bieten bereits seit Langem zentral Aufgaben an.

Ein Schild weist auf Abiturprüfungen hin
Die Prüfungen mit Fragen aus dem Aufgabenpool finden zeitgleich statt. Bildrechte: dpa

Das führte zu teils starken Niveauunterschieden im Abitur zwischen Schulen und Bundesländern. Nach der deutschen Einheit 1990 entschieden sich zunächst die neuen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern für einen gemeinsamen Aufgabenpool - wie es ihn auch in der DDR gab. Nur Brandenburg folgte dem dezentralen Westmodell, bei dem die Lehrer an den Schulen die Prüfungsfragen bestimmten.

Einzelne Länder preschen voran

Auch als Reaktion auf die anfangs schlechten Ergebnisse beim PISA-Schulvergleichstest schlossen sich im neuen Jahrtausend mehrere Bundesländer zusammen und bemühten sich, Bildungsstandards und Prüfungen zu vereinheitlichen. Die Kultusministerkonferenz vereinbarte 2012 einheitliche Prüfungsanforderungen für die Hochschulreife in den Fächern Deutsch und Mathematik sowie Englisch und Französisch.

2014 gingen dann Bayern, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Schleswig-Holstein voran. Berlin und Brandenburg gründeten einen gemeinsamen Aufgabenpool für alle Fächer. Seit 2017 gibt es in 15 Bundesländern gemeinsame Standards und einen Aufgabenpool bei den schriftlichen Abiturprüfungen für die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch.

Nur Rheinland-Pfalz hält am dezentralen Modell fest. Dort reichen weiterhin die Kurslehrer Aufgabenvorschläge ein, die von Fachberatern genehmigt werden müssen. Aber auch sonst ist noch wenig zentral in der bundesdeutschen Bildung: Derzeit verschärft sich der Streit um ein Abitur binnen acht oder neun Jahren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Mai 2019 | 11:18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Mai 2019, 20:05 Uhr