Militärpfarrer Heinrich Kramer steht im Ehrenhain für die gefallenen Soldaten im Camp Marmal in Masar-e-Scharif (Afghanistan).
Militärpfarrer Heinrich Kramer im afghanischen Masar-e-Scharif (Archivbild). Bildrechte: ddp

Zentralrat der Muslime Imame in der Bundeswehr?

Militärpfarrer sind in der Bundeswehr normal, doch immer mehr Soldaten sind Muslime. Zentralratschef Mazyek fordert daher auch Militärimame und kritisiert bürokratische Hürden. Verteidigungsministerin von der Leyen lässt eine Ausweitung der Seelsorge bei der Truppe prüfen.

Militärpfarrer Heinrich Kramer steht im Ehrenhain für die gefallenen Soldaten im Camp Marmal in Masar-e-Scharif (Afghanistan).
Militärpfarrer Heinrich Kramer im afghanischen Masar-e-Scharif (Archivbild). Bildrechte: ddp

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat den Einsatz von Imamen in der Bundeswehr gefordert. Vorsitzender Aiman Mazyek nannte es "eine Schande, dass wir in Deutschland nach so vielen Anläufen und Anstrengungen über fast sechs Jahre nicht mal einen dringend benötigten muslimischen Militärseelsorger installieren konnten."

Bürokratische Hürden

Aiman Mazyek
Vorsitzender des Zentralrats der Muslime Aaidan Mazyek Bildrechte: dpa

Mazyek warf in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" der Politik vor, bürokratische Hindernisse aufzubauen. Dabei sei die Bundeswehr ein Spiegelbild der Gesellschaft. Mazyek argumentiert, Militärimame hätten auch eine starke integrationspolitische Signalwirkung.

Die Bundeswehr hat katholische und evangelische Militärbischöfe und -pfarrer, die den Soldaten unter anderem im Einsatz geistlichen Beistand leisten. Nach Schätzungen gibt es in der Bundeswehr etwa 1.500 bis 2.000 muslimische Soldaten. Genaue Zahlen existieren nicht, weil die Religionszugehörigkeit nicht abgefragt wird.

Von der Leyen und Bartels sehen Bedarf

Ein Imam hält seine Gebetskette.
Imam mit Gebetskette. Bildrechte: dpa

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat angekündigt, den Bedarf an Imamen in der Truppe zu prüfen und zu klären, wie ein Einsatz organisiert werden könne.
Auch der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels hatte jüngst in seinem Jahresbericht die Bundesregierung wegen ihrer Untätigkeit bei diesem Thema kritisiert: "Nach mehr als sechs Jahren des ergebnislosen Prüfens macht sich langsam Ernüchterung breit." Als Vorbild nannte er Österreich, wo das Bundesheer über zwei Militär-Imame verfügt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Februar 2018 | 09:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2018, 10:14 Uhr

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61 Kommentare

28.02.2018 13:27 Kritischer Bürger 61

@47: +... Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges und der enorme Aufwand, der erforderlich war, um das nationalsozialistische Deutschland und dessen Verbündete niederzuringen,bewog die Alliierten dazu, das besiegte Land auch in Zukunft militärisch schwach zu halten.Dies spielte sowohl für die Erstellung des deutschen Grundgesetzes wie auch für die Verfassung der DDR eine wichtige Rolle..+ (Quelle Wiederbewaffnung-Wikipedia) Daher eine schwache Armee für Defensivaufgaben im eigenen Land. +..Am 13. Juli 1955 vereinbarten US-Botschafter Conant und Bundeskanzler Adenauer die Überlassung von amerikanischen halbautomatischen Sturmgewehren, Panzern, Artilleriegeschützen, Feldhaubitzen und Kampfflugzeugen an die Bundesrepublik. Im Gegenzug war Westdeutschland verpflichtet, die Waffen nur zur Verteidigung im Rahmen des NATO-Bündnisses einzusetzen und sie nicht an Dritte zu verkaufen oder zu überlassen...+>Verteidigung< heißt auch Defensiv zu bleiben.Ist zum Teil für BW heute noch so in der NATO!

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28.02.2018 05:59 H.E. 60

@ 52 Aus der Geschichte Lehren ziehen
@55 Wo geht es hin?
Wenn dies stimmt aus dem Dritten Reich und ich persönlich glaube es sofort (hörte es jetzt leider zum ersten Mal), gehören religiöse Vertreter des Islam nicht zur Bundeswehr. Ich finde auch keine IMAME bei der Bundeswehr deshalb wichtig schon aus Rücksichtnahme gegenüber unseren jüdischen Mitbürgern in Deutschland, besonders aufgrund dieser Vorfälle im Dritten Reich.

27.02.2018 22:37 Eulenspiegel 59

„Militärpfarrer sind in der Bundeswehr normal“
Unser GG geht von der Gleichwertigkeit aller Religionen aus. Daraus ergibt sich das alle Weltreligionen die gleichen Rechte haben.Wenn die Christen ihre Seelsorger in der Bundeswehr haben warum dann Juden und Moslem nicht auch.

27.02.2018 21:34 ein schon länger in Deutschland lebender 58

@Gohlis 57

wenn von einer Religion besonders viel Terror aus geht ist es leider keine Privatsache mehr, im Gegenteil.

27.02.2018 18:57 Gohlis 57

Religion ist Privatsache und sollte auch in Zukunft in der BW nicht abgefragt werden. Leider stupst uns dieser Fall mal wieder auf die defizitäre Trennung von Staat und Kirche in unserem Land. Am meisten Sorgen mache ich mir für die Zukunft nicht für die Christen, sondern für Atheisten und Agnostiker.

27.02.2018 18:46 Kritischer Bürger 56

@47: Rückschluss: Was sollen Muslime oder allgemein religionsverbundene Soldaten in einer BW, die nur für innere Angelegenheiten einzusetzen wäre?

27.02.2018 18:09 Wo geht es hin? 55

@forsa - Zitat von Ihnen: "Ihr wollt eine reine Arierarmee." Zitat Ende. Die gab es nicht mal unter den Nazis. Also vollkommener, populistischer Schmarrn. Und weil Sie es ansprechen: wussten Sie, dass Himmler und Hitler fast schon fanatische Verehrer des Islam wegen seiner Machtideologie waren? Und das zahlreiche muslimische Verbände für die Nazis gekämpft haben? Scheint Sie ja absolut nicht zu stören....

27.02.2018 17:43 ein schon länger in Deutschland lebender 54

darfs noch etwas mehr sein ;-)

27.02.2018 17:34 John Silver 53

Natürlich braucht die BW Imame. Keine Aufregung, gibts in der französischen Fremdenlegion schon lange und die Bundeswehr ist letztendlich auch eine Söldnertruppe mit multikulturellen Background. Warum soll man unterscheiden, wo kein Unterschied ist?

27.02.2018 17:08 aus der Geschichte Lehren ziehen 52

Artikel WELT v.14.11.201 "Die Rücksichtnahme führender Nazis auf Muslime ging so weit, dass sogar eine besondere Sprachregelung angewiesen wurde."
"Viele Tausend Muslime wurden ab 1942 als Hilfstruppen für Wehrmacht und Waffen-SS rekrutiert und an verschiedenen Fronten eingesetzt. Einige von ihnen begingen auch, etwa im besetzten Jugoslawien, Kriegsverbrechen. Im Kosovo waren muslimische Waffen-SS-Männer an der Deportation von Juden beteiligt. Daher muss die Bundeswehr eher frei von religiösen Prägungen sein um allen Soldatinnen und Soldaten neutral begegnen zu können. Es sind auch keine Rabbiner im Einsatz.