Horst Seehofer
CSU-Chef Seehofer bei einem Auftritt im Juli in Berlin. Bildrechte: dpa

Zeitungsbericht Seehofer: Migration hat Land verändert

Die Migration hat nach Einschätzung von CSU-Chef Seehofer starke Spuren im gesellschaftlichen Klima in Deutschland hinterlassen. FDP-Chef Lindner kritisierte, völkische Parolen seien in Deutschland wieder salonfähig geworden.

Horst Seehofer
CSU-Chef Seehofer bei einem Auftritt im Juli in Berlin. Bildrechte: dpa

Die Flüchtlingspolitik und die Zuwanderung haben nach Einschätzung von CSU-Chef Horst Seehofer Deutschland ein Stück weit verändert. Der "Bild am Sonntag" sagte der Bundesinnenminister, das Thema spalte und polarisiere die Gesellschaft. Ängste und Sorgen der Bevölkerung hätten zugenommen. Die Toleranzgrenze sinke, die Debatten würden hitziger.

Die Herausforderung der Migration werde Deutschland noch viele Jahre beschäftigen, prognostizierte Seehofer. Zwar sei die Zahl der Zuwanderer zurückgegangen, doch halte der "Migrationsdruck" an. Man brauche hier eine europäische Lösung, von der man "immer noch weit entfernt" sei.

Lindner: Völkische Parolen wieder salonfähig

FDP-Chef Christian Lindner sagte der Zeitung, die Stimmung in Deutschland sei so aufgeheizt wie lange nicht. Einerseits würden völkisch-autoritäre Parolen salonfähig.

Andererseits sei die öffentliche Debatte total überreizt, weil hinter jedem kritischen Wort sofort Rassismus vermutet werde. Beides verstärke sich gegenseitig.

Maas wirft Deutschen Bequemlichkeit vor

Bundesaußenminister Heiko Maas
Bundesaußenminister Maas: Wachkoma muss ein Ende haben Bildrechte: dpa

Bundesaußenminister Heiko Maas forderte in der Zeitung die Deutschen auf, auch "mal vom Sofa hochzukommen und den Mund aufzumachen". Seine Generation habe Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nicht erkämpfen müssen. So habe sich in der Gesellschaft Bequemlichkeit breit gemacht, die man überwinden müsse. Wörtlich sagte Maas: "Die Jahre des diskursiven Wachkomas müssen ein Ende haben".

Viel auf Chemnitz angesprochen

Mit Blick auf die Vorfälle in Chemnitz sagte der SPD-Minister, er werde von seinen Kollegen in Europa "sehr oft" deswegen angesprochen. Wenn auf den Straßen wieder der Hitlergruß gezeigt werde, sei das eine Schande für das gesamte Land. Nun sei die gesamte Gesellschaft gefordert, um den Ruf Deutschlands in der Welt zu retten.

Vor knapp einer Woche war ein 35-jähriger Mann am Rande eines Stadtfestes in Chemnitz getötet worden. Als Tatverdächtige sitzen ein Iraker und ein Syrer in Untersuchungshaft. Nach der Tat war es zu Wochenbeginn zu Ausschreitungen in der Stadt gekommen, bei denen auch Ausländer angegriffen worden waren und der Hitlergruß gezeigt wurde.

Am Samstag hatte es erneut Kundgebungen in der Stadt gegeben. Die AfD hatte zu einem Protest gegen Migration aufgerufen, andere Organisationen demonstrierten hingegen gegen Fremdenfeindlichkeit. Die Polizei sprach von insgesamt 9.500 Demonstranten. Die Polizei war mit einem Aufgebot von 1.800 Mann vor Ort.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. September 2018 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. September 2018, 08:31 Uhr