Stefan Kretzschmar vom SC DHfK beobachtet das Spiel.
Stefan Kretzschmar hat mit seiner Aussage über die Meinungsfreiheit von Sportlern eine Debatte ausgelöst. Bildrechte: dpa

Kretzschmar über Meinungsfreiheit Künstler und Sponsoren sehen keine Gefahr für Meinungsfreiheit

Laut Ex-Handballer Stefan Kretzschmar können Sportler nicht mehr "frei Schnauze" ihre Meinung sagen. Sie äußern sich nicht kritisch, weil sie Repressalien von Arbeitgebern und Sponsoren fürchten müssen. Andere Sportler, Künstler und Sponsoren sehen die Aussage Kretzschmars kritisch.

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

Stefan Kretzschmar vom SC DHfK beobachtet das Spiel.
Stefan Kretzschmar hat mit seiner Aussage über die Meinungsfreiheit von Sportlern eine Debatte ausgelöst. Bildrechte: dpa

Stefan Kretzschmar sitzt im Aufsichtsrat des Handballverein SC DHFK Leipzig. Auf der Brust der Bundesliga-Handballer prangt ein großes, gelbes "L". Das steht für den Leipziger Stadtkonzern LVV, einen der lokal größten Kultur- und Sportsponsoren.

Leipzigs Niclas Pieczkowski jubelt über ein Tor.
Einer der Hauptsponsoren des SC DHFK ist die LVV. Ihr Logo, das gelbe L, prangt auf dem Trikot von Niclas Pieczkowski. Bildrechte: dpa

Konzernsprecher Peter Krutsch betont die gute Zusammenarbeit mit dem SC DHFK. Noch nie habe es Probleme gegeben, jederzeit dürften die Handballer ihre Meinung sagen, ohne Repressalien fürchten zu müssen. "Es gibt Meinungsvielfalt und die soll gelebt werden", erklärt Krutsch.

Kretzschmars Vorwurf, es gebe keine Meinungsfreiheit im eigentlichen Sinne, kann LVV-Sprecher Peter Krutsch nicht nachvollziehen. Für den Konzern gebe es nur wenige Grenzen. "Mit Leuten, die Gewalt verherrlichen oder für extremistische Parteien oder Projekte werben, werden wir natürlich kein Sponsoring abschließen." Es sei schließlich wichtig, dass die Werte, die das Unternehmen lebt, von den Partnern geteilt werden.

Gesellschaft polarisiert mehr als früher

Studierende der Universität Leipzig protestieren am 21.11.2017 auf dem Campus der Universität in Leipzig (Sachsen) gegen Rassismus, Sexismus, Islamophobie und Homophobie.
Der Leipziger Jura-Professor Thomas Rauscher eckte mit Meinungsäußerungen auf Twitter an. Bildrechte: dpa

Dennoch ist die von Stefan Kretzschmar ausgelöste Debatte in vollem Gange. Vor allem in sozialen Netzwerken und Medien wird emsig über die Grenzen der Meinungsfreiheit von Sportlern diskutiert.

Dr. Christian Hoffmann, Professor für Kommunikationsmanagement der Universität Leipzig, sieht die Meinungsfreiheit nicht in Gefahr. Er sagt, es müsse sich nur jeder darüber im Klaren sein, dass eine Meinungsäußerung heftige Reaktionen hervorrufen kann. "Jede Gesellschaft hat Tabus und in jeder Gesellschaft muss man fürchten, dass man soziale Sanktionen erfährt, wenn man Dinge sagt, die in den Augen von anderen Menschen einfach ungehörig sind", erklärt Hoffmann.

Es gibt kein Recht darauf, von allen geliebt zu werden. [...] Ich glaube, dass wir auch in Deutschland eine starke […] politische Polarisierung haben. Und das führt dazu, dass es große Abneigungen gibt.

Dr. Christian Hoffmann, Professor für Kommunikationsmanagement

Diese Abneigung bekämen hin und wieder nicht nur Sportler zu spüren, sondern auch andere. Der Leipziger Juraprofessor Thomas Rauscher zum Beispiel, der rassistische Äußerungen twitterte und damit öffentlich für Empörung sorgte, oder Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz, der immer wieder über die Asylpolitik schimpfte. Gleiches tat Buchautor Uwe Tellkamp.

Clemens Meyer: Habe nie Druck gespürt

Der Leipziger Autor Clemens Meyer kann all das nicht verstehen. Er hatte noch nie Probleme mit seinem Verlag wegen einer Meinungsäußerung. Er appelliert hingegen an die eigene Verantwortung:

Ich habe nie von irgendwelcher Seite Gängelungen oder Druck gespürt. [...] Aber man muss sich selbst hinterfragen, muss ich etwas sagen, wenn ich weiß, dass es für Aufregung sorgen wird. 

Clemens Meyer

Ähnlich sehen das übrigens auch viele Sportler-Kollegen von Stefan Kretzschmar. So kann beispielsweise Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen keine Einschränkung der Meinungsfreiheit feststellen. Er habe bisher immer genau das gesagt, was er dachte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Januar 2019 | 05:47 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 05:00 Uhr

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188 Kommentare

18.01.2019 03:14 Querdenker 188

Zitat: „Laut Ex-Handballer Stefan Kretzschmar können Sportler nicht mehr "frei Schnauze" ihre Meinung sagen. Sie äußern sich nicht kritisch, weil sie Repressalien von Arbeitgebern und Sponsoren fürchten müssen.“

Da hat er absolut recht. Wer die „falsche“ Meinung zu bestimmten Themen hat, muss mit Nachteilen rechnen in Deutschland. Es kommen keine Männer vom Staat mit Hut wie in der DDR vorbei und führen mit einem ganz besondere Gespräche etc. (siehe Dokumentation „Operation Zersetzung Terror der Stasi“). Aber in diesem heutigen kapitalistischen System gibt es andere Mechanismen die wirken. Und die Methoden der Stasi übernehmen ggf. teilweise andere (siehe hierzu „bz-berlin Linke jagen Berliner Zahnarzt und bekommen Geld vom Staat“). Gelernt ist halt gelernt?

17.01.2019 22:32 Udo K 187

@ Martin Vomberg 177
Sie schreiben: "Übrigens: Selbst wenn die afd-Parteizugehörigkeit der Grund für die Ablehnung wäre . . . auch das wäre immer noch das gute Recht und die individuelle Entscheidung der Abgeordneten." -------
Falsch! Jeder Fraktion steht ein Vizepräsident zu, also darf es keine Ablehnung wegen der Parteizugehörigkeit geben!

17.01.2019 22:31 Martin Vomberg 186

@ Simon60
"wir reden von einer ganz banalen Position, aus der heraus keine relevanten Entscheidung getroffen werden können."

Ja, wenn der Posten doch angeblich eh so unwichtig ist, wie Sie selbst schreiben . . . dann können wir die Entscheidung über die Vergabe dieses Postens erst Recht getrost der demokratischen Mehrheitsfindung durch die Parlamentarier des Hohen Hauses überlassen und brauchen uns über rein theoretische Gedankenspiele ("eine Partei die eine absolute Mehrheit hat, alle Macht und Posten an sich reißt") keinen weiteren Kopf machen.

17.01.2019 22:16 Udo K 185

@ Markus Vahle 157
Es ist nicht "meine AfD", ich beziehe mich auf diese Partei im Zusammenhang mit dem Thema Meinungsfreiheit. Wenn ich schreibe "aber die anderen..... ", bezeichnen Sie es als Relativierung. Wenn Sie in 130 schreiben "Macht umgekehrt die AFD bei den Reden der anderen Parteien genauso!", ist es keine Relativierung? Merken Sie was?
Auch ich schaue mir beide Seiten an, gestatte mir jedoch, die Beschuldigungen gegenüber der AfD zu bewerten, so wie Sie nur dieser Partei Vorwürfe machen.
Sie bezeichnen meine Frage als scheinheilig, weil Ihnen keine Antwort einfällt.
Leider haben Sie meiner Bitte nicht entsprochen, mir die Begründung für die Ablehnung der Kandidatin der AfD zu nennen.
Mit Ihrem letzten Satz beweisen Sie, dass Ihre Rede von "genereller Dialogbereitschaft" eine leere Phrase ist.

17.01.2019 22:09 Peter 184

@181 Maik: Nur eine Frage:
Wer sind die getroffenen Hunde, die bellen?

17.01.2019 22:09 Fakt 183

>>Wo geht es hin?, #179:
"Weitermachen! Vorwärts und nicht vergessen..."<<

Das hat mit relativieren gar nichts zu tun.
Falls Sie es nicht nicht wissen: Eine Zeitungsseite hat nur begrenzten Platz. Und der Redakteur, der die Seite baut, muss sehen, dass er Artikel so hinbekommt, dass alles, was laut Seitenspiegel auf die Seite soll, dort auch unterkommt.
Ich merke aber, dass Sie von Medien und Pressearbeit keine Ahnung haben; muss man ja auch nicht. Nur dann die Presse mit irgendwelchen ehemaligen DDR-Medien zu vergleichen, erinnert doch irgendwie an afd- oder Pegida-Argumentation.

17.01.2019 22:07 Martin Vomberg 182

@ Wo geht es hin Nr. 178
"Ein schöneres Eigentor sieht man selten."
Was, bitteschön, soll an einer nüchternen Feststellung (freies Mandat der Abgeordneten und die damit verbundenen Rechte) ein "Eigentor" sein? Und die Parteifarbe als angeblichen Grund für die Ablehnung der/des afd-Kandidaten/in hat Kommentator Nr. 174 ins Spiel gebracht, nicht ich! Daher auch meine Antwort: Selbst, wenn dem so wäre . . .

17.01.2019 21:52 Maik 181

Wenn ich den Artikel lese, getroffene Hunde bellen. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

17.01.2019 21:44 Simon60 180

@177 Martin Vomberg:

Ihre Argumentation ist ein gutes Beispiel dafür, dass Herr Kretzschmar Recht hat, denn Sie weigern sich beharrlich zu akzeptieren, dass man nicht mit zweierlei Maß messen darf.

Es geht um die AfD genauso wie um die Grünen, Linken oder andere Fraktionen, es geht um einfache demokratische Gepflogenheiten. Und ich sage Ihnen dasselbe wie Herrn Vahle. Wenn es Ihrer Überzeugung entspricht, dass eine Partei die eine absolute Mehrheit hat, alle Macht und Posten an sich reißt, nehme ich das zur Kenntnis. Eine hohe Meinung dürfen Sie aber nicht erwarten.

Es ist meine Überzeugung, dass wer Regeln ändert oder Gepflogenheiten ignoriert, weil die Ausrichtung einer Partei nicht passt, den Anspruch verloren hat sich demokratisch zu nennen. Wir reden hier übrigens nicht von einem Gesetz, für das ein Abgeordneter immer gemäß seinem Gewissen abstimmen sollte, wir reden von einer ganz banalen Position, aus der heraus keine relevanten Entscheidung getroffen werden können.

17.01.2019 21:15 Wo geht es hin? 179

@Fakt - Zitat von Ihnen: "Den von Ihnen angesprochenen Fall mal außenvor gelassen, ist redigieren und kürzen von Artikeln - zumindest von zuliefernden Journalisten - kein Verstoß gegen die Pressefreiheit, sondern Tagesgeschäft in den Redaktionen, solange Sinn und Aussage des Artikels nicht verändert werden." Zitat Ende. das hamm se aber scheen relativiert und der olle Sudel - Ede hätte es ni besser hinbekommen. Weitermachen! Vorwärts und nicht vergessen...