Umweltgifte Mehrheit der Deutschen gegen Pestizideinsatz

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen ist gegen den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft. So die Ergebnisse einer Umfrage, die das Bündnis für enkeltaugliche Landwirtschaft in Auftrag gegeben hat und die dem MDR exklusiv vorliegt.

Würde die deutsche Bevölkerung nach Schweizer Vorbild in einem Volksentscheid gefragt werden, aus der Nutzung von Pestiziden in der Landwirtschaft auszusteigen, wäre das Ergebnis eindeutig. Dies legt eine Umfrage nahe, die vom "Bündnis für enkeltaugliche Landwirtschaft", einem Zusammenschluss von Biolandwirten, Naturkost-Fachhändlern und zivilgesellschaftlichen Organisationen, und dem Umweltinstitut München beim Meinungsforschungsinstitut Forsa in Auftrag gegeben wurde und dem ARD-Magazin "FAKT" exklusiv vorliegt. Danach sind 77 Prozent der Befragten dafür, dass Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft nicht mehr eingesetzt werden sollten. Nur 16 Prozent möchten, dass diese weiter genutzt werden.

Große Mehrheit für Ausstieg aus Pestizidnutzung

Der hohe Zuspruch zum Ausstieg aus der Pestizidnutzung zieht sich durch alle Altersgruppen hindurch und ist im gesamten Bundesgebiet zu beobachten. Bei Frauen ist der Anteil der Befürworterinnen mit 84 Prozent höher als bei Männern mit 70 Prozent. Ebenso sind im Vergleich mehr Großstädter dafür (84 %) als Menschen aus Orten mit unter 5.000 Einwohnern (74 %).

Messanlage
Karl Bär, Agrarrefernt bei Umweltinstitut München e.V., stellt eine Station zur Messung von Pestiziden in der Luft auf. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Studie: Pestizide in der Luft sind ein Risiko

Einer Langzeitstudie des "Bündnisses für enkeltaugliche Landwirtschaft" zufolge, die am 29. September 2020 veröffentlicht wurde, verbleiben Pestizide nicht ausschließlich auf den Feldern, auf denen sie ausgebracht werden. Vielmehr werden sie über Kleinstpartikel in der Luft flächendeckend verteilt. Welche Auswirkungen diese sogenannte Abdrift auf die Gesundheit der Bevölkerung hat, ist wissenschaftlich nicht erforscht.

Dennoch fürchten auch hier 77 Prozent der Befragten, dass Pestizide in der Luft ein großes bzw. ein sehr großes Risiko für die Natur darstellen und 57 Prozent sind der Meinung, dass dasselbe auch für ihre Gesundheit gilt. Dabei glauben ältere Menschen deutlich häufiger an ein großes gesundheitliches Risiko durch verwehte Pestizide als Befragte unter 30.

Bayer
Der Chemiekonzern Bayer verweist auf die geringen Pestizidmengen, die bei Messungen in der Luft nachgewiesen wurden und sagt, diese seien nicht gesundheitsschädlich. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Übertriebene Gefahreneinschätzung?

Der Chemiekonzern Bayer, weltweit größter Produzent von Pflanzenschutzmitteln, widerspricht einer solchen Einschätzung und verweist darauf, dass die in der Luft nachgewiesenen Pestizidmengen sehr gering und deshalb nicht schädlich seien. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung hält eine Gefahr derzeit für unwahrscheinlich.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 24. November 2020 | 21:45 Uhr