Die Medienschau

Kommentare zur Präsidentenwahl in Polen

"Andrzej Duda bleibt polnischer Präsident", registriert die Mitteldeutsche Zeitung aus Halle. "Das ist eine schlechte Nachricht für Deutschland und Europa. Denn Polen ist der bei weitem wichtigste EU-Staat im Osten. Was in Warschau passiert, ist wegweisend für die Region. (...) Duda hat im Wahlkampf unerträgliche nationalistische Töne angeschlagen (...) und gegen die Nachbarn im Westen gehetzt. (...) Damit lässt sich kein Europa gestalten, das sich auf Freiheit, Gleichheit, Solidarität und auf Menschenrechten gründet."

Der Spiegel kommentiert: "Der Sieger der Präsidentenwahl heißt Jaroslaw Kaczynski. Dabei hat er noch nicht einmal kandidiert und Staatsoberhaupt wird er auch nicht. Aber das muss er auch gar nicht. Denn Kaczynski hat in dem hohen Amt seinen Lakaien Andrzej Duda platziert. Niemand in Polen glaubt, dass Duda oder auch die rechtsnationale Regierung selbstständig Politik machen."

Im Tagesthemen -Kommentar heißt es: "Duda ist und bleibt Präsident von Kacynzkis Gnaden, Erfüllungsgehilfe des Gründers und Chefs der PiS-Partei. Er ist stramm auf Linie des Nationalkonservativen, bereit, dessen populistische Partei autoritär durchregieren zu lassen. (...) Trotzdem hat eine knappe Mehrheit der Polen ihn wiedergewählt."

Das Handelsblatt verweist indes darauf: "Dass ein Oppositionskandidat - Warschaus liberaler Bürgermeister Trzaskowski - jemals wieder auf fast die Hälfte der Stimmen kommen würde, galt vor Monaten nur als Wahnidee von Kranken. Aber nun ist es ebenso wahr wie die schlimme Erkenntnis: Polen ist zutiefst gespalten. Was das heißt, kann täglich in Übersee besichtigt werden."

Die Neue Osnabrücker Zeitung geht auf die Rolle der EU ein: "In einer echten Demokratie wählen die Bürger unter Umständen anders, als es sich die Mächtigen wünschen. Diesen Mehrheitswillen mag man für falsch, anti-europäisch und rückwärtsgewandt halten. Doch Brüssel und Berlin wären gut beraten, den Konfrontationskurs zu überdenken. ( ... ) Viel spricht sogar dafür, dass dieser Druck von außen die Nationalkonservativen gestärkt hat. Ähnliche Trotzreaktionen lassen sich auch in Ungarn beobachten. (...) Vielleicht müssen wir tolerieren lernen, dass es bei Streitthemen wie Familie und Zuwanderung konträre Meinungen geben kann, ohne gleich emotional, ja hasserfüllt zu reagieren."