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Deutsche Zeitungen zu Merkel-Besuch in Chemnitz

Der Reutlinger General-Anzeiger schreibt: "Fünf Stunden war Merkel in der Stadt - als Geste und für einen ersten Meinungsaustausch. Die Kanzlerin zeigte Verständnis für die Empörung und die Aufregung. Das allein wird aber nicht reichen. Auch nicht, dass man rechtsradikale Umtriebe nicht dulden will und darf. Die Menschen wollen Sicherheit und Geborgenheit in ihrer Stadt."

Die Frankfurter Rundschau meint: "Überzeugender wäre es gewesen, wenn die Regierungschefin sich nicht so viel Zeit gelassen hätte, also nicht erst rund zwölf Wochen nach den Vorgängen an den Ort des Geschehens gekommen wäre. Das haben sich jedenfalls viele gewünscht."

Auch die Badische Zeitung aus Freiburg fragt: "(...) hätte Angela Merkel nicht viel früher nach Chemnitz fahren müssen, jener Stadt, in der Ende August ein Mann mutmaßlich von Asylbewerbern erstochen worden war? Man braucht sich nur die 'Merkel-muss weg'-Demos vom Freitag zu betrachten, um zu ahnen, welcher Krawall im Spätsommer losgebrochen wäre. (...) Raum für ein vernünftiges Gespräch wäre kaum gewesen."

Die Neue Osnabrücker Zeitung empfiehlt: "Wer ein Rezept gegen die wachsende Demokratieverdrossenheit sucht, sollte sich das Gespräch zwischen Chemnitzer Zeitungslesern und der Bundeskanzlerin ansehen. Ja, Merkel kam drei Monate zu spät. Nein, Geld oder schnelle Lösungen brachte sie nicht mit. Aber in einem für beide Seiten anstrengenden Austausch gelang es, den scheinbar unüberwindbaren Graben zwischen 'der Politik' und 'dem Bürger' nicht nur zu überbrücken. Da entwickelte sich sogar ein spannender und emotionaler Dialog. Dieses Gespräch erwies sich als Lehrstück bürgernaher Politik."

Die Freie Presse aus Chemnitz zieht in ihrer Internet-Ausgabe folgendes Fazit: "Die Diskussion (...) hat gezeigt, dass man sich hart streiten und trotzdem einen vernünftigen Ton pflegen kann. Die Debatte hat aber auch keinen Zweifel daran gelassen, wie groß der Graben bereits ist, der sich durch die Gesellschaft zieht. Die Teilnehmer (...) haben die Kanzlerin nicht geschont und damit ein authentisches Bild geliefert von der Stimmung in der Stadt. Sie haben das auf eine Art und Weise getan, die die Stadt vielleicht wieder etwas besser aussehen lässt. Zum anderen haben sie damit den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt gezeigt, dass die Debatte im Moment zwar schwierig, aber nicht unmöglich ist."

Zuletzt aktualisiert: 16. November 2018, 23:50 Uhr