Kommentar Agrarminister Schmidt und das Glyphosat

Der Haussegen hängt schief in der geschäftsführenden Bundesregierung. Der Alleingang von Landwirtschaftsminister Schmidt bei der Brüsseler Glyphosat-Abstimmung hat Nachwehen. Für SPD-Umweltministerin Hendricks ist der Konflikt noch nicht ausgeräumt. Auch wenn Schmidt versucht habe, sich zu entschuldigen und ihn die Kanzlerin gerügt hat. Die vertrackte Situation beschäftigt auch unseren Hauptstadtkorrespondenten Daniel Bauer in seinem Kommentar.

von Daniel Bauer, ARD-Hauptstadtkorrespondent

Da schau mal an – der Christian Schmidt! Während alle noch jammern, dass Deutschland gerade ach so handlungsunfähig ist, beweist der 60-jährige Mittelfranke mal eben das Gegenteil. Angeblich auf eigene Faust sorgt der CSU-Minister in Brüssel dafür, dass das umstrittene Pflanzengift Glyphosat weitere fünf Jahre erlaubt bleibt.

Unsichtbar im Fipronil-Skandal

Vorbei an allen Absprachen mit der SPD-Umweltministerin. Da finde ich es durchaus nachvollziehbar, dass die Genossen von so viel Eigeninitiative erstmal entsetzt sind. Und das noch von einem Agrarminister, der es sogar im Fipronil-Eier-Skandal geschafft hat, praktisch unsichtbar zu bleiben.

Schmidt war bisher der klassische Kabinetts-Hinterbänkler. Und ausgerechnet jetzt, wo sich Union und SPD doch eigentlich wieder lieb haben wollen, dreht er plötzlich sein großes Ding. Und stößt damit nicht nur die SPD, sondern auch die Kanzlerin vor den Kopf.

Die SPD hat nun ein Ass im Ärmel

Das ist schlechtes Timing. Das ist gegen die Geschäftsordnung der Bundesregierung. Und am Ende ist es wahrscheinlich sogar schlecht für die CSU. Heute freut sich zwar der bayerische Bauernverband, aber schon übermorgen muss man sich in Berlin ja wieder mit der SPD an den Tisch setzen - "Sondierungsgespräche" beim Bundespräsidenten.

Und die Sozialdemokraten haben dank Schmidt bei den Verhandlungen jetzt erstmal ein Ass im Ärmel. Das konnte man heute schon gut sehen. Am Rande des Diesel-Gipfels musste die Kanzlerin etwas kleinlaut einräumen, dass sich sowas wie bei Glyphosat nicht wiederholen dürfe. Sonst könne man nicht vertrauensvoll zusammenarbeiten.

Schmidt hat sich keinen Gefallen getan

Mit Christian Schmidt habe sie auch schon darüber gesprochen. Das darf man getrost als Rüge sehen! Ob das der SPD reicht ist aber fraglich. Parteivize Torsten Schäfer Gümbel hat schon klargestellt, dass er sich eine weitere Zusammenarbeit mit Schmidt nicht vorstellen kann. Letztlich entscheidet das zwar nicht die SPD, aber eins wird immer deutlicher: Der Agrarminister hat sich mit seiner einsamen Entscheidung keinen Gefallen getan. Was immer ihn auch dazu bewegt hat, es war ihm offensichtlich wichtiger.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im: Radio | 28.11.2017 | 20:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. November 2017, 19:14 Uhr

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3 Kommentare

29.11.2017 08:49 H.E. 3

Der Diesel ist krebserregend, aber anscheinend Glyphosat nicht, trotz Aussagen einiger wissenschaftlicher Großforschungseinrichtugnen, die nicht in der Nähe von CDU/CSU und der chemischen Industrie stehen. Außerdem wird natürlich an unser wichtigstes Lebensmittel auch nicht gedacht, nämlich an das Wasser. Anscheinend stört es den Bauernverband nicht, wenn das Grundwasser verunreinigt wird.
Und die verhält es sich mit dem C in dieser Partei. Christlich war dieses Verhalten absolut nicht.

28.11.2017 22:28 Reiner Wahnsinn 2

Vllt. hat Herr Schmidt auch nur bei Alt-BK G.Schröder (SPD) abgeschaut, und sich ein gut bezahltes Pöstchen in einem Aufsichtsrat gesichert. Die Zukunft wird´s zeigen.

28.11.2017 19:36 heribert54 1

Soll Schmidt das Zeug doch selbst zu sich nehmen, ist ja sooo gesund. Wichtig sind ja nur der Bräunungsgrad von Pommes u. co. Schönes Deutschland und noch schönere EU.