Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer
Annegret Kramp-Karrenbauer hat einen schlechten Start hingelegt, meint Tim Herden. Bildrechte: dpa

Unter der Lupe | Kolumne Der tragische Fall AKK

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat keinen guten Start. Ihr unterlaufen Fehler in der Kommunikation und nun hat sie auch noch das schlechte Wahlergebnis bei der Europawahl mitzuverantworten. In den eigenen Reihen wird es inzwischen einsam um die Frau aus dem Saarland.

von Tim Herden, Hauptstadtkorrespondent MDR AKTUELL

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer
Annegret Kramp-Karrenbauer hat einen schlechten Start hingelegt, meint Tim Herden. Bildrechte: dpa

In Saarbrücken ticken die Uhren anders. Wer dort Ministerpräsidentin ist, ist eine Art Königin. Der Hofstaat inklusive Opposition ist überschaubar, die Presselandschaft eher klein und man ist überall auf Du und Du.

Anders dagegen Berlin. Hier ist man selbst als CDU-Vorsitzende eine unter einigen Parteivorsitzenden. Hier ist manchmal nicht nur die Opposition gegen einen, sondern auch der eigene Koalitionspartner. Es gibt hunderte von Journalisten, die schon allein aus der Konkurrenz der Medien auf jeden Fehltritt lauern. Hat man dazu noch eine eigene Kanzlerin vor der Nase, ist man auch nur Kronprinzessin. Und das im Fall Annegret Kramp-Karrenbauer vielleicht auch nur auf Abruf.

Bruchlandung in Berlin

Annegret Kramp-Karrenbauer landet gerade in der Realität der Berliner Republik. Und es ist eine Bruchlandung. Sie verspielt ihren Kredit in den eigenen Reihen durch Stockfehler. Es sind längst nicht nur der unelegante Umgang mit dem Youtuber Rezo oder die zweifelhaften Äußerungen zur Meinungsfreiheit. Es mag vielleicht in Saarbrücken gehen, Journalisten auf Linie zu bringen. In Berlin geht es nicht.

Davor war da auch schon der zweifelhafte Auftritt als Putzfrau in der saarländischen Fastnacht mit zwielichtigen Anspielungen. Manchmal sollte man als Politiker einfach vorausdenken. Würde AKK wirklich Kanzlerin werden, woran ich allerdings ernste Zweifel habe, werden wir diese Szene wieder hervorholen. Die deutsche Kanzlerin als Putzfrau verkleidet. Europa hat sicher lange nicht so gelacht. Ich würde mich dafür schämen. Jedenfalls habe ich weder Adenauer, Schmidt, Kohl, Schröder oder Merkel in solch alberner Aufmachung erlebt.

Verantwortlich für schlechtes Wahlergebnis

Doch der eigentliche Schaden ist das Wahlergebnis bei der Wahl zum Europäischen Parlament. Kramp-Karrenbauer hat die Schallmauer nach unten durchbrochen. Die CDU unter 30 Prozent! In Ostdeutschland, in Sachsen und Brandenburg nur zweitstärkste Partei hinter der AfD!

Vieles erinnert an das Scheitern des einstigen SPD-Vorsitzenden Kurt Beck, damals zugleich Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz. Er erlebte, was Kramp-Karrenbauer jetzt droht: der langsame Abstieg.

Den Weg bereiten nicht die Medien, auch wenn ihnen gern die Schuld zugeschrieben wird. Den Weg bereiten die eigenen Parteifreunde. Die Medien greifen nur die leisen Sticheleien in Hinterzimmern auf. Sie transportieren die bösartigen Zitate aus der zweiten und dann auch aus der ersten Reihe der eigenen Partei. Es heißt nicht umsonst, die Steigerung von Feind ist Parteifreund. Und Kramp-Karrenbauer hat mächtige Feinde.

Laschet contra AKK

Kanzler wollen auch andere werden. Zum Beispiel Armin Laschet, Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen. Er widersprach Kramp-Karrenbauer bei ihrer Ablehnung einer CO2-Steuer. Damit kann er sich nun als Vorkämpfer für den Klimaschutz darstellen.

Armin Laschet, Ministerpräsident NRW
Armin Laschet Bildrechte: dpa

Laschet blockierte auch das Antwort-Video auf den Youtube-Auftritt von Rezo. Diese Nachricht, durchgestochen an die Presse, ließ Kramp-Karrenbauer geradezu hilflos wirken. Und Laschet hat die größte Hausmacht hinter sich, den größten CDU-Landesverband. Im Vergleich dazu wirkt Kramp-Karrenbauers Hausmacht im Saarland wie ein Ortsverband.

In Ostdeutschland ist man wenig erfreut über die Blockade der Grundrente durch die CDU-Führung, weil gerade hier viele durch die gebrochenen Erwerbsbiografien davon profitieren würden. Gehen die Wahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen verloren, wird das auch bei Kramp-Karrenbauer abgeladen. Zudem fehlt der Parteizentrale in Berlin weiter eine Strategie im Umgang mit der AfD. Da gibt es nur das Prinzip Hoffnung. Es möge nicht so schlimm kommen, dass eine Debatte über Koalitionen mit der AfD entsteht. 

Kein Beistand von Merkel

Und dann ist da noch die Kanzlerin. Angela Merkel sucht immer mehr den größten Abstand zum Konrad-Adenauer-Haus und der Chefin dort. Merkel regiert nicht mehr. Sie präsidiert. Merkel hat Kramp-Karrenbauer ausgesucht, weil sie jemanden neben sich haben wollte, der ihrem Glanz nicht schadet. Und so lässt sie ihre Nachfolgerin als Parteivorsitzende nun auch im Regen stehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt zu dem EU-Sondergipfel mit EU-Kollegen zur neuen Führung der Europäischen Union.
Das Wahlergebnis wird nicht Merkel, sondern AKK angelastet. Bildrechte: dpa

Nur mit Verspätung und auf Nachfrage ein kurzes Wort nach dem Wahlsonntag, aber kein wirklicher Beistand. Merkel hat auch keinen Platz für ihre Nachfolgerin als CDU-Vorsitzende in der Bundesregierung. Und Kramp-Karrenbauer so keine Fläche für eine Profilierung. Auch das erinnert an vergangene Zeiten. Helmut Kohl hatte Wolfgang Schäuble schon zu seinem Nachfolger als Kanzlerkandidat ausgerufen und war dann 1998 doch wieder selbst angetreten. Ich würde nicht die Möglichkeit ausschließen, dass sich auch Merkel nun für unersetzlich hält und dann ihre Entscheidung, nicht wieder anzutreten, gern umkehren würde. Ein gutes Argument: Nur 38 Prozent der eigenen CDU-Anhänger wollen AKK als Kanzlerin. Kein guter Wert.

Menschlich ist das drohende Schicksal von Kramp-Karrenbauer eine Tragik. Sie hat viel aufgegeben für den Job in Berlin. Aber Politik hat oft nichts Menschliches. Sie ist ein hartes Geschäft und daran Gescheiterte pflastern ihren Weg. Ich jedenfalls würde nicht darauf wetten, dass Kramp-Karrenbauer die nächste Kanzlerkandidatin der Union wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 28. Mai 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Mai 2019, 06:00 Uhr

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51 Kommentare

31.05.2019 21:17 Sabrina 51

Sehr geehrter Herr Kommentator.

Sie haben den Flugzeugträger vergessen, für den sich AKK stark gemacht hat. Man muss schließlich die Prioritäten anhand der drängendsten Probleme der Bevölkerung ordnen - und dass sind Arbeitsplätze im Bombenbau.

Hauptsache Arbeit !

Das kommt dann beim nächsten Gaststättenbesuch auf die Speisekarte.

31.05.2019 19:20 jochen 50

Alles, was die alte anfasst, geht bekanntlich schief.
Von Wulff bis Asyl bis E-Wende bis AKK.
Es ist alles ein einziger Reinfall.
Zeit für ihren Abgang

31.05.2019 18:47 Rentner H. 49

Frau Merkel sollte sich schämen,sie läßt sich feiern u.Frau K.K. bekommt den ganzen Frust ab,für Dinge für die Frau Merkel zur Verantwortung gezogen werden sollte.....das ist total mies..

31.05.2019 16:58 Carola 48

Stimmt im Saarland ist man an Politiker näher dran .
Was um zu trauiger ist......
Man hat die nähe und doch, wenn es um wochtige Dinge geht und es nicht in ihr Plan passt wird sehrschnell das Blatt gewendet.
Die halten zusammen wie Pech und Schwefel.
Ich freue mich schon auf ein paar Wahrheiten. Bin mal gespannt wie sie sich dann äussern.

31.05.2019 16:28 Sabine Sonntag 47

Toll, wie die medien einen abservieren können. Nur Merkel darf alles machen und wird bejubelt. Vielleicht, weil M tut, was die medien wollen? Wer aber will, was die Medien wollen?

31.05.2019 14:16 Angelika Winter 46

Putzfrau ist ein ehrenwerter Beruf. An der Verkleidung darf man sich nicht abarbeiten. Aber was sie gesagt hat, wie abwärtend sie über schwule, lesbische,transsexuelle etc. Menschen
spricht DAS ist unterste Schublade.

31.05.2019 10:28 Bingo 45

AKK, hat nie Karre schon festgefahren,ja hätte man lieber Merz genommen,hätte hätte, Fahradkette.....

31.05.2019 10:26 Thomas 44

Das unwitzige daran ist; Die Frau legt sich selber die Steine in den Weg, über die Sie dann noch stolbert
Natürlich sind immer die anderen Schuld, Gott macht keine Fehler

31.05.2019 09:53 nasowasaberauch 43

Da hat sich der CDU Parteitag mit AKK wohl verwählt. So gesehen sind die Stimmenverluste der CDU der gesamten Partei wegen ihrer Mutlosigkeit anzulasten. Sie hat mit AKK das Weiterso gewählt und die Cance vertan einen konservativeren Kurs einzuschlagen. Der CDU ist durch diesen Blogger blaue Locke die Gelassenheit abhanden gekommen. Dieses Gelaber ohne in der Verantwortung zu stehen müsste normal ganz einfach zu entkräften sein. Stattdessen versucht man sich auf diese stillose Ebene zu begeben. Einen Phrasenwust lieferte gestern die Sendung von Illner. Der einzige brauchbare Beitrag kam von Diana Kinnert. Sie stellte richtig fest, wir haben ein globales Problem, das Deutschland allein nicht lösen kann.

31.05.2019 08:54 Werner 42

Argument von AKK, als Begründung für ihre vom Hype getroffene Aussage: "wäre eigentlich in diesem Land los, wenn eine Reihe von sagen wir mal 70 Zeitungsredaktionen zwei Tage vor der Wahl erklärt hätten: Wir machen einen gemeinsamen Aufruf, wählt bitte nicht CDU und SPD. Das wäre klare Meinungsmache vor der Wahl gewesen."
JA, das wäre eine riesengroße Schweinerei "gegen uns", synchrone Meinungsmache aus ewiggestrigen Netzwerken übelster Sorte, und mit Ignorieren und "mit Füßen treten" des GG, "Rechtsstaat" und "unserer Demokratie", ein riesiges Komplott "gegen uns". Sowieso gegen "unsere Werte", die man, mal mit ganzganzviel Hype, und mal kaum, auch in Ländern "beschreibt", "in denen die Menschenrechte NICHT IMMER eingehalten werden" (Begründung "Tagesschau" für Waffen nach Saudi-Arabien). Erinnerung an "Aktionen" gegen die Linkspartei = vor 10 Jahren noch die Störenfriede.