Palast der Republik, 1986
Palast der Republik, 1986 Bildrechte: dpa

Unter der Lupe | Kolumne Palast der Republik - Was weg ist, ist weg!

Der Palast der Republik wird nach seinem Abriss zur Stilikone. Die Lebensleistung der Ostdeutschen soll mehr gewürdigt werden. Eine Kommission plant ein Jubiläumsjahr zwischen 30 Jahren Mauerfall und Deutscher Einheit. Durch eine neue Erinnerungskultur soll den Ostdeutschen und ihren Lebenswegen mehr Anerkennung widerfahren. Aber manches kommt einfach zu spät.

von Tim Herden, Hauptstadtkorrespondent MDR AKTUELL

Palast der Republik, 1986
Palast der Republik, 1986 Bildrechte: dpa

"Was weg ist, ist weg. Was bleibt ist die Erinnerung." Zwei Sätze von Hartmut Dorgeloh, Generalintendant der Stiftung Humboldtforum, aus dieser Woche. Es ging dabei um den Palast der Republik. Vielmehr um die letzten Dinge, die von ihm geblieben sind. Einige davon, Teller, Eisbecher, Stühle, Anzeigetafeln, sollen ab Ende 2020 als sogenannte "Spuren" im Humboldtforum ausgestellt werden und an den Palast erinnern.

Der Name Humboldtforum ist die freundliche Umschreibung für das wiedererbaute Berliner Stadtschloss. Vielleicht schämt man sich ein wenig, in einer hippen Stadt wie Berlin so nostalgisch zu sein und alte Schlösser wiedererstehen zu lassen. Jedenfalls wurde zu Gunsten des Schlosses der Palast vor mehr als zehn Jahren ausgelöscht oder was damals noch stand.

Palast der Republik während des Abrisses
Der Palast der Republik in Berlin während des Abrisses. Bildrechte: Tim Herden

Dorgeloh scheint kein Anhänger dieser "Bilderstürmerei" gewesen zu sein, denn er glaubt, "dass es heute eine viel größere Diskussion geben würde, wenn man noch mal vor der Frage stehen würde, ob man den Palast abreißt". Er ist sich auch nicht sicher, "ob es zu dem gleichen Ergebnis käme." Es würde nicht mehr so ideologisch gesehen.

Abgerissener Palast nun eine Stilikone

Die Einsicht kommt zu spät. Was weg ist, ist weg. Nun steht an der Stelle des Palastes der moderne Ostflügel des Humboldtforums. Ein Neubau mit schmalen Fenstern. Der Berliner hat sie schon als "Schießscharten" getauft. Ein sehr schlichter architektonischer Entwurf. Da hatte der Palast doch mehr zu bieten. Er gilt mittlerweile als Designikone, weil "das besondere war, dass er einem ganz bestimmten Prinzip unterworfen war, vom Bierdeckel bis zur Lampe, vom Tischtuch bis zu den Möbeln", schwärmt Alfred Hagemann, Kunsthistoriker des Humboldtforums. Das suche seinesgleichen. Doch es gilt: Was weg ist, ist weg.

Das Besondere war, dass er einem ganz bestimmten Prinzip unterworfen war, vom Bierdeckel bis zur Lampe.

Alfred Hagemann Kunsthistoriker Humboldtforum

Nun könnte man den Palast der Republik gut gebrauchen. Denn Erinnerung ist plötzlich wichtig. Die Ostdeutschen sollen sich erinnern an ihr Leben vor und während der Wende sowie nach der Einheit und an ihre Lebensleistung soll erinnert werden. Da würde der Palast gut als Erinnerungsstätte herhalten und man müsste nicht, wie Matthias Platzeck es vorgeschlagen hat, ein Dokumentationszentrum für den DDR-Alltag errichten. Aber was weg ist, ist weg.

Der Palast der Republik

Der Palast der Republik wurde 1976 eröffnet. 1990 wurde er wegen Asbestverseuchung geschlossen und ab 2006 abgerissen.

Die Bildkombo zeigt den ehemaligen Palast der Republik in Berlin während des Aufbaus etwa im Jahre 1974 (Archivfoto, l.o.), zur Eröffnung des Hauses im Jahr 1976 (r.o.), während der Abrissarbeiten im Jahr 2007 (l.u.) und nach den Abrissarbeiten am Donnerstag (05.02.2009).
Am 18. November 1974 wurde das Richtfest gefeiert. "Der Palast der Republik wird ein Haus des Volkes sein, eine Stätte regen politischen und geistig-kulturellen Lebens", versprach Staats- und Parteichef Erich Honecker damals. Bildrechte: dpa
Die Bildkombo zeigt den ehemaligen Palast der Republik in Berlin während des Aufbaus etwa im Jahre 1974 (Archivfoto, l.o.), zur Eröffnung des Hauses im Jahr 1976 (r.o.), während der Abrissarbeiten im Jahr 2007 (l.u.) und nach den Abrissarbeiten am Donnerstag (05.02.2009).
Am 18. November 1974 wurde das Richtfest gefeiert. "Der Palast der Republik wird ein Haus des Volkes sein, eine Stätte regen politischen und geistig-kulturellen Lebens", versprach Staats- und Parteichef Erich Honecker damals. Bildrechte: dpa
Ein Arbeiter säubert den Schriftzug Volkskammer am Eingang zum Sitz des Gremiums im Palast der Republik
Der kleine Saal des Palastes der Republik diente als Sitz der Volkskammer, dem Parlament der DDR. Bildrechte: dpa
Junge Leute im Foyer im Palast der Republik in Berlin, aufgenommen 1978.
Im öffentlichen Bereich des Palastes gab es eine Bowlingbahn, eine Diskothek und ein Dutzend Restaurants, Cafés und Nachtbars. Bildrechte: dpa
Das XI. Parlament des DDR-Jugendverbandes FDJ 1981 im Palast der Republik.
Am 2. Juni 1981 wurde im Palast der Republik das XI. Parlament des DDR-Jugendverbandes FDJ eröffnet. Bildrechte: dpa
Palast der Republik 1990
Am 19. September 1990, 14 Tage vor der deutschen Vereinigung, verfügte die Volkskammer im Vorgriff auf bundesdeutsche Sicherheitsnormen die Schließung der eigenen Tagungsstätte. Der Palast sollte nie wieder geöffnet werden. Bildrechte: imago/Detlev Konnerth
Rückbau des Palastes der Republik in Berlin.
Ende Januar 2006 rückten die Abrissbrigaden an, obwohl zwei Drittel der gesamtdeutschen Bevölkerung sich für den Erhalt des Bauwerks aussprachen. Der Stahl des Palastes wurde abtransportiert und unter anderem im höchsten Gebäude der Welt - dem "Burj Chalifa" in Dubai - verbaut. Bildrechte: imago/Christian Thiel
Blick vom Humboldt-Forum
Blick vom Humboldt-Forum, dem früheren Standort des Palastes der Republik, auf den Berliner Fernsehturm, aufgenommen am 20.04.2010.
(Über dieses Thema berichtet MDR Zeitreise auch im TV: 09.10.2018 | 21:15 Uhr.)
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Jubiläums-Kommission fehlt politische Ausgewogenheit

Mittlerweile gibt es sogar eine Kommission, die für diese neue ostdeutsche Erinnerungskultur ein Programm entwickeln soll. Es soll dann zwischen dem 30. Jahrestag des Mauerfalls und dem 30. Jahrestag der Deutschen Einheit abgespult werden.

Allerdings gibt es einen Geburtsfehler. Ihr gehören neben Künstlern, Wissenschaftlern und Historiker nur Politiker aus CDU und SPD an. Doch Ostdeutsche, die ihre Lebensleistung nicht gewürdigt fühlen, sind traditionell eher bei der Linken zu finden. Auch für die Grünen war kein Platz, obwohl Bürgerrechtler aus ihren Reihen die Wende in der DDR mit vorbereitet haben und die Partei mit ihrem Namen "Bündnis90/Die Grünen" noch daran erinnert.

Tim Herden
Unser Hauptstadtkorrespondent Tim Herden kommentiert das Berliner Politikgeschäft. Bildrechte: MDR

Auch an der versprochenen Offenheit der Debatte zweifle ich. Schon in der ersten Pressekonferenz der Kommission wurde der Vorsitzende Matthias Platzeck für sein Abstimmungsverhalten in der Volkskammer beim Beitrittsgesetz attackiert. Platzeck räumte unumwunden ein, dass er gegen einen Beitritt war und schon wird seine Eignung in Frage gestellt. Aber gehören nicht zur Erinnerung an die Jahre 1989 und 1990 auch die verschiedenen politischen Visionen für die ostdeutsche und gesamtdeutsche Zukunft, die es damals gab?

Gleiche Sprache, unterschiedliche Sichten

Hier zeigt sich auch ein Grundproblem mit der ostdeutschen Erinnerung, besonders im westdeutschen Spiegelbild. Schnell wird die Erinnerung als Ostalgie und Jammerei abgetan. Dabei möchten die Ostdeutschen nur, dass ihre Ansichten akzeptiert werden, auch wenn sie von den westdeutschen abweichen. Sachsens SPD-Chef Martin Dulig hat diesen Konflikt zwischen Ost und West schön in dem Satz zusammengefasst: "Weil wir die gleiche Sprache sprechen, müssen wir nicht gleich denken."

Finanzielle Würdigung der Lebensleistung Ostdeutscher stockt                

Erinnert und zugleich gewürdigt werden soll auch an die erbrachte Lebensleistung der Ostdeutschen. Aber wie würdigt man eine Lebensleistung? Eine einfache Antwort: Mit Geld. Schon da tut sich die Bundesregierung schwer. Zwar soll es laut Koalitionsvertrag einen Härtefallfonds für ostdeutsche Berufs- und Personengruppen geben, die bei der Rente benachteiligt wurden, wie Bergleute, Reichsbahner, geschiedene Frauen.

Bisher gibt es nur eine Arbeitsgruppe, aber keine Entscheidung. Dafür gibt es eine demographische Lösung. Von den einst 700.000 geschiedenen Frauen, von denen viele nur Grundsicherung erhalten, weil ihnen Rentenpunkte durch Kindererziehung fehlen, leben nur noch 350.000. Gilt auch hier, was weg ist, ist weg?

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Fernsehen | 19. Mai 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2019, 05:00 Uhr

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26 Kommentare

18.05.2019 22:03 gerd 26

Ja man hätte ihn erhalten sollen ,er wäre heute ein absoluter Touristenmagnet bin ich mir sicher mit dem Ostdeutschen 70 Jahre Charme als Museum und Austellungsgebäude würde er diesem Stadtschloss was nicht mal so heisst den Rang ablaufen aber ,die Erinnerung sollte getilgt werden bin kein grosser Freund der ehemaligen DDR aber diese Gebäude hatte was .

18.05.2019 20:10 Fragender Rentner 25

@Peter zu 18

Du hast die Uhr auf dem Alex in Berlin vergessen.

18.05.2019 20:01 Achim P. 24

Der Abriss war von einer Minderheit politisch gewollt, eine große Mehrheit im Westen hatte wegen Desinformation und Desinteresse keine Ahnung von der Bedeutung des Palastes. Auch wenn dort zuletzt die DDR-Volkskammer saß … Aber auch die erste neu gewählte, demokratische.
1945 wollten deutsche Kommunisten das Kyffhäuserdenkmal sprengen. Ein russischer Kulturoffizier soll dies verhindert und gesagt haben: "Ihr Deutschen müsst lernen, mit Eurer Geschichte zu leben."
Schade, dass es vor zehn Jahren keinen amerikanischen Offizier dieses Schlags gab …

Las but not least: Herr Zieschong fragte 1994 am abgebrannten Weihnachtsbaum seine Nachbarin Ilse Bähnert: "Wissen Sie, wann die Deutsche Einheit vollendet sein wird?" - "Nö" - "Wenn der letzte Ostdeutsche aus dem Grundbuch gelöscht ist."

18.05.2019 17:40 winfried 23

Ist mir erst jetzt eingefallen ...
die österreichische Band "Erste Allgemeine Verunsicherung"(EAV).
Die hat mal den Song "Es steht ein Haus in Ostberlin" herausgebracht. Im Internet verfügbar.
Ich finde, Titel und Text passen irgendwie zum Artikel.

18.05.2019 15:20 Manni 22

Was soll das Herr Herden?

Es ist jedem Ostdeutschem seit fast 30 Jahren klar, das Ostdeutschland nur ein Protektorat des Westens ist. Jegliche Erinnerung an ostdeutsche Sozialisierung wurde und wird getilgt und muss getilgt werden. Gauck, Thierse und andere haben dabei kräftig mitgeholfen. Alles was vom Osten blieb wurde von Westdeutschen unter Nützlichkeitserwägungen abgewogen. Ob die Ostdeutschen das nun wollten oder nicht, sie wurden wie in jeder deutschen Diktatur NICHT GEFRAGT!

18.05.2019 15:07 Gerd Müller 21

jaaaaa 18-19 stimmt LE hatte kluge Leute die vom und für Volk geschaffenes vorm Wendeabriss bewahrten und heute Thüringen mit christlichem Linken Bodo Ramelow regieren.
# 16 Daumen hoch oder hast den Abriss geleitet

18.05.2019 14:48 Palast Abriß war falsch 20

Mich wunderts, das die noch nicht den Berliner Fernsehturm abgerissen haben, den hatte ja Walter Ulbricht bauen lassen. Nichts soll an die DDR erinnern, schon gar nicht der ehemalige schöne Palast der Republik, wo viele Besucher von überall her kamen um ihn zu besuchen um schöne Stunden da zu erleben.

18.05.2019 14:10 part 19

Der Palast war ein DDR- Symbol und Sitz der letzten Volkskammer, so etwas musste man vernichten. Die Asbestbelastung war nur ein vorgeschobenner Grund, wobei im Westen heute noch viele Gebäude nur saniert wurden. Millionen wurden für den Abriss verschwendet und Millionen werden nun verschwendet um die Erinnerung an die Hohenzollernherrschaft wieder aufleben zu lassen.

18.05.2019 13:40 Peter 18

@7 Alice Merkur: "Leider musste alles, was die DDR geschaffen hat."
Sie sind ganz schlecht informiert.
Ein Blick nach Leipzig genügt. Zum Beispiel: Gewandhaus, Oper, Ringbebauung, Hauptpost, Uni-Hochhaus, Pusteblumen auf dem Richard-Wagner-Platz. Alles zu DDR-Zeiten errichtet. Alles unter Denkmalschutz. Alles inzwischen saniert.

18.05.2019 13:08 Sonja 17

@ 9 , vollkommend richtig das war die DDR,
leider ! all das gibt es jetzt nicht mehr zum größten teil außer Ellbogenfreiheit und nur noch sein nächster .