Screenshot des TV-Duellls zwischen der Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzenden Angela Merkel und dem SPD-Kanzlerkandidaten und SPD-Vorsitzenden Martin Schulz am 03.09.2017 in Berlin
Die meisten Zuschauer fanden Schulz angriffslustiger, Merkel aber kompetenter. Bildrechte: dpa

Nach dem TV-Duell Zuschauer sehen Merkel vor Schulz

Das TV-Duell hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Zuschauer-Umfragen zufolge für sich entschieden. Zwar zeigte sich Herausforderer Martin Schulz angriffslustig, doch dominierte Einigkeit in vielen Bereichen den ersten und einzigen Schlagabtausch im Fernsehen. Die Opposition kritisiert das Duell als belanglos.

Screenshot des TV-Duellls zwischen der Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzenden Angela Merkel und dem SPD-Kanzlerkandidaten und SPD-Vorsitzenden Martin Schulz am 03.09.2017 in Berlin
Die meisten Zuschauer fanden Schulz angriffslustiger, Merkel aber kompetenter. Bildrechte: dpa

Beim ersten und einzigen Fernseh-Duell hat Kanzlerin Angela Merkel bei den Zuschauern punkten können. Dabei waren die Umfrageergebnisse allerdings sehr unterschiedlich. Für die ARD ermittelte Infratest Dimap eine Zustimmungsquote von 55 Prozent für Merkel. 35 Prozent fanden SPD-Chef Martin Schulz überzeugender.

Im ZDF war es viel knapper: Hier kam die Kanzlerin auf 32 Prozent Zustimmung, Schulz auf 29 Prozent. 39 Prozent der Befragten waren unentschieden. Die Forschungsgruppe Wahlen sprach sogar von einem "Patt".

Kauder: Wahl ist noch nicht entschieden

Union und SPD erklärten jeweils ihren eigenen Kandidaten zum Sieger. Merkel sei überzeugend und die Gewinnerin, twitterte etwa Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU). Unionsfraktionschef Volker Kauder erklärte, CDU und CSU gingen nun mit großer Zuversicht in den Schlussspurt. Angesichts der Umfragewerte erklärte Kauder, die Wahl werde jedoch nicht in einem TV-Duell entschieden.

Bundesaußenminister Gabriel (SPD) sah das auf Twitter anders und gratulierte seinem Parteikollegen, nachdem dieser punkten konnte: "Glückwunsch, Martin!". Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) begrüßte das Auftreten von Schulz. Er habe Mut gemacht. Das werde der Partei Rückenwind geben. Schulz sei überzeugend und leidenschaftlich gewesen.

Einigkeit in vielen Bereichen

Schulz hatte Merkel zwar bei Themen wie Flüchtlingspolitik oder soziale Gerechtigkeit angegriffen. Doch in vielen Bereichen zeigten sich beide einig. Beide versprachen im Falle eines Wahlsiegs eine harte Linie gegen den türkischen Machthaber Erdogan. Zudem wollen sie sich in der EU dafür einzusetzen, die Beitrittsverhandlungen mit Ankara abzubrechen. In der Flüchtlingspolitik lehnten beide Kandidaten eine Abschottung Deutschlands ab. Sie sprachen sich aber dafür aus, die Zuwanderung gesetzlich zu regeln. Beide lehnten Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge ab.

Linke: Schulz bietet sich als Juniorpartner an

Die Opposition kritisierte das Fernsehduell heftig. Linken-Spitzenkandidat Dietmar Bartsch sprach von einem "großkoalitionären Therapiegespräch" und einer "kaum erträglichen Merkel-Schul-Konsens-Soße". Er hielt Schulz vor, nach der Wahl eine Fortsetzung von Schwarz-Rot als Juniorpartner mittragen zu wollen.

Grünen-Chef Cem Özdemir und FDP-Chef Christian Lindner bemängelten, dass wichtige Zukunftsthemen wie Klima, Bildung und Digitalisierung nicht thematisiert wurden.

AfD-Chefin Frauke Petry sagte, trotz überraschend kritischer Fragen der Journalisten habe sie noch nie so viel Oberflächliches und Belangloses am Stück gehört.

Experte: Mehr Parallelslalom als Duell

Der Medienwissenschaftler Bernd Gäbler hält das Format des TV-Duells für überholt und sprach von einer leblosen, überraschungsfreien Sendung. Fast alle wichtigen Zukunftsfragen, vor denen Deutschland stehe, seien ausgeklammert worden. Dies war mehr Parallelslalom als Duell, sagte Gäbler.

In diesem Nebeneinander demonstrierten die Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Herausforderer Martin Schulz inhaltlich eigentlich nur, dass eine große Koalition jederzeit wieder möglich ist.

Weniger Zuschauer als 2013

Mehr als 16 Millionen Zuschauer haben am Sonntagabend das TV-Duell verfolgt, das bei fünf Sendern gleichzeitig zu sehen war. Nach dpa-Berechnungen entspricht das einem Marktanteil von rund 46 Prozent und damit fast der Hälfte aller Fernsehzuschauer. Damit stieß der Schlagabtausch zwischen Merkel und Schulz auf deutlich weniger Interesse als das TV-Duell zwischen SPD-Kandidat Peer Steinbrück und Merkel bei der Bundestagswahl 2013, das 17, 6 Millionen sehen wollten.

An diesem Montagabend treffen die Spitzenkandidaten von Linke, Grünen, AfD, FDP und CSU zur besten Sendezeit in der ARD aufeinander zum "TV-Fünfkampf".

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 04.09.2017 | 6 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2017, 08:35 Uhr

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51 Kommentare

06.09.2017 12:34 Wessi 51

@ 50 wo habe ich das gesagt? Selbst hier nicht.Das "highlight" für uns im Politischen ist die Wahl als Solches.GroKo ist dann noch allemal besser als AfD,Schwarz/Gelb.Wie Merkel+andere richtig sagten hat man einiges fürs Volk auf den Weg gebracht.Die SPD hat ihr Verhinderung von vielem anderen vorgeworfen.Zum Beispiel ist sie Schuld am "zahnlosen Tiger" der Mietpreisbremse.

05.09.2017 01:25 Buergerx 50

Ich höre diesen Demokratie spielenden Schwätzern gar nicht mehr zu. Für unseren Forenkenner, Wessi, scheint es ja das Highlight des Jahres zu sein.

05.09.2017 22:04 ilse 49

Einheitspartei? Nein ich will kein" weiter so". Deshalb wähle ich ALTERNATIV

05.09.2017 21:31 Bernd 48

Leider wiederholen sich diese Worte mittlerweile seit Monaten und sogar schon Jahren. Wir sind in einer Situation angekommen, wo es keine wirklichen Alternativen zu wählen gibt. Jeder der beiden und ihrer Funktionäre will die Macht und das System erhalten. Es gleicht einer Ohnmacht. In anderen Ländern sind die Regierungschef auf zwei Amtszeiten begrenzt, in Deutschland scheinbar ungewollt. Keine wirklicher Widerstand gegen die Missstände in diesem Land, keine Notwendigkeit etwas zu ändern. Leiharbeit, hohe Steuerbelastungen, Bürokratismus, wachsender Einfluss der Konzerne, Missmanagement bei größeren Projekten aller Art, Verarmung der Kommunen, der Verfall des Bildungssystems, überforderte Polizeikräfte, .... Themen die weiter und weiter geschoben werden. Es gibt keine Lösung der Politik. Glauben die Politiker wirklich, dass man so Demokratie und den Sozialstaat aufrecht erhalten kann? Politik muss selbstlos zum Wohle des Volkes sein. Es scheinen keine guten Zeiten zu kommen.

05.09.2017 18:17 der Uwe 47

Ich denke mal, jeder ,der hier mit dem Gedanken spielt Fr. Merkel wieder in den Sattel zu heben, der sollte sich mal ihre Rede vom 13.09.2002 anschauen , und sich selber fragen ob oder warum er/Sie nicht dazumal dagegen protestiert hat, gegen diesen Auftritt. Das wäre auch mal ein Thema für Illner , Maischberger & Co....

05.09.2017 12:41 Wessi 46

@ 40+42 Provokation voll geglückt,biertischernst wird zurückgepostet.Danke für den Empfangsbescheid.Herr Oettinger ist tatsächlich eine Peinlichkeit.Aber was Gauland anbelangt?Gegen den läuft ein Anfangsverdacht+Strafantrag wg. "Volksverhetzung".Meist habe ich mit Kahrs Meinung Probleme, aber wo er Recht hat,hat er Recht.Wenn nun jemand anderer sein Recht auf Beleidigungsklage nicht wahr nimmt,ist das nicht d.Problem von Kahrs.Die deutschen Wähler sind eben sehr klug+wählen mehrheitlich Schulz od.Merkel...od.will irgendjemand die Intelligenz des eigenen Volkes bestreiten?Die sogen. "Alternativen" werden sich nach d.Sept. in Kleinkrieg zw.Petry/Pretzell+Gauland/Höcke zerspalten.Auch das wissen die WählerInnen.

05.09.2017 12:38 h2o 45

Quelle kronenzeitung: Merkel: "Weil meine Zeit so gut wie vorbei ist.

05.09.2017 11:35 D.o.M. 44

@Werner 42, schön aufgezählt, die Entsorgungsbeispiele. Das wird aber den Kollegen Wessi ( und einige andere) nicht interessieren, da ER hier bestimmt und festlegen darf, wer wem gegenüber welche Aussprüche zu tolerieren hat. Und die lautesten Toleranzbrüller sind erfahrungsgemäß die mit dem schmalsten eigenen Toleranzband

05.09.2017 10:01 D.o.M. 43

Ich habe zur fraglichen Zeit Briefkästen alternativ beflyert. Und ich ärgere mich darüber, denn die beiden scheinen mir die Show gestohlen zu haben. Viel effektiver als Wahlkampfhilfe scheint deren Diskurs gewesen zu sein als 1000 meiner Faltblättchen.

05.09.2017 09:34 Werner 42

@16:43 Wessi 36: "..blubbern Sie dagegen... Verfassungsbrecher sind vorallem mutmaßliche Volksverhetzer die anständige Mitbürger mit Migrationshintergrund nach anatolien "entsorgen" wollen."
Kleine geblubberte Verwechslung der Personen und Anatolien mit Brüssel? "Zeit Online" 18.09.14: "Als Oettinger vor viereinhalb Jahren Energiekommissar wurde, hieß es, der Mann könne kein Englisch, habe von Energiepolitik keine Ahnung, und Merkel wolle ihn bei der Brüsseler EU-Kommission entsorgen."
Schreck lass nach- ausgerechnet Kanzlerin Merkel als "mutmaßliche" Dingsda. Johannes Kars von der SPD wollte sogar die Kanzlerin Merkel "entsorgen". Vielleicht ist der BT bald leer, wenn sich alle gegenseitig "entsorgen"? Auf jeden Fall sind Alle ausgesprochen "nett" zueinander. Herr Kars hat nachgelegt: „Dieser Gauland ist ein mieser, dreckiger Hetzer. Solche Arschlöcher braucht niemand.“ Eigentlich Hatespeech, aber "Ardingsda" hat es maassvoll durchgehen lassen, weil er ein Guter ist.

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