Lupe und Rotstift über der Zeitungsrubrik Wohnraumvermietungen
Bildrechte: IMAGO

Studie zu Neubauten Neubaumieten zu teuer für Normalverdiener

Millionen Haushalte in Deutschland können sich keine Neubaumiete leisten. Nicht nur die großen Städte sind davon betroffen, auch in mittelgroßen Städten verschärft sich die Situation. Eine interaktive Karte zeigt, wie teuer das Mieten in Städten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist.

von Wiebke Schindler, MDR AKTUELL

Lupe und Rotstift über der Zeitungsrubrik Wohnraumvermietungen
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Mieten in Großstädten sind teuer. Eine Neubauwohnung zu mieten ist für Millionen Haushalte in Deutschland schlicht nicht bezahlbar. Das hat eine Studie ergeben, die vom ARD-Magazin Panorama in Auftrag gegeben wurde.

Der Bauboom in Großstädten hält an. Nur: Viele Haushalte müssten mehr als 27 Prozent ihres Nettoeinkommen ausgeben, um sich die Miete einer Neubauwohnung leisten zu können. Großstädte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen machen da keine Ausnahme zum restlichen Bundesdurchschnitt. Und auch in mittelgroßen Städte wie Jena, Gotha oder Halle sind die Neubaumieten teuer. Ein Durchschnittshaushalt in Leipzig oder Jena kann sich 90 Prozent der Wohnungen, die dort gebaut werden, nicht leisten.

Es ist das altbekannte Problem von Angebot und Nachfrage. Gerade in Großstädten ist die Nachfrage groß, das Angebot gering. Ein weiterer Faktor ist laut Dieter Rink vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig das Einkommen, das sich seit Jahren eher moderat entwickle. Dagegen seien die Immobilienpreise davon völlig entkoppelt.

Und dann passiert Folgendes: Erst werden Bewohner vom Stadtzentrum an den Stadtrand verdrängt. Und wenn sie sich den Stadtrand nicht mehr leisten können, müssen sie ins Umland ziehen. Das ist eine Entwicklung die es auch in ostdeutschen Städten gibt wie Leipzig oder Jena.

Dieter Rink Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig

Dass Leute aus ihrer Stadt ziehen müssen, sei der völlig falsche Ansatz, so Anke Matejka vom Mieterverein Leipzig. "Der Leipziger will in seiner Stadt bleiben. Davon hängt alles ab: Die Arbeit, das soziale Umfeld." Sie fordert deshalb, dass Baukosten gesenkt werden, damit sich auch noch ein Durchschnittsleipziger ein gutes Leben leisten könne.

Wenn ich für eine 3-Zimmer-Neubauwohnung in Leipzig 37,5 Prozent des Haushaltseinkommens zahle, dann muss ich woanders Abstriche machen. Dann kann ich unter Umständen nicht in den Urlaub fahren. Oder ich entscheide mich gegen Kinder. Oder ich muss der Großstadt den Rücken kehren.

Anke Matejka Mieterverein Leipzig

Über viele Jahre hinweg hätte man die Entwicklung in Leipzig nicht im Blick gehabt. Auf dem Wohnungsleerstand zu Nachwendezeiten hätte man sich ausgeruht. Die Entwicklung habe sich umgekehrt, nun könne man mit Bauvorhaben nur hinterherhinken, so Anke Matejka.

Dieter Rink geht noch einen Schritt weiter: Er wirft dem Bund vor, sich seit den 2000er Jahren aus der Wohnungspolitik zurückgezogen zu haben. Er fordert deshalb eine Reform des Bodenrechts, damit die Spekulation um die knappe Ressource Boden aufhöre. Und es brauche mehr Geld für sozialen Wohnungsbau.

Die viel diskutierte Mietpreisbremse sei für ihn aber keine Lösung. "Bestandsmieten halten sich in Leipzig relativ konstant. Die wirklichen Preistreiber sind Neubauten. Da greift die Mietpreisbremse aber gar nicht." Er bezeichnet sie gar als "zahnlosen Tiger".

Die Zahlen zeigen: Das Problem bleibt. Besserung ist nicht in Sicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Fernsehen | 24. Januar 2019 | 19:33 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2019, 09:31 Uhr

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8 Kommentare

25.01.2019 14:31 Jakob 8

@5 - Wenn hier darüber nachgedacht wird, ob man Preise mit staatlichem Zwang begrenzen soll, dann gehört dieser Vergleich insofern zum Thema, als dass er den Lesern an einem vergleichbaren Beispiel aus einem anderen Lebensbereich vor Augen führt, wie absurd es ist, Preise zwangsweise zu beschneiden. Kein Mensch käme auf die Idee, die Preise für Luxusgüter zu deckeln, damit jedermann sich diese leisten kann. Aber bei Neubaumieten wird darüber nachgedacht. Absurd. Nicht die Preise sind das Problem, sondern das knappe Angebot, die großen Einkommensunterschiede, die ausgebliebenen Sozialwohnungsbauaktivitäten der letzten Jahre, der Urbanisierungsdruck, die schlechte Infrastruktur auf dem Land, der Fachkräftemangel der die Baupreise in die Höhe treibt. Eine ganze Reihe von Faktoren, an denen man ansetzen könnte. Statt dessen denkt man darüber nach, die Grundpfeiler unserer Wirtschaftsordnung zu kappen - Eigentum und Vertragsfreiheit. Das muss aufhören!

25.01.2019 11:19 optinator 7

Der Staat verdient an jeder Mieterhöhung mit.
( Steuern )
Mit etwas Glück habe ich vor 4 Jahren noch einen Neubau, schon im Vorfeld an das Alter gedacht, eine altersgerechte Wohnung mit allem Komfort, in einer Genossenschaft erworben.
11 € warm mit Parkplatz.

Wir Alle wissen, auch wenn die Kaltmiete nicht steigt, das die Nebenkosten in den nächsten Jahren steil nach oben gehen. Ich hoffe, das ich dann als Rentner mit meiner so "großen Rente" noch alle Kosten tragen kann, der Gedanke an einen zwanghaften Umzug mich nicht krank macht.
Aber anderer Seitz, wenn die Mieten weiter steigen werden, gibt es dann auch nichts günstigere.

25.01.2019 11:03 Pfingstrose 6

Das ist Mietwucher!!

25.01.2019 10:55 Jakob 5

Millionen von Haushalten können sich keinen Neuwagen leisten. Verpflichten wir die KFZ-Händler zu Sozialpreisen oder sind wir damit zufrieden, dass sich die Menschen Gebrauchtwagen kaufen?

[Liebe User,
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25.01.2019 10:34 Bingo 4

Deutsche mit dem niedrigsten Wohneigentum in Europa,mit Mieten die in Ballungsgebieten ständig steigen,mit Energiekosten die zu den höchsten in Europa gehören,mit dem größten Niedriglohnsektor in Europa,mit den meisten Flüchtlingen und ihren Kosten ,mit oftmals Renten die ein Witz sind, für ein Arbeitsleben. Dies alles scheint den Wähler nicht zu stören... Laut Merkel ist Deutschland das Land, wo man "gut und gern" leben kann. Keine Angst lieber Bürger, es ist immer noch Luft nach oben ,es geht noch teurer...

25.01.2019 10:28 pkeszler 3

@Jakob: "Schon bemerkt, dass die hohen Mieten in Verbindung mit den historisch billigen Krediten die Wohneigentumsquote drastisch erhöhen?"
Ja, wer jetzt nicht baut bzw. die niedrigen Kreditzinsen nicht nutzt, ist selbst Schuld und hat die Marktwirtschaft nicht verstanden. Die Abzahlung des Kredites ist oft preiswerter als die hohe Miete.

25.01.2019 08:44 Jakob 2

Schon bemerkt, dass die hohen Mieten in Verbindung mit den historisch billigen Krediten die Wohneigentumsquote drastisch erhöhen? DAS ist auch Kapitalismus.

24.01.2019 18:52 No Branding 1

Der Redaktion ist aber schon klar, dass es einen Unterschied zwischen Neubauwohnungen und Plattenbau (siehe Beitragsbild) gibt. Ich glaube nicht, dass nach 1990 noch Bauten vom Typ WBS 70 errichtet wurden sind.