Oberbürgermeister von Weißwasser (parteilos) Torsten Pötzsch: "Ich rede ohne Punkt und Komma"

Falschmeldungen und Informationsmangel, damit wird Pötzsch öfter konfrontiert. Er hat sich nun die "Oberbürgermeister-Gerüchteküche" ausgedacht. Fertig machen lassen dürfe man sich nicht, dann hätten die anderen gewonnen.

Torsten Pötzsch
Torsten Pötzsch, Oberbürgermeister von Weißwasser (parteilos). Bildrechte: Joachim Rehle

"Ich bin seit November 2010 im Amt und bekomme immer öfter anonyme Beschimpfungen, per Brief ins Büro oder nach Hause. Davon sehe ich gar nicht alles - meine Lebensgefährtin macht die Post und filtert da viel weg. Im Frühjahr vergangenen Jahres wurden an meinem Privatauto die Reifen locker geschraubt, da hat sogar der Staatsschutz ermittelt.

Meistens sind die Dinge, denen man ausgesetzt ist, aber subtiler, weniger lebensgefährlich. Da werden etwa Falschmeldungen verbreitet, über mich, aber auch über Kulturschaffende in der Stadt und unsere Wählervereinigung oder über meine Mitarbeiter. Über mich hieß es einmal, ich würde einen bestimmten Kindergarten nur bauen lassen, damit da mein Sohn hingehen kann. Oder es wird verbreitet, mir würden bestimmte Objekte gehören, in denen es Veranstaltungen gibt oder die saniert werden.

Ein Mitarbeiter musste sich des absurden Vorwurfs erwehren, er habe sich mit einer Mallorca-Reise kaufen lassen. Ich hab dann den Namen des Lügners ganz offen im Stadtrat genannt, denn man muss das transparent machen. So etwas ist nämlich gefährlich, viele Unternehmen haben wegen der ständigen Bestechungsvorwürfe schon gar keine Lust mehr, für die Stadt zu arbeiten.

Hinzu kommt, dass die meisten Menschen ohnehin schlecht informiert sind. Ich habe mir deswegen ein Format ausgedacht: die "Oberbürgermeister-Gerüchteküche". Da stelle ich mich auf den Marktplatz und zukünftig auch in unserer Stadtwerkstattstube rede mit jedem, der kommt und fragt. Zuletzt war das drei Stunden lang ohne Punkt und Komma. Oft sagen die Menschen dann etwas wie: Ach, das wusste ich gar nicht.

Meine Idee ist, demnächst zu wichtigen Themen Erklärvideos zu drehen und die dann immer dort zu verlinken, wo wieder jemand eine Falschmeldung oder Lüge verbreitet. Das Wichtigste ist aber, sich nicht fertig machen zu lassen – dann haben die anderen gewonnen. Oder wie der DJ und Erfinder der Loveparade sagte: "Das Schlechte kann man nicht bekämpfen. Aber man kann das Gute vermehren. Und das ist der eigentliche Kampf."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt - Die Story | 01. April 2020 | 20:45 Uhr