Schultafel und Schultasche
Das wird nicht leicht - Lehrer aus anderen Bundesländern zurückholen. Bildrechte: IMAGO

Verbeamtung in Sachsen Können abgewanderte Lehrer zurückgeholt werden?

Seit Jahren fehlen Lehrer in Sachsens Schulen. Schuld daran ist zum guten Teil die Bildungspolitik. Nun ist man spät dran, das zu ändern. Aber besser spät als nie, hat sich die Landesregierung gesagt und ein Bildungspaket geschnürt. Drin sind Zulagen für Lehrer, die aufs Land gehen und bessere Bezahlung für Grundschullehrer, die zu DDR-Zeiten untere Klassen hatten. Das Gravierendste aber ist, dass Lehrer verbeamtet werden sollen, um abgewanderte Kräfte zurückzuholen. Doch kann das funktionieren?

von Ine Dippmann, MDR AKTUELL Landeskorrespondentin für Sachsen

Schultafel und Schultasche
Das wird nicht leicht - Lehrer aus anderen Bundesländern zurückholen. Bildrechte: IMAGO

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz hat geschafft, woran sich mindestens zwei seiner Amtsvorgänger die Zähne ausgebissen haben: Sachsen wird ab kommendem Jahr Lehrer verbeamten. Damit können ab dem 01.01.2019 auch schon verbeamtete Lehrkräfte aus anderen Bundesländern nach Sachsen wechseln und ihren Beamtenstatus behalten. Kultusminister Christian Piwarz machte deutlich:

Wir wollen ein Signal in andere Bundesländer senden. Zu denen, die früher weggehen mussten, als sie in Sachsen keine Anstellung bekommen haben: Wir wollen das Signal senden: Ihr könnt zurückkommen. Ihr seid bei uns herzlich willkommen, und wir bieten euch gleichwertige Bedingungen an, zu dem wo ihr jetzt seid. 

Christian Piwarz | Kultusminister

Das macht es so schwierig

Fraglich ist, ob dieses Angebot schon in der nächsten Einstellungsrunde für das kommende Schuljahr wirksam werden kann. Denn die Beamtenstellen werden nach aktuellem Plan erst mit dem neuen Doppelhaushalt zum 01.01.2019 geschaffen. Nannette Seidler, Vorsitzende des Sächsischen Beamtenbundes erklärt: "Dann können die, die in anderen Bundesländern verbeamtet sind, sich theoretisch versetzen lassen, auch mit über 42. Also, auch ein 55-jähriger Lehrer kann sich zu uns versetzen lassen. Dafür ist eine Absprache mit dem anderen Bundesland notwendig."

Kein Recht auf Versetzung

Ein Recht auf Versetzung hat der Beamte nicht. Erfahrungsgemäß könne aber wechseln, wer bei seinem Antrag zum Beispiel schwerwiegende persönliche oder soziale Gründe angebe, so Seidler. Aber wie steht es um die Ansprüche, die Beamte in anderen Bundesländern erworben haben? "Das hängt vom Beamtenrecht der Bundesländer ab, aus denen sie kommen. Es gibt bei Versetzungen manchmal die Regelung, dass ein Altersgeld übernommen wird. Da wird eine Versorgungspauschale gezahlt an das Bundesland, das den Beamten übernimmt."

Sachsen kann nicht "tauschen"

Cornelia Falken
Cornelia Falken (Linke) Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Cornelia Falken, bildungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion ist allerdings skeptisch, ob die Übergabe der angesparten Versorgungsleistungen ganz reibungslos klappen wird. "Bisher ist es so, dass man einen Tausch macht: Ein Beamter kommt von einem Bundesland zum anderen und umgekehrt. Diesen Tausch können wir in Sachsen ja überhaupt nicht durchführen." Dafür gibt es in Sachsen noch zu wenige Beamte.

Und auch in anderen Bundesländern ist der Bedarf an Lehrern groß. Stimmt der derzeitige Arbeitgeber der Versetzung nach Sachsen nicht zu, kann sich ein Beamter auch entlassen lassen. Um dann in Sachsen anfangen zu können, muss man aber unter 42 sein. Für die Pension könnte das, so Nannette Seidler vom Beamtenbund, bedeuten, dass er in der Rentenversicherung nachversichert werde und mit diesen Rentenversicherungsansprüchen dann hier herkomme."

In drei Jahren wird Bilanz gezogen

Christian Piwarz
Christian Piwarz (CDU) Bildrechte: CDU-Landtagsfraktion/Christoph Reichelt

Technisch gesehen, sollte das Anwerben von Lehrern, die in anderen Bundesländern verbeamtet sind, insgesamt aber kein Problem sein. Die Frage sei, so Cornelia Falken von den Linken, ob die anderen Bundesländer jemanden freigeben, den wir vielleicht brauchen. Das würde ich sehr stark bezweifeln." Doch von Bedenken, ob die Verbeamtung wirkt, will sich Kultusminister Piwarz nicht mehr abhalten lassen. Er will sie auszuprobieren, auch wenn er weiß: "Auch dieses Programm wird nicht automatisch dazu führen, dass alle Einstellungsbedarfe gedeckt sind. Aber wir müssen uns auf den Weg machen und die Trendumkehr schaffen."

Ob die Verbeamtung tatsächlich dazu führt, dass mehr frisch ausgebildete Lehrer in Sachsen bleiben oder Lehrer aus anderen Bundesländern nach Sachsen kommen, soll nach drei Jahren geprüft werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. März 2018 | 06:09 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. März 2018, 06:44 Uhr

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14 Kommentare

13.03.2018 16:53 Otto 14

Ohne Zweifel, ein Maßnahmenpaket zur Bildung ist in Sachsen erforderlich. Dies haben wir sächsischen Lehrer mit unseren Gewerkschaften seit Jahren gefordert. Die neue Landesregierung hat das verstanden, glaubte ich zumindest. Doch jetzt fühle ich mich wie in einem Alptraum. Hinzu kommt, dass nach den mir zugänglichen Informationen die Gewerkschaften weder einbezogen noch um Stellungnahme gefragt wurden. Ich freue mich aber um die breite kritische Resonanz auch bei unseren jungen Lehrern, Referendaren und Lehramtsstudenten. Wer soll bei einem solch umstrittenen Maßnahmenpaket nach Sachsen kommen? Das muss die Landesregierung wohl noch einmal überarbeiten.

13.03.2018 06:47 Weggezogener Lehrer 13

#9 “ Da werden also diejenigen, welche wegen besserer Bezahlung weggegangen sind belohnt, und die, welche das System hier am laufen gehalten haben, den tritt man inden Ar... .“

Ja, dass Sachsen trotz mieser Bedingungen für Lehrkräfte im Vergleich zu anderen Bundesländern immer überdurchschnittlich gut in den Vergleichen abgeschlossen hat, liegt m.E. an unserer sächsischen Mentalität, die auch unter widrigsten Bedingungen Höchstleistungen hervorbringt. Diese Mentalität ist auf dem zweiten Blick dann aber eher schädlich für die Beteiligten, sonst hätte sich schon viel eher etwas ändern müssen. Was ich damit sagen will: Lehrkräfte in anderen Bundesländern hätten unter diesen Bedingungen wahrscheinlich schon viel eher den Dienst verweigert oder gestreikt bzw. wären abgewandert...

12.03.2018 22:34 Lippi 12

Die Verbeamtung wird viele ehemalige, in Sachsen ausgebildete Lehrer überzeugen zurück zu kommen. Von meinen ehemaligen Kollegen im Referendariat mussten Ende 2010 weit mehr als die Hälfte in ein anderes Bundesland gehen - und freiwillig war dies bei fast keinem. Sicher, manche werden sich ein neues Leben aufgebaut haben, aber viele warten nur auf einen solchen Moment. Ich selbst bin auch vor 2 Jahren aus familiären Gründen als ehemaliger Beamter zurück gekommen - und nun nur Angestellter. Jetzt würde dies gehen ohne finanzielle Einbußen - wenn das nicht zieht...

12.03.2018 19:53 Praxis 11

@Alle sind willkommen-dem Kommentar kann ich mich nur anschließen.Schön blöd,dass wir unter erschwerten Bedingungen und mit großen finanziellen Einbußen die Schule am Laufen gehalten haben...Ständig wurde mir erklärt,dass gerade keine Haushaltsstellen für eine Höherstufung frei seien...und das über 10 Jahre...“Danke!“

12.03.2018 16:57 Fragender Rentner 10

Können, könnte man vielleicht nur ob die Bezahlung stimmt? :-)

12.03.2018 13:01 Alle sind wilkommen? 9

"Wir wollen das Signal senden: Ihr könnt zurückkommen. Ihr seid bei uns herzlich willkommen,..."
Besonders wilkommen fühlen sich die Lehrer über 42 Jahre, welche schon hier sind. Da werden also diejenigen, welche wegen besserer Bezahlung weggegangen sind belohnt, und die, welche das System hier am laufen gehalten haben, den tritt man inden Ar... .

12.03.2018 12:31 MINT-Referendar 8

*Mangelfächer sind natürlich in meinem ersten Kommentar gemeint...

12.03.2018 12:01 MINT-Referendar 7

Dass Lehrer aufgrund der Verbeamtung zurückkommen, glaube ich kaum. Die haben sich in den meisten Fällen schon etwas in den anderen Bundesländern aufgebaut.
Die Verbeamtung wurde notwendig, damit die jungen Lehrer nach dem Referendariat überhaupt erst mal in SN bleiben. Ich beispielsweise, hätte mich bis letzte Woche gar nicht erst in SN beworben. Nun, da gleiche Einstellungsvorausetzungen geschaffen wurden, ist mein Heimatbundesland erste Wahl, sofern ich eine Stelle angeboten bekomme (wovon ich als Lehrer mit zwei Nebenfächer ausgehe...).

12.03.2018 10:29 Michael Möller 6

User-1: sehr guter Kommentar ,stimme vollihnen zu . ich würde sogar noch etwas weiter gehen und die Behauptung aufstellen solange die Lobbyisten das sagen in Deutschland haben geht deutschland den Bach runter. Lehrer sollten überhaut nicht verbeamtet werden. und auch das die Länder ihr eigenes Süppchen kochen zeigt doch wie unfähig diese Politiker sind. Sie behaupten zwar immer die Kinder und die Bildung wären die Zukunft nur bei dieser Politik kommt leider das gegenteil raus.

12.03.2018 09:34 Markus 5

Ein Beamte woanders - der hat schon alles. Nach Sachsen wechseln, wo noch vieles in Arbeitsbedingungen schwierig bleibt, und überhaupt, wird das alles vielleicht morgen wieder abgeschafft?
Ich denke, es wird gar keiner wechseln. Es sei denn, in Sachsen bekommt er das Doppelte. So wird das aber nicht angeboten...