Ein Medizinstudent hält in der Charité in Berlin ein Stethoskop in der Hand.
In acht sächsischen Regionen gibt es nicht genug Hausärzte. Bildrechte: dpa

Ärztemangel in Sachsen Junge Ärzte braucht das Land

Das Leben auf dem Land mag für viele idyllisch erscheinen. Junge Mediziner lassen sich allerdings kaum in die kleineren Orte locken. Das sorgt dafür, dass in vielen Regionen die Praxen ausgehen.

Ein Medizinstudent hält in der Charité in Berlin ein Stethoskop in der Hand.
In acht sächsischen Regionen gibt es nicht genug Hausärzte. Bildrechte: dpa

Die fehlenden Landärzte in Sachsen machen sich in Zahlen deutlich bemerkbar:

  • In acht Regionen gibt es laut Kassenärztlicher Vereinigung nicht genug. Darunter sind zum Beispiel Auerbach, Freital, Hoyerswerda und Torgau.
  • Negativ-Spitzenreiter ist Stollberg: Hier gibt es 41 Hausärzte, 16 Stellen sind offen.
  • Vorgeschrieben ist, dass es pro 1.671 Einwohner einen Hausarzt gibt.


Ärztekammer lehnt Quote ab

Nordrhein-Westfalen ist das erste Bundesland, das das Heil in der Quotierung sucht: Seit Anfang des Monats gibt es dort eine Landarztquote. Wer sich bereit erklärt, nach dem Studium auf dem Lande zu praktizieren, der erhält leichter einen Studienplatz. Ist das auch ein Modell für Sachsen? Der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck, selber Landarzt in Wurzen, hält von der Quotenlösung:

Nichts! Ich halte davon gar nichts! Weil es ist eine Art Stigmatisierung. Ich überspitze das jetzt auch noch mal: Ich mache die Landarztquote und dann nehme ich auch noch die Dümmeren. Das kommt ja so an, dass die, die dann über die Quote hinein gekommen sind, die Dümmeren sind. Die haben das Abitur eben nicht mit 1,0 geschafft!

Erik Bodendieck, Präsident Landesärztekammer Sachsen

Sachsen ansprechen

Präsident der Sächsischen Landesärztekammer
Erik Bodendieck sieht das Wissenschaftsministerium in der Pflicht. Bildrechte: Hesse-Kastein

Ähnlich wie die Ärztevereinigung Marburger Bund argumentiert Bodendieck: Mehr ausbilden, dann bleiben auch mehr Mediziner im Freistaat. "Wir haben nicht genug Medizinstudienplätze! Und wenn ich Sachsen noch einmal selber betrachte, dann muss ich in Sachsen natürlich sagen: Okay, ich will Sachsen für Sachsen gewinnen. Dann muss ich entsprechend auch die Angebote schaffen, damit sie in ihrer Heimatverbundenheit dann auch hier bleiben", sagt der Mediziner.

Doch im zuständigen Landesministerium blitzt der Kammerpräsident mit seiner Forderung ab. Die Dresdener Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange meint: "Sachsen bildet gemessen an der Bevölkerung genügend Mediziner aus. Wir sind im Ranking der Länder das Land, das an der siebten Stelle steht, was die Zahl der Ausbildungsplätze anbelangt. Und gemessen an der Bevölkerung bilden wir weit überproportional Ärzte aus. Das heißt, wir bilden genügend Ärzte aus."

Alternativen zur Quote

Eva-Maria Stange
Sachsens Wissenschaftsministerin Stange sucht andere Lösungen. Bildrechte: dpa

Eine Landarztquote wie in NRW plant der Freistaat derzeit nicht. Dennoch treibt die Ministerin die Frage um: "Wie gelingt es, junge Menschen dazu zu gewinnen, dass sie eben auch in die Oberlausitz gehen? Und da brauchen wir, ähnlich wie bei den Lehrern, einfach Instrumente um gerade denjenigen, die aus anderen Bundesländern zu uns kommen, oder die in einer Großstadt hier geboren sind, zu zeigen, dass der ländliche Raum eben nicht nur grüne Wiese ist. Sondern dass man da sehr gut wohnen kann. Dass es da kulturell Angebote gibt."

Fehlende Weiterbildung?

Zu den Regionen mit dem größten Mangel an Hausärzten gehört der Landkreis Görlitz, wo Sozialdezernentin Martina Weber für die medizinische Versorgung zuständig ist. Auch Weber hält wenig von der Quotenidee und setzt stattdessen auf Eigeninitiativen. So hat sie angehende Mediziner befragen lassen, was sie am Landarztdasein abschreckt. Die überraschende Antwort: Mangelnde Weiterbildungsmöglichkeiten! Kein Netzwerk, mit dessen Hilfe man sich für den weiteren beruflichen Werdegang orientieren kann. Etwa eine Spezialisierung als Facharzt. Die Konsequenz des Landkreises Görlitz:

Wir haben einen Weiterbildungsverbund gegründet, wo praktisch alle Ärzte, die in unsere Region kommen wollen, sagen können: Was will ich eigentlich? Die können sich ganz zielgerichtet beraten lassen. Und können sich weiterbilden lassen in einem Portfolio an Kliniken unseres Landkreises.

Martina Weber, Sozialdezernentin Landkreis Görlitz

Vielleicht liegt es auch an Initiativen wie dieser, dass sich die Situation in Sachsen etwas entspannt hat. Die Anzahl an Ärzten im Freistaat ist 2017 um 1,9 Prozent gestiegen. Dieser Zuwachs liegt leicht über dem Bundesschnitt von 1,7 Prozent.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Juni 2018 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2018, 06:00 Uhr

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1 Kommentar

20.06.2018 13:27 Chris 1

man sollte anderen Länder nicht die Ärzte wegnehmen die diese selber dringend benötigen.