Jörg Urban, Spitzenkandidat der AfD während der Landtagswahl in Sachsen
Der Vorsitzende der AfD Sachsen, Jörg Urban. Bildrechte: dpa

Nach den Landtagswahlen Wie radikal die AfD in Sachsen ist

Rechtsextreme Tendenzen, rechtsradikale Symbole und Verbindungen in die Neonazi- und Hooligan-Szene. Die Aussagen und Netzwerke der AfD Sachsen sind bedenklich – und reichen bis in die Spitzenpositionen.

Jörg Urban, Spitzenkandidat der AfD während der Landtagswahl in Sachsen
Der Vorsitzende der AfD Sachsen, Jörg Urban. Bildrechte: dpa

Jörg Urban und der Flügel

Der Parteichef und Spitzenkandidat der sächsischen AfD gehört zum völkischen Flügel in der "Alternative für Deutschland". An der Spitze des Flügels stehen Björn Höcke aus Thüringen und Andreas Kalbitz aus Brandenburg – zwei rechte Hardliner – mit denen Urban auch bereits mehrfach Auftritte absolvierte. Der Flügel ist vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft und wird beobachtet. Es lägen "stark verdichtete Anhaltspunkte vor", dass es sich bei dem Zusammenschluss um eine extremistische Bestrebung handele. "Ziel des Flügels ist ein ethnisch homogenes Volk, welches keiner Vermischung ausgesetzt sein soll", heißt es im Bericht des Verfassungsschutzes.

Jörg Urban, Vorsitzender der AfD in Sachsen, kommt zum Landesparteitag seiner Partei und steht vor einem Poster mit der Aufschrift Wir für Deutschland
Der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen gehört zum völkischen Flügel innerhalb der AfD. Bildrechte: dpa

Jörg Urban selbst gibt sich öffentlich meist bürgerlich-konservativ, doch auch der 55-Jährige fällt immer wieder mit radikalen Äußerungen auf – etwa auf Facebook. So zitiert ein Gutachten des Verfassungsschutzes Urbans Umsturzfantasien: "Auch das derzeitige Regime werden wir mit Hilfe der vernünftig denkenden Menschen zum Einsturz bringen", hat er am 24. August 2018 geschrieben. Eine weitere Aussage von Urban, die im Bericht aufgelistet wird, ist: "Ein Volk kann nur die eigene Einigkeit und Freiheit bewahren, wenn es weitgehend homogen bleibt."

Andreas Harlaß – Der Pressesprecher

Der Pressesprecher der sächsischen AfD, Andreas Harlaß, sitzt im Landesvorstand der Partei und war auch Direktkandidat der AfD in Dresden. Auf seinem Facebook-Profil veröffentlichte der 57-Jährige Bilder mit Symbolen, die nationalsozialistische oder völkische Bezüge haben. In seinem Wohnzimmer ist eine Schwarze Sonne an der Wand. Diese ist ein wichtiges Erkennungssymbol der rechtsextremen Szene, da sie aus drei übereinandergelegten Hakenkreuzen besteht. Die SS benutzte die Schwarze Sonne im Dritten Reich als Symbol.

Facebook-Post
Der Pressesprecher der AfD Sachsen, Andreas Harlaß, auf einem seiner Facebook-Posts mit einem Shirt der "Artamanen". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Des Weiteren zeigte sich Harlaß auf Fotos mehrfach im Shirt der sogenannten Artamanen – einer radikal-völkischen Siedlergemeinschaft, die 1934 in die Hitlerjugend eingegliedert wurde. Von dieser Gruppe gibt es auch aktuelle Ableger. Auf die Frage, warum er dieses Shirt trägt, sagt Harlaß gegenüber dem MDR: "Ich bin nicht Mitglied und habe nichts weiter damit zu tun." Das Hemd sei ihm geschenkt worden, er habe mit Rechtsextremismus nichts zu tun. Auch Fotos eines so genannten Julleuchters hat Harlaß veröffentlicht. Diese Leuchter hatte der SS-Führer Heinrich Himmler für Angehörige der SS anfertigen lassen. Die nationalsozialistische Führung im Dritten Reich hatte versucht, mit dem so genannten Julfest das christliche Weihnachtsfest zu verdrängen.

Zwar seien diese Symbole nicht verboten, so der Rechtsextremismus-Experte Michael Nattke vom Kulturbüro Sachsen, dennoch drückten sie aus, dass jemand "mit dem Nationalsozialismus oder zumindest seinen Symbolen ein enges Verhältnis habe oder dies vielleicht sogar gutheiße".

Roland Ulbrich – der neue Landtagsabgeordnete

Mann
Roland Ulbrich zieht für die AfD in den Landtag ein - immer wieder trat er auch bei radikal rechten Demonstrationen auf. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Rechtsanwalt Roland Ulbrich aus Leipzig wird künftig die AfD als Abgeordneter im sächsischen Landtag vertreten. Immer wieder tritt er als Redner auch bei radikal rechten Demonstrationen auf und steht dabei auch mit rechtsextremen Kadern Seite an Seite. So teilte der AfD-Politiker sich 2016 die Bühne mit Ignaz Bearth, einem behördlich bekannten Rechtsextremisten und Politiker aus der Schweiz.

Im März 2018 ließ sich Ulbrich bei einer Demonstration in Berlin von Neonazi Alexander Kurth anmoderieren und das Mikro reichen. Kurth ist wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraft, war in der NPD und danach in der rechtsextremen Partei "Die Rechte" aktiv. Zusammen mit dem Neonazi David Köckert leitete er den rechtsextremen Pegida-Ableger Thügida und wird im sächsischen Verfassungsschutzbericht als Rechtsextremist genannt. Auf die gemeinsamen Auftritte angesprochen, antwortet Ulbrich: "Ich grenze da niemanden aus. Ich kann auch gar nicht diesen Überblick haben bei so einer Veranstaltung, wer da wo rumläuft."

Jens Zaunick – Wahlkampfhilfe aus der Hooliganszene

Facebook-Post
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die AfD lässt sich von der Hooliganszene unterstützen. Bei der Kommunalwahl im Mai diesen Jahres ist Benjamin Brinsa in den Wurzener Stadtrat eingezogen. Der Kampfsportler hat dann auch den Wurzener AfD-Direktkandidat für den Landtag, Jens Zaunick, beim Plakatieren unterstützt, wie ein Facebook-Foto von Zaunick belegt. Auf dem Foto ist Brinsa in Zaunicks AfD-Wahlkampfauto zu sehen. Benjamin Brinsa fiel laut Bundesregierung bis 2012 mit rechtsextremen Aktivitäten auf – etwa als Führungsfigur der 2014 aufgelösten rechtsextremen Hooligangruppe "Scenario Lok".

Aktuell trainiert und managt Brinsa ein Kampfsportteam in Leipzig. Dessen Mitglieder sind immer wieder an rechtsextremen Gewalttaten beteiligt, wie etwa den Überfall auf den linken Leipziger Stadtteil Connewitz im Januar 2016. Drei Kämpfer sind deswegen bereits angeklagt. Ein Mitglied des Kampfsportteams sitzt derzeit in Untersuchungshaft, weil er auf Mallorca einen senegalesischen Türsteher verprügelt und schwer verletzt haben soll.

Siegbert Droese – Bundestagsabgeordneter

Der AfD-Bundestagabgeordnete und Leipziger Stadtrat Siegbert Droese hat sich im Februar 2018 mit der Hand auf dem Herzen vor der Wolfsschanze – dem Führerbunker von Adolf Hitler – fotografieren lassen. Diese fragwürdige Geste sorgte für Aufregung. Doch Droese, der ebenfalls zum "Flügel" gezählt wird, pflegt auch Verbindungen zu modernen Rechtsextremisten. So beschäftigte Droese zeitweise den Chef der Identitären Bewegung Deutschland, Daniel Fiß, in seinem Bundestagsbüro. Diese Gruppe wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft und beobachtet.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 04. September 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. September 2019, 18:44 Uhr