Delegierte sitzen beim Landesparteitag der Alternative für Deutschland ( AfD ).
Der Soziologe Lengfeld konnte im vergangenen Jahr mit einer Studie zeigen, dass AfD-Wähler aus allen Teilen der Gesellschaft stammen. Bildrechte: dpa

Beliebtes Forschungsthema Die Wissenschaft und die AfD

Seit fünf Jahren gibt es die AfD, die Alternative für Deutschland. Mittlerweile ist sie in 14 Landtagen vertreten. Seitdem haben sich Medien und Politik viel mit der neuen Partei und ihren Zielen auseinandergesetzt. Aber auch die Universitäten befassen sich mit dem Thema – auf unterschiedliche Weise.

von Birgit Raddatz, MDR AKTUELL

Delegierte sitzen beim Landesparteitag der Alternative für Deutschland ( AfD ).
Der Soziologe Lengfeld konnte im vergangenen Jahr mit einer Studie zeigen, dass AfD-Wähler aus allen Teilen der Gesellschaft stammen. Bildrechte: dpa

Konstantin Steinitz sitzt im Café der Universität Erfurt und trinkt einen Malzkaffee mit Espresso. Der Masterstudent probiert gerne neue Dinge aus – auch im politischen Bereich.

Von den Sozialdemokraten über die FDP hin zur AfD

Er war schon in so ziemlich jeder Partei: zuerst bei der SPD, dann bei den Liberalen, später auch neun Monate lang AfD-Mitglied. Vor drei Jahren hat er zugestimmt, AfD-Chef Alexander Gauland für eine Diskussion an die Uni zu holen. Linke Studierendengruppen störten die Veranstaltung – sie musste schließlich abgebrochen werden.

Steinitz meint, dass an jeder Universität der Diskurs über alle Inhalte und Positionen möglich sein muss. Er sagt: "Ich halte auch nicht viel davon, Ideen oder Überzeugungen, die in dieser Gesellschaft breit vertreten sind, von Symposien bewusst auszuschließen."

Trotzdem war Gauland im Nachhinein wohl der falsche Gesprächspartner gewesen, findet Steinitz. Er ist mittlerweile aus der AfD ausgetreten. Wie sich die Partei entwickelt hat, gefällt dem 28-Jährigen nicht.

AfD-Wahlergebnis in Ostdeutschland als Resultat stärkerer Diskurse

In Thüringen sitzt die AfD mit über zehn Prozent der Stimmen im Landtag. Und genau dorthin geht der Kommunikationswissenschaftler Patrick Rössler mit seinen Studierenden. Sie analysieren die Redebeiträge der Partei, treffen sich mit AfD-Politikern. Rössler erklärt: "Die Tatsache, dass die AfD eine besonders hohe Anzahl an Stimmen in den ostdeutschen Bundesländern hat, ist letztendlich nur ein Ausfluss dieses stärkeren Diskurses, der hier geführt wird."

Das müsse unweigerlich dazu führen, dass man sich auch hierzulande intensiver mit diesen Themen befasse. Das, so denkt Rössler, gebietet auch die Verpflichtung zu einer Forschung, die den Menschen etwas bringt.

AfD weckt Forschungsinteresse der Studierenden

Das gilt für alle deutschen Bundesländer, findet Rössler. Dass Themen wie die AfD derzeit ein beliebter Forschungsgegenstand sind, überrascht den Leipziger Soziologen Holger Lengfeld nicht: "Rechtsradikalismus, Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus, das sind immer hippe Themen. Das liegt an der Wertewelt der Studierenden, die in der Regel weiter links ist als die der Mitte der Gesellschaft. Die jungen Leute machen sich einfach mehr Sorgen und möchten sich engagieren."

Nach AfD-Studie viele Beschwerden

Lengfeld konnte im vergangenen Jahr mit einer Studie zeigen, dass AfD-Wähler aus allen Teilen der Gesellschaft stammen. Die Studie wurde viel in der Öffentlichkeit diskutiert.

Einige Menschen hätten sich daraufhin bei Lengfeld beschwert: "Das sind aber Einzelfälle und Menschen, die das für groben Quatsch halten und behaupten, man hätte selber gar keine Ahnung, man würde ja nicht mal da leben, worüber man Aussagen trifft. Damit müssen wir leben." Die Wissenschaft habe die nicht die Aufgabe, zu entlarven, sondern aufzuklären, sagt Lengfeld.

Distanz wahren trotz möglicher politischer Nähe

Das sieht auch der Erfurter Politikwissenschaftler André Brodocz so. Einige seiner Kollegen seien sogar politisch aktiv, ein Widerspruch sei das nicht: "Manchmal ist es ja auch paradoxerweise so, wenn Sie eine gewisse politische Nähe zu einer Partei haben, dann können Sie natürlich durch eine gewisse Vertrautheit zu politischen Akteuren Zugang zu Hintergrundinformationen oder Akten bekommen, die sonst unter Verschluss blieben. In der Aufbereitung und in der Darstellung der Ergebnisse muss dann der Politikwissenschaftler wiederum diese Distanz wahren."

Einige Fragen in Bezug auf die AfD können die Wissenschaftler derzeit noch nicht untersuchen – dafür sei die Partei noch zu jung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Februar 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2018, 07:20 Uhr

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32 Kommentare

16.02.2018 10:53 HERBERT WALLASCH, Pirna 32

Natürlich will man mit seiner Arbeit Erfolg haben, gut verdienen und je staatsnaher die Betrachtungsweise und die Schlußfolgerungen, um so gewisser sind Folgeaufträge. Die Ursache der Wahlergebnisse sind offene Betrachtungsweisen der Gegenwart der ostdeutschen Wähler und auch deren öffentlichen Äußerungen. In Bayern teilweise 34% in einem Ort, allerdings anonym, steht auch keiner öffentlich zu seiner Wahlentscheidung, wer ist der moralisch Gute und der Böse?. Übrigens wurde sofort für deren Wähler in den alten Bundesländern das Wort " Zukunftsverweigerer" kreiert, im Osten blieben es die Wutbürger oder noch Schlimmeres.

13.02.2018 06:38 Betreuter Kommentator 31

So richtig schlau bin ich nicht geworden aus diesem Artikel - ein bißchen viel Leipziger Allerlei nach meinem Geschmack.
Was war die Absicht, wo lag die Aussage?
Ein Student, 30 Jahre alt, der mal kurz bei der AfD war und dann auf den Pfad der Tugend zurückkehrte?
Die Erwähnung, daß es Beschwerden wegen einer Studie gab, in der stand, daß AfD-Sympathisanten aus allen Schichten der Bevölkerung kommen?
Oder daß die besonders hohen Stimmanteile der AfD in Neufünfland auf stärke Diskurse (als im Altbundesgebiet?) zurückzuführen sind?
Nun ja, dafür "sei die Partei noch zu jung"...
Mir kommt es beinahe so vor, als ob Hobby- und professionelle Entomologen eine besonders obskure neu entdeckte Insektenart beäugen.

13.02.2018 06:00 Lapidar 30

@29 - Ihre Darlegung stimmt nicht. Die AfD lehnt den Islam generell ab, nicht nur extremistische Zweige davon.

12.02.2018 19:15 Wo geht es hin? 29

@Krause: Soll Ihr Beitrag 28 eine Antwort auf meine konkrete Frage zur direkten Demokratie sein? Verwechseln sie da nicht etwas? Oder wissen Sie die Antwort einfach nicht? Ihr Ablenkungsmanöver in die Religionsausgrenzerschiene lässt darauf schliessen. Und da wir schon mal dabei sind: nicht der Islam an sich wird bei der AfD abgelehnt - sondern der politische und extremistische Islam mit seinem mittelalterlichem Agressor - Weltbild (was übrigens auch nicht mit dem GG vereinbar ist). Der Unterschied sollte sogar Ihnen bekannt sein. Also, fühlen Sie sich in der Lage, auch mal sachlich zu antworten? PS: Wenn Sie sich schon für das "Mensch" als "sehr persönliche Ansprache" entschuldigen - warum reden Sie mich nicht gleich auch mal wie jeder andere höfliche Mensch mit "Sie" an? Was fällt daran so schwer? Keine Angst - es tut nicht weh...

12.02.2018 17:02 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 28

@ 25:
Na, Mensch (entschuldige bitte die sehr persönliche Ansprache), bleiben wir doch einfach bei meinem Lieblingsaspekt der Religionsausgrenzerpartei: der Religionsausgrenzung!

Da man die 'etablierte Kruste' aufbrechen und entgegen dieser sein Parteiprogramm/Wahlprogramm umsetzen will, stellt sich mir eben die Frage, wie das genau bei der 'Entrechtung des Islams in der Frage der Religionsfreiheit' ablaufen könnte ('Religionsstatus aberkennen' wäre ja nur die theoretische Grundlage).

Will man dann:
- Moscheen abreißen?
- Turban und Kopftuch verbieten? (wie genau sieht ein 'islamisches Kopftuch' aus? Gehören karierte Kopftücher dazu?)
- Arabisch verbieten? (wie erkennt man islamisches Beten, wenn man gar kein Arabisch kann?)
- Vollbart verbieten? (Nicht mit mir!)

Da fällt das 'Religionsausgrenzer rechts liegen lassen' eindeutig leichter.

12.02.2018 15:46 Wolfgang 27

@24 ja es soll Deutsche geben die stolz darauf sind, das es über Jahrzehnte keine rechtsradikale Partei in den Parlamenten gab und auf die Leistungen aller Menschen in diesem Land sind. Die aus der Geschichte gelernt haben und die Parolen der Höckes, Gaulands und wie sie alle heissen durchblicken und in einen Kontext stellen können. @22 Sie sind ein gutes Beispiel dafür, das der Bernd mit der fehlenden Männlichkeit ggf Recht hat, wie ist es anders zu verstehen, das Sie so gegen eine Weltreligion, unwahrheitsgemäß, vorgehen die am Bevölkerungsanteil nicht einmal 5 % erreicht ( davon sind die Hälfte deutscher Abstammung ), nein männlich ich Ihr Tun nicht

12.02.2018 13:10 Freies Wort vs Etablierte Phraseologie 26

@11.02.2018, 21:36 | Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 23

"Das Problem ist, daß die Damen und Herren nicht den Anschein.........."

Was meinen Sie denn für einen Anschein?
Ich vernahm bisher nur sehr gute Bundestagsreden, in denen die Falschheit der Etablierten entlarvt wurde.
Oder schauen Sie sich mal die falschen Versprechungen , Programme Ihrer Koalitionäre der letzten Jahre an , diese wurden unter anderen auch in der letzten Extra 3 - Sendung zum Besten gegeben . Sich ständig wiederholende Phrasen.

In Anbetracht des Zustandes Ihrer Etablierten, insbesondere des Chaos in der SPD , werden Ihre Texte immer hohler u. unpointierter um nicht zu sagen schwachsinnig.

Sie wissen ja gar nicht mehr was Sie schreiben sollen.

[Lieber Nutzer,
eine Teilnahme an Diskussionen unter mehreren unterschiedlichen Nutzernamen verstößt gegen unsere Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html). Betroffene Kommentare werden von uns nicht mehr freigegeben.
Viele Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

12.02.2018 06:25 Wo geht es hin? 25

@Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" - Zitat von Ihnen: "Das Problem ist, daß die Damen und Herren nicht den Anschein machen, als ob sie sonderlich an 'Volksbefragungen' interessiert wären, wenn sie denn erstmal 'an der Macht' wären" Zitat Ende. Na dann mal Butter bei die Fische: woran GENAU machen Sie Ihre Behauptung fest? Wenn ich das Wahlprogramm der AfD lese, steht nämlich exakt das Gegenteil von dem darin, was Sie behaupten.

12.02.2018 00:39 Peter 24

"AfD weckt Forschungsinteresse der Studierenden"
Gut so. Vielleicht lernen sie beim Forschen sogar was. Am Anfang ihres Forschungsdranges steht wohl das Entsetzen, dass es Deutsche gibt, die gerne Deutsche sind - und auch noch in Zukunft in einem Land leben wollen, das seinen Namen verdient. Ziemlich krass, oder?

11.02.2018 21:36 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 23

Das Problem ist ja nicht, daß die AfD die 'verkrusteten Privilegien da oben' aufbrechen und für 'Volksbefragungen' (da ist schließlich das Wort 'Volk' drin) eintreten wollen.

Das Problem ist, daß die Damen und Herren nicht den Anschein machen, als ob sie sonderlich an 'Volksbefragungen' interessiert wären, wenn sie denn erstmal 'an der Macht' wären:
von daher sollte man sich gut überlegen, ob man solche Menschen in 'demokratische Verantwortung' wählt.