Datenschutz-Anfragen verdreifacht Videoüberwachung beschäftigt viele Thüringer

Dürfen Patientenakten im Netzwerk gespeichert werden? Darf der Arbeitgeber meine Mails überwachen? Wann ist Videoüberwachung erlaubt? Solche Fragen bekommt der Thüringer Datenschutzbeauftrage Lutz Hasse zuhauf – inzwischen dreimal häufiger als noch vor zwei Jahren. So zumindest steht es in seinem Bericht. Was bewegt die Thüringer beim Umgang mit ihren Daten besonders?

von Ludwig Bundscherer, MDR-AKTUELL-Landeskorrespondent für Thüringen

"Thüringer Landesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit" – das klingt sperrig und wenig einladend. Dennoch kennen inzwischen viele Thüringer die Behörde von Lutz Hasse. Das beweisen Mails, Anrufe und Briefe: "Wir hatten 2011 ungefähr 4.000 Posteingänge und 2017 über 12.000. Eine Verdreifachung. Wir haben ganz gut zu tun." Zwar arbeite man am oberen Limit, aber Hasse findet erfreulich, dass sich immer mehr Thüringer Gedanken über ausspähende Computerprogramme oder verdächtige Internetseiten machen.

Wer darf wann und wo Kameras installieren?

Die Behörde merke auch ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis vieler Thüringer. Die häufigste Datenschutz-Anfrage drehe sich um das Thema Videoüberwachung.

Wenn Nachbar A den Nachbarn B filmt – oder die Nachbarin, was auch nicht selten vorkommt – dann ist das unzulässig. [...] Das findet aber häufig statt. Wir bekommen verstärkt Hinweise von den aufgenommenen Nachbarn oder Passanten.

Lutz Hasse, Thüringer Datenschutzbeauftrager

In solchen Fällen will die Datenschutzbehörde schlichten und aufklären. Denn wer kennt schon die Rechtslage für Kameras im Mietshaus? "Die Rechtsprechung besagt, dass Fahrstühle und der Zugang zur Wohnung nicht videografiert werden dürfen. Der Hauseingang schon – aber es setzt eine Gefährdungslage voraus, es muss schon mal etwas passiert sein."

Daten als Zahlungsmittel

Als Berater werden Thüringens Datenschützer inzwischen auch in jede größere technische Baumaßnahme der Kommunen eingebunden. Hasse findet das erfreulich: "Im öffentlichen Bereich bin ich einigermaßen zufrieden. Aber im nicht-öffentlichen Bereich, im Unternehmensbereich, da hab ich ein flaues Gefühl. Der Drang, Daten zu Geld zu machen, bereitet mir schon ein bisschen Sorge." Beispielsweise würden selbstfahrende Autos Myriaden von Daten erzeugen, deren Verarbeitung völlig unklar sei. Andere Firmen wiederum würden gerade versuchen, Klassenzimmer vollständig zu digitalisieren: Schulbücher, Hausaufgaben, Notenlisten – alles geht online. Die Schulbuchverlage freuen sich, Datenschützer Hasse nicht.

Je mehr Daten in Clouds verarbeitet werden, desto größer ist die Gefahr, dass etwas schiefläuft. Ich möchte verhindern, dass Lehrer-, Schüler- und Elterndaten gefährdet sind, weil sie zu Geld gemacht werden sollen.

Lutz Hasse, Thüringer Datenschutzbeauftrager

Deshalb will Hasse auch weiterhin den großen Verlagen auf die Zehen steigen, damit das digitale Klassenzimmer auch ein datengeschütztes Klassenzimmer wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Februar 2018 | 06:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2018, 07:46 Uhr

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1 Kommentar

28.02.2018 18:44 D.o.M. 1

Es ist ein absolutes Armutszeugnis für unsere Herrschenden, dass die Leute überhaupt massenhaft zu Überwachungskameras greifen müssen. Beschäftigt Euch lieber damit anstatt mit der Frage, ob so eine Kamera zufällig die Strasse mit aufnimmt!