Anna-Amalia-Bibliothek Damit die Bücher nicht noch einmal brennen

Es ist sicher ein Ereignis, das sich sprichwörtlich in das Gedächtnis der Menschen eingebrannt hat. Am 2. September 2004 brannte die Anna-Amalia Bibliothek in Weimar. Zahlreiche Buchschätze sind dem Feuer und dem Löschwasser damals zum Opfer gefallen. Später wurde ein Schaden von 60 Millionen Euro errechnet. Wie kam es zu der Katastrophe und was hat man aus dem Unglück gelernt?

Der Rokokosaal der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar
Die Anna-Amalia-Bibliothek wurde vor 15 Jahren von einem schrecklichen Brand heimgesucht. Heute erstrahlt sie wieder in neuem Glanz. Bildrechte: IMAGO

Ein grauer Buchdeckel ist die neue Hülle für dieses Theaterbuch aus dem Jahr 1774. Die Buchseiten wurden in der Asche gefunden. Der originale Buchdeckel ist beim Brand vor 15 Jahren vernichtet worden. Es lohnte sich aber die Seiten zu erhalten, erklärt Dr. Jürgen Weber, Abteilungsleiter der Anna-Amalia Bibliothek Weimar. Wenngleich die Spuren des Brandes klar erkennbar sind.

Man sieht hier noch die Brandränder. Und man sieht, wie es von hinten am Buchrücken zum Teil weggebrannt ist.

Dr. Jürgen Weber, Abteilungsleiter der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar

Ein defektes Elektrokabel habe den Brand vermutlich ausgelöst, berichtet Dr. Weber. 50.000 Bücher sind dabei vernichtet worden. Vor allem im zweiten Stock des Rokokosaals. Geborgen werden konnten rund 118.000 Bände.

Die Bibliotheksleitung habe sich entschieden, alle Bücher, die noch zu etwa zwei Dritteln vorhanden sind, zu bergen. Noch ein wenig weiter sei man bei der wertvollen, herzoglichen Musikaliensammlung auf der weiter oben befindlichen, zweiten Galerie gegangen. Dort habe man alles geborgen, was "an Notenhandschriften und Notendrucken noch sichtbar war", erzählt Dr. Weber.

Was wurde verändert?

Seitdem sind Abertausende Bücher, Seiten konserviert und wieder hergestellt worden. Die Bibliothek hat dafür in Weimar eine Werkstatt gebaut, berichtet Dr. Reinhard Laube, Direktor der Anna-Amalia Bibliothek. Dort werden mit einem standardisierten Verfahren Bücher restauriert. Auch Studenten arbeiten und forschen dort. Aber auch in den Brandschutz ist investiert worden, erklärt Reinhard Laube.

Um einen möglichen Brand bereits im Keim zu ersticken, werde jetzt zum Beispiel Wasser mit Hochdruck nebelartig abgegeben. So könne ein Brand schon im Anfangsstadium effektiv bekämpft werden, erklärt Laube. Zudem gebe es mittlerweile sogenannte Rauchansauganlagen. Diese überprüfen ständig die molekulare Zusammensetzung der Luft und entscheiden, ob reagiert werden muss.

Und wer bezahlt das?

Finanziert wird das aus Steuergeldern aber auch zahlreichen Privatspenden. Ebenso wie die Buchneukäufe. Als Ersatz für Bücher, die verbrannt sind. Eine Grundfinanzierung sei bis 2028 gesichert aber die Bibliothek ist trotzdem gehalten, Spenden einzutreiben. Eine einstellige Millionensumme brauche man schon noch, genauer will Laube es nicht beziffern.

Geld, das auch über Kulturveranstaltungen eingenommen werden soll, wie mit der von der Bibliothek begründeten Reihe: Musik aus Weimars Aschebüchern. Dort wird seit dem letzten Jahr aus und mit den vom Brand verschont gebliebenen Musikalienüberlieferungen musiziert.

Glücklicherweise hatten wir in diesem Fall bereits Spender, die eine Patenschaft für so ein Konzert übernommen haben.

Dr. Reinhard Laube, Direktor der Anna-Amalia-Bibliothek

80 Prozent der Arbeit sei getan, schätzt Laube vorsichtig. Genaue Zahlen könne er aber nicht nennen. Doch die Anna-Amalia Bibliothek arbeitet nicht nur für sich. Auch andere Einrichtungen sollen von den Erkenntnissen profitieren. In dieser Woche kommen Mitarbeiter des Nationalmuseums von Rio de Janeiro zum Austausch nach Weimar. Auch dort hatte es in der Bibliothek gebrannt. Und zwar auch an einem 2. September wie vor 15 Jahren in Weimar. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. August 2019 | 05:00 Uhr

1 Kommentar

Kiel_oben vor 48 Wochen

Auch in der DDR galt sie als eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Bibliotheken des Landes. 50.000 Bücher (von wieviel) sind dabei vernichtet worden. Gibt es Bilder oder Kopien des vernichteten literarischen Schatzes oder sollte wie der Palast in Berlin etwas verschwinden?