Ein Hakenkreuz und ein durchgestrichener Davidstern sind an einer Gedenkstätte am Nordbahnhof in Berlin zu sehen
Der Antisemitismus geht in Sachsen vor allem von Rechts aus. Bildrechte: dpa

Nach Fall in Berlin Gibt es antisemitische Vorfälle an Sachsens Schulen?

Antisemitismus an Schulen: In Berlin ist ein Fall bekannt geworden, bei dem eine jüdische Schülerin wegen ihrer Herkunft gemobbt wurde. Beobachter beklagen, dass an Berliner Schulen Antisemitismus vor allem von Muslimen ausgeht. Wie sieht es an sächsischen Schulen aus? Kommt es da zu ähnlichen Vorfällen?

von Teresa Nehm, MDR AKTUELL

Ein Hakenkreuz und ein durchgestrichener Davidstern sind an einer Gedenkstätte am Nordbahnhof in Berlin zu sehen
Der Antisemitismus geht in Sachsen vor allem von Rechts aus. Bildrechte: dpa

Eine statistische Erhebung von antisemitischen Vorfällen an sächsischen Schulen gibt es nicht. Die Staatsregierung in Dresden registriert aber allgemeine Vorfälle mit antisemitischem Hintergrund, wie etwa Beleidigungen, Vandalismus oder auch Volksverhetzung. Im Jahr 2017 gab es insgesamt 118 Vorfälle, wie Kerstin Köditz von der Linken-Fraktion im sächsischen Landtag durch eine Anfrage erfahren hat und weist darauf hin: "116 Straftaten bezüglich antisemitischer Vorfälle sind in Sachsen eindeutig rechtsmotiviert."

Antisemitismus geht in Sachsen von Rechts aus

Das heißt: Der Antisemitismus geht in Sachsen von Rechts aus und nicht von muslimischer Seite. Auch wenn es keine genauen Zahlen zu Vorfällen an sächsischen Schulen gibt, so existieren aber die Berichte von Betroffenen. Vorfälle, die bekannt werden, seien die Spitze des Eisbergs, sagt Marina Chernivsky, Leiterin des Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment von der Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland. An sie können sich Opfer von antisemitischer Gewalt wenden.

Wobei Gewalt nicht physische, also handgreifliche Gewalt sein muss. Für Marina Chernivsky fängt sie früher an:

Tägliche Beleidigungen und Auseinandersetzungen werden oftmals gar nicht als Vorfall gelesen und gelangen so gar nicht in die Erfassung.

Marina Chernivsky Leiterin des Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment von der Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland

Ihrer Beobachtung nach wird immer häufiger aus verbaler Gewalt physische Gewalt: In Thüringen und in Sachsen gebe es in den letzten Jahren eine andere Qualität der Vorfälle. Das würde sie durch die steigende Gewaltförmigkeit bezeichnen – wo Einstellung, das Gesagte, zur Handlung werde.

Sensibilisierung der Jugendlichen wichtig

Es müsse neu für das Thema sensibilisiert werden. Zum einen, antisemitische Vorfälle an Schulen als solche auch zu registrieren. Zum anderen, Äußerungen wie "Du Jude" nicht unkommentiert lassen: Pädagogisch sei es wichtig, Jugendliche nicht holzschnittartig in Antisemiten oder Nicht-Antisemiten zu unterteilen, sondern zu schauen, welche Motive hinter diesen Aussagen stehen und wie sie eben wirkten. Chernivsky meint: "Ich denke, Jugendliche kann man dazu bewegen, an ihren Aussagen zu rütteln."

Probleme solcher Art werden aber selten außerhalb der Schule besprochen, sagt Uschi Kruse, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen. Schulen würden das lieber selbst lösen. "Vor allem deshalb, weil sie nicht als Schule da stehen wollen, die die Schüler diskriminiert, insbesondere die mit jüdischen Hintergrund", meint Kruse.

Hier wünscht sich Marina Chernivsky vom Kompetenzzentrum einen Paradigmenwechsel. Schulen müssten die Probleme nicht alleine lösen. Das Kompetenzzentrum könne zum Beispiel helfen. Die betreffenden Schulen müssten nur danach fragen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. März 2018 | 06:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. März 2018, 09:28 Uhr

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28 Kommentare

29.03.2018 16:52 Meine Meinung 28

Geihadres, es geht mir nicht um die gute alte Zeit und schon garnicht um die von 1933 aber seien wir ehrlich wenn jemand behauptet das gerade die AFD diese Zeit zurück haben will dann ist er Franz Richter auf dem Holzweg. Das beste Beispiel. Siehe Bundesregierung ohne jegliche Beweise gegen Russland mit dem angeblichen Gift Mord. Das erinnert mehr daran an diese schreckliche Zeit. Klar gibt es welche die gegen die Juden und andere sind aber es kommt auch von den Moslems wie es in Berlin war wo diese Fahnen verbrand worden aber darüber kommt kaum was nur über Deutsche wird meistens berichtet.

29.03.2018 14:35 des Kaisers neue Kleider 27

"Erklärern dieser Dinge" ist es immer unmöglicher, diese Dinge den "Unaufgeklärten" rational erklären zu können, weil sie mit ihren eigenen bisherigen Erklärungen in Widerspruch geraten - und sich damit selbst Überführen. Ein erbärmlich-verzweifelter Versuch, auf Biegen und Brechen ein Experiment durchzuziehen, welches klappen kann - oder auch nicht, und von keinem Parlament beschlossen wurde. "Verwerfungen" werden billigend in Kauf genommen. Ein netter Begriff für brutalste Gewalt, Messern, Köpfen (Obdachloser gestern) Vergewaltigen, Unterdrücken von Frauen, Verarmen, Mobben und Töten von "Ungläubigen". Glauben ist etwas für Gläubige, bitte gerne, oder Kinder mit dem Osterhasen und Weihnachtsmann. Der riesige Erpressungs-Druck nach Unten kommt langsam aber sicher wieder nach Oben. Bumerangs kommen auch immer zurück. 24. März 2018 Amtsblatt Nummer 02/18 Weimarer Land. Noch einer: "Meiningen Landrat Peter Heimrich sieht die Integration von Flüchtlingen in Arbeit als gescheitert."(MDR)

29.03.2018 13:06 ralf meier 26

@Peter Nr 16: In einer Chatgruppe mit 30.000 Mitgliedern postet jemand einen widerlichen antisemitischen Kommentar. Der Täter wird ermittelt, der post wird gelöscht. Gut so ! Nun stellen investigative Qualitätsmedien fest, daß um die 50 AFD Politiker, unter anderem der von Ihnen zitierte Herr Kirchner Mitglied in dieser Gruppe waren und 'mindestens' 14 dort schon mal gepostet hätten. Nun posteten die zwar nichts zu diesem widerlichen Kommentar, aber die AFD Führung fordert diese Mitglieder trotzdem auf, diese Gruppe zu verlassen. Vorbildlich !
Vergleichen Sie das mal mit dem MDR Nachrichten Forum in dem Sie posten durften : ' 'Der Zweck heiligt die Mittel. Es geht darum, die (b...e) Brut ins Nirwana zu schicken.... Argumente und Wahrheiten sind nicht alles im Kampf gegen Rechts.' (siehe Kommentar 103 zum MDR Artikel 'Für Seehofer gehört der Islam nicht zu Deutschland'). . Meine Kritik an diesen Post wurde von der MDR Nachrichtenredaktion zensiert.

29.03.2018 12:01 Gaihadres 25

@23+24: Sie bleiben Ihrem Namen Treu. Ja, es ist Ihre Meinung - nicht die der breiten Bevölkerung. Viele Kommentatoren fühlen sich hier immer gleich angegriffen und wähnen sich in der Opferrolle. Da wird mit anderen Beispielen um sich geworfen, Feindbilder benannt und die "gute alte Zeit" hervorgekramt. Sie werden für jede Meinung Beispiele finden, aber das ändert ja nichts an der Tatsache, dass es ebene auch von Rechts Antisemitismus gibt. Neuerdings hat das konservative Lager ein neues Feindbild in den Muslimen gefunden - Sie dürfen aber gerne glauben, dass insbesondere im Erzgebirge oder Görlitz die Tendenz zum Antisemitismus sehr Hoch ist und leider schon immer war. Ich hab es selbst mehrfach erlebt. @All: Menschen jüdischen oder muslimischen Glaubens finden Sie auch unter Deutschen. Einige verwechseln hier immer gern Religion und Nationalität miteinander. Genau so finden sich unter den Flüchtlingen auch Christen und Atheisten. Sie sehen das nur wenigen sofort an.

28.03.2018 00:19 Meine Meinung 24

@ Franz Richter, aus der Geschichte nichts gelernt? Dann fragen Sie bitte die Altparteien und ihr Aktivisten namens Antifa und schwarzen Block, die in Wuppertal eine neue Polizei Station verwüstet und mit stinkenden Säuren verunreinigt haben. Die Polizei sucht Zeugen. Sowas erfährt man leider nicht hier und da gibt es noch mehr aber lieber tut man am liebsten die Sachsen in die Rechte Ecke stellen. So sieht es aus.

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28.03.2018 23:07 Meine Meinung 23

Ich bin fassungslos was hier alles gegen Sachsen abläuft. Ja MDR in Sachsen gibt es nur böse Menschen, da gibt es Pegida, die AFD die laut Meinungsumfrage stärkste Partei wird und jetzt kommen noch böse Schüler dazu und nicht zu vergessen die wohnen alle in Dresden. Langsam reicht mir diese Verurteilung. Wie wäre es mit einer Reisewarnung für Sachsen, vor allem für Dresden und Ostsachsen. Sind wo doch zuviele Touristen nach Sachsen gekommen, hieß ja immer Pegida da bleiben die Touristen aus. Ja das zieht nicht mehr also kommen jetzt die Schulen mit dazu und mal sehen was als nächstes kommt. Will es echt nicht mehr wissen wie hier Sachsen dargestellt wird. Beschämend ist das schon vom Angeblichen Heimat Sender.

28.03.2018 22:54 HERBERT WALLASCH, Pirna 22

An @18 - Hercule - Das Problem ist Klarheit und wertefreies Geschichtswissen über die Anfangsjahre der BRD, wer die Gesetze warum machte, was sie vor 45 im Saate darstellten. Gerade bei dem H-Gruß, da sind so viele rechtliche Auslegungsmöglichkeiten, so daß kaum Anzeigen auch geahndet werden können. Natürlich leben wir in einer Diktatur, die Diktatur des Geldes. Enorme Mengen bundesdeutsches Geld und Waren sind die Grundlage für die " unerschütterliche Freundschaft" zum Staat Israel, moderner Ablaßhandel bis heute. Den Erwachsenen und Schülern wurde in der BRD und nach 1990 teilweise die gleiche Verächtlichmachung von Faschismus und Kommunismus eingeredet, das wirkt nun weiter. Bundesdeutsche Eltern basteln vielfach ihr eigenes Geschichtsbild zusammen, wollen ja zu den Guten gehören und mit den Fingern auf andere zeigen.

28.03.2018 21:28 Franz Richter 21

Alles eine Frage der Erziehung.
Im Elternhaus geht es los. Dort wird der Grundstein gelegt. Die Schulen in Sachsen sind doch nicht alle fremdenfeindlich wie das ganze Land in der Masse.Nicht alle. Dann kommt die menschenfeindliche Sachsen-CDU. Hatten wir alles schon mal, 1933. In vier Jahren hat ganz Deutschland die AfD. Dann geht es wieder los. Die Deutschen haben nichts gelernt aus der Geschichte.

28.03.2018 15:52 ralf meier 20

@Hercule Nr 14: Sie beschweren sich mit den Worten: 'Und bitte nicht den scheiß das sind Muslime und keine Deutschen die so was machen schreiben den da lügt man sich selber in die Tasche'.

Mit Verlaub, Sie verwechseln diejenigen, die uns immer wieder eine einseitige Sicht der Dinge liefern (siehe Artikel oben) mit denjenigen, die das kritisieren.

Ansonsten gebe ich Ihnen voll und ganz recht und verweise dazu auf meinen eigenen Kommentar Nr 7.

28.03.2018 15:16 Anmerkung 19

Warum verbietet man nicht endlich an den staatlichen Schulen ,das Tragen von Glaubenssymbolen ( Kopftuch ,Kippa ) und führt einheitliche Schulkleidung ein ? Ihre Religionen können nach der Schule ausgeführt werden !! Welche Schule hat die Fragestellerin und ihre Eltern besucht ? In der so verhassten DDR wurden wir über die Nazizeit und den Kapitalismus bestens aufgeklärt ,da gab es keine Messerstecherein usw. unter den ausländischen Mitschülern z.B. Griechenland ,Korea , Vietnamesen . Dies waren froh hier lernen zu können. Die neue Feststellungen es kommt von rechts ,gibt es doch noch nicht so lange . Im Westen wurden diese Kräfte immer zu gelassen und keiner beschwerte sich darüber. Selbst zu Hess Geburtstag (1993) standen sie mit ihrer Kluft und Fahnen in Bayreuth vor der Oper.Das war für uns damals schon unheimlich.Jetzt fangen die Linken anzu hinterfragen ,wollen sie so Wählerzurück holen ??

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