Syrische Ärzte Afaf Al Maaz und Jehad Alsbai
Afaf und Jehad wollen als Ärzte in Sachsen arbeiten. Bildrechte: MDR/Torben Lehning

Medizinische Versorgung in Sachsen Warten bis ein Arzt kommt

Jeder sechste Arzt in Sachsen hat einen ausländischen Pass. Das ist wichtig, denn ohne die Verstärkung aus dem Ausland würde das Gesundheitssystem nicht mehr funktionieren, meint die Landesärztekammer. Um in Sachsen praktizieren zu dürfen, müssen ausländische Ärzte einige Hürden nehmen. So auch Afaf Al Maaz.

von Torben Lehning, MDR Aktuell

Syrische Ärzte Afaf Al Maaz und Jehad Alsbai
Afaf und Jehad wollen als Ärzte in Sachsen arbeiten. Bildrechte: MDR/Torben Lehning

Dresden Neustadt - Mittagszeit in Afaf Al Maaz' Lieblingscafé. Gemeinsam mit ihrem Cousin, Jehad Alsbai, sitzt die 27-jährige Ärztin aus Syrien an einem kleinen wackligen Holztisch. "Ich liebe Zucker", sagt sie fast entschuldigend und kippt sich die fünfte Süßstoffpackung in ihren Kaffee.

Vor acht Monaten kamen die beiden aus ihrer Heimatstadt Homs nach Deutschland, um hier als Ärzte zu arbeiten. Damit sind sie nicht die Einzigen. Knapp 4.000 syrische Ärzte arbeiten bereits in der Bundesrepublik. Damit bilden sie die zweitgrößte Gruppe ausländischer Ärzte. Nur aus Rumänien kommen noch mehr Kollegen.

Warum Sachsen?

Afaf lacht: Viele Leute hätten ihr gesagt, sie solle nicht nach Sachsen gehen, da wäre es nicht gut für sie als Syrerin. Das stimme aber überhaupt nicht. Afaf schwärmt von ihrem Stadtteil, ihren Nachbarn und den vielen Bekanntschaften, die sie bereits gemacht hat. Für Homs wünscht sich Afaf all das, was Dresden jetzt für sie ausmacht.

Dresden war total zerbombt und ist jetzt eine so schöne moderne Stadt. Das wünsche ich mir auch für Homs.

Afaf Al Maaz, Ärztin

Bevor Jehad und Afaf nach Deutschland reisten, mussten sie die Sprache lernen. Schließlich ist die Sprachprüfung die erste Hürde auf dem Weg zur angestrebten Approbation - der staatlichen Erlaubnis, als Arzt arbeiten zu dürfen. Da in Syrien aufgrund des Bürgerkriegs keine Sprachinstitute geöffnet hatten, brachten sich Afaf und Jehad die Sprache selbst bei. Mit Youtube-Videos, deutscher Musik und deutschen Filmen.

Hallo, Förderalismus!

Syrische Ärztin Afaf Al Maaz
Afaf will nicht länger warten. Bildrechte: MDR/Torben Lehning

Es funktioniert - den Sprachtest hat Afaf schon bestanden. Zum zweiten Mal. Zunächst konnte sie sich in Sachsen nicht zum Sprachtest anmelden, also versuchte sie es in Thüringen. Es klappte, doch als Afaf sich mit ihrem bestandenen Test in Sachsen anmelden wollte, machte sie erstmals Bekanntschaft mit dem deutschen Förderalismus. Die sächsische Landesdirektion, welche dem zuständigen Sozialministerium unterstellt ist, erkannte ihren Sprachtest aus Thüringen nicht an. Das hätte sie gerne vorher gewusst – doch auf der Website der Landesdirektion gebe es keinen Hinweis, meint Afaf.

Wir haben fast 500 Euro für jede Prüfung bezahlt und dabei zwei Monate verloren – warum?

Afaf Al Maaz, Ärztin

Die Kommunikation mit den Ämtern sei katastrophal, sagt Afaf. Dafür seien die Arbeitsbedingungen in deutschen Krankenhäusern viel besser als in syrischen. So hätte sie in ihrer Heimatstadt Homs in zwei Stunden fünfzig Patienten behandeln müssen. In Deutschland dauerten Patientengespräche hingegen bis zu 20 Minuten.

Jeder Zweite scheitert an der Kenntnisprüfung

Dank der bestandenen Sprachprüfung hat Afaf jetzt eine Berufserlaubnis. Sie darf unter Aufsicht als Ärztin arbeiten. Auf der letzten Etappe Richtung Approbation muss sie nur noch ihre Kenntnisprüfung bestehen. Eine große Hürde. Laut einer MDR-Recherche scheitern fünfzig Prozent der ausländischen Ärzte an der Prüfung. Doch bis es soweit ist, muss Afaf noch warten - bis zu anderthalb Jahre. Afaf dauert das zu lange, ändern kann sie daran nichts.

Erik Bodendieck, Präsident der sächsischen Landesärztekammer, kann die Kritik der jungen Ärztin nicht nachvollziehen. Sachsen sei im bundesweiten Vergleich eines der schnellsten Länder bei der Approbations-Vergabe. Schließlich seien ausländische Ärzte für das Gesundheitssystem enorm wichtig. Die Wartezeiten könne man aber nicht verringern, da es zu wenige Prüfer für zu viele ausländische Ärzte gebe.

Landesärztekammer fordert Teilnahme am Staatsexamen

Die Landesdirektion des Sozialministeriums bestätigt Bodendiecks Einschätzung. Das Amt teilte MDR AKTUELL mit, man habe die Prüferteams von ehemals drei auf, Stand jetzt, 27 aufgestockt. Mehr ginge nicht. Geht es nach Bodendieck, könnten die Wartezeiten für die ausländischen Ärzte bald noch länger werden: "Für Drittstaatler ist es unserer Ansicht nach erforderlich, die Teilnahme am zweiten und dritten Staatsexamen zu gewährleisten."

Das zweite- und dritte Staatsexamen wird von deutschen Medizinstudenten abgelegt. Für Bodendieck ist es ein logischer Schritt, die gleichen Anforderungen auch an ausländische Ärzte zu stellen. Immer wieder höre er von Kolleginnen und Kollegen, dass ausländische Ärzte Probleme bei der Behandlung von Patienten hätten.

Präsident der sächsischen Landesärztekammer Erik Bodendieck
Erik Bodendieck will das Prüfungsverfahren verändern. Bildrechte: MDR/Torben Lehning

Der Kenntnisstand der ausländischen Ärztinnen und Ärzten ist gut. Er ist aber nicht dem Kenntnisstand der deutschen Ärzte entsprechend.

Erik Bodendieck, Präsident Landesärztekammer Sachsen

Das Staatsexamen findet, im Gegensatz zur jetzigen Kenntnisprüfung, nur einmal im Jahr statt und ist noch schwerer zu bestehen. Die ausländischen Ärzte würden so noch länger warten müssen, bis sie in den Krankenhäusern ohne Aufsicht arbeiten könnten. Für Bodendieck eine Frage der Qualitätssicherung. Damit ist er nicht allein. Viele Landesärztekammern fordern eine Anpassung der Prüfung für ausländische Ärzte an das Mediziner-Staatsexamen.

Der Weg ausländischer Ärzte ins sächsische Gesundheitssystem

Die Approbation ist die staatliche Zulassung, in Deutschland als Arzt praktizieren zu dürfen. Um sie zu erlangen, müssen ausländische Ärzte zunächst einen Sprachtest absolvieren. Die werden von den einzelnen Landesärztekammern der Bundesländer konzipiert und durchgeführt. Für Ärzte aus EU-Mitgliedsstaaten ist damit der Weg zur Approbation frei. Für ausländische Ärzte aus so genannten Drittstaaten, also dem nicht europäischen Ausland, ermöglicht ein bestandener Sprachtest die Berufserlaubnis. Mit ihr dürfen die ausländischen Ärzte unter Aufsicht in Krankenhäusern arbeiten. Sind alle Arbeitszeugnisse vorhanden, steht einer Approbation nichts im Wege. Fehlen Zeugnisse und Urkunden, müssen ausländische Ärzte eine Kenntnisprüfung ablegen. Sie ähnelt dem 2. Staatsexamen, welches deutsche Medizinstudenten ablegen müssen.

Absage an kürzere Wartezeiten

Dass die sächsische Landesregierung in nächster Zeit etwas am jetzigen Prüfungsverfahren ändert, ist nicht absehbar. Die für die Kenntnisprüfung zuständige Landesdirektion teilte MDR AKTUELL schriftlich mit, eine Verkürzung der Wartezeiten sei erst dann zu erwarten, wenn die Anzahl der ausländischen Antragsteller abnehme. Damit ist nicht zu rechnen. Alleine im vergangenen Jahr wurden 280 Ärzte geprüft.

Ebenso wenig ist davon auszugehen, dass der Bedarf an neuen Ärzten in Sachsen bald abnehmen könnte. Afaf will, ob mit- oder ohne langen Wartezeiten, ihren Weg bis zur Approbation gehen.

Auch wenn es lange dauert und man immer unsicher ist, wann es endlich weitergeht: Ich will mein Bestes tun. Ich will lernen. Hauptsache, ich werde Assistenzärztin und dann vielleicht irgendwann mehr.

Afaf Al Maaz, Ärztin

Afaf hofft auf eine Stelle im Zwickauer Heinrich-Braun-Klinikum. Sie freut sich sehr auf ihre neuen Kollegen und eine eigene Wohnung. Bis sie als approbierte Ärztin selbständig arbeiten darf, dauert es noch. So lange wird die Klinik warten müssen - bis der Arzt kommt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. April 2019 | 05:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. April 2019, 09:35 Uhr

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41 Kommentare

20.04.2019 11:32 Theophanu 41

Der IS ist besiegt, Syrien steht vor dem Wiederaufbau, Fachkräfte werden dringend benötigt, insbesondere Ärzte. Diesem Land in dieser Situation Ärzte zu entziehen, ist verantwortungslos und schäbig.
Mediator 40:
Man merkt, dass sie mit Hochschulbildung nicht vertraut sind. Die Unterschiede zwischen Hochschulabsolventen in verschiedenen Ländern sind gewaltig; westliche, ostasiatische, osteuropäische Länder haben ganz andere Standards wie Afrika und große Teile von Nahost (Iran, Israel ausgenommen). Die Ausbildung in diesen Ländern ist für uns (!) nahezu wertlos. Ich habe dies in meiner eigenen Arbeit selbst gesehen.
Um es für sie mal ganz einfach zu erklären:
Ein Stürmer von Lok Neugersdorf kann i. a. nicht bei Bayern München spielen (obwohl er bei Lok die gleichen Aufgaben hat wie ein Bayernstürmer), wäre also für den Klub wertlos. Das lässt sich auch durch ein zusätzliche Trainingskurse nicht kompensieren, mit Rassismus hat es absolut nichts zu tun.

19.04.2019 20:47 Mediator an Theophanu(39) 40

Wenn sie ideologische Vorbehalte gegen einen afrikanischen Arzt haben, dann können sie ja gerne einen Ariernachweis bei ihrem Doktor verlangen. Sie fallen hier ja ständig mit fremdenfeindlichen Beiträgen auf und das sollte auch einmal klar so gesagt werden.

Mal ehrlich, was stellen sie sich in ihrem Hirn denn so vor wie ein Arzt aus Afrika oder dem Nahen Osten ausgebildet wird? Glauben sie der hat nen Ersthelfer Kurs absolviert und gut war es? Ich kenne einen ausgezeichneten Lungenfacharzt aus Syrien der in der ganzen Region sehr geschätzt wird und einer seiner angestellten Ärzte kommt aus der Türkei. Solche Menschen lachen nur über so engstirnige und rassitische Wenschen wie sie, die es vermutlich weder was Bildung noch menschliche Werte mit ihnen aufnehmen können. In den 30er und 40er Jahren wären sie goldrichtig gewesen. Da dachte auch jeder deutsche Hilfsarbeiter er wäre etwas besseres als der Doktor mit dem gelben Stern am Revers.

19.04.2019 16:33 Theophanu 39

Ich halte es für bedenklich, ausländische Ärzte so einfach hier zuzulassen, selbst mit einer Prüfung. 'Wenn doch, dann sollte hier differenzieren, Osteuropa und Ostasien ja , aber aus Afrika oder Nahost nein. Ausbildungsinhalte und Ausbildungsniveau sind zu unterschiedlich.

[Lieber Theophanu,
Gerne weisen wir darauf hin, dass ausländische Ärzte ein Anerkennungsverfahren durchlaufen müssen, bevor diese ihre Approbation erhalten - also in Deutschland als Ärzte tätig werden können. Neben den Deutschkenntnissen werden dabei auch die Hochschulqualifikationen geprüft. Falls keine Gleichwertigkeit der Ausbildung besteht, muss der betreffende Arzt zusätzlich eine Weiterbildung und/oder Prüfung in Deutschland ablegen.

Weitere Informationen zum Thema finden sie auf der Seite des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: http://www.bamf.de/.../Anerkennung/anerkennung-node.html

sowie auf der Seite des Bundesärztekammer https://www.bundesaerztekammer.de/.../allgemeine.../

Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

19.04.2019 16:26 Willy 38

also nochmals zu diesem Thema, ich war im Januar im KH. zur Visite waren zwei ausl. Ärzte dabei es war mir persönlich peinlich mehrfach zu fragen was nunmehr an meiner Krankheit sache ist, ich habe es sein gelassen und habe danach etwas noch die Schwester gefragt, gleichzeitig in einer anderen Einrichtung ein Therapeut der die Patienten gefragt hat mußte man jedesmal wieder mehrfach fragen " ich habe sie nicht verstanden " es war sehr nervlich belastent wenn man selber krank ist, also Ärzte schon aber mit nur einem seht guten deutsch ansonstem würde ich es ablehnen , überlegt ihr würd operiert und möchtet genau wissen was los ist , und der Arzt spricht schlecht deutsch ? wo bleibt den dazu noch mein vorhergehender Komment. MDR ?????

[Lieber Willy,
aufgrund von Verstößen gegen die Kommentarrichtlinien sind einige ihrer Kommentare nicht freigegeben worden. Diese enthielten unbelegte Behauptungen, Beleidigungen oder hatten keinen Bezug zum Artikelthema.
Ihre MDR.de-Redaktion]

19.04.2019 15:11 Axel an Veltnermann P. (33) 37

"Was macht ihr eigentlich, wenn ihr selber mal ins Krankenhaus kommt und ein syrischer Arzt euch hilft? Hilfe ablehnen? Lieber krank bleiben? Den Arzt verfluchen? Ihn bepöbeln? Darf er euch überhaupt anfassen? Man kann nur noch mit dem Kopf schütteln."

Ich hoffe doch, dass spätestens dann diese Lautsprecher DANKBAR sein werden, das sich jemand mal um sie kümmert. :-)))

19.04.2019 13:56 Eulenspiegel 36

Hallo REXt 29
Natürlich geht es hier um geordnete Zuwanderung. Um was sollte es hier sonst gehen. Aber si haben anscheinend Probleme zu unterscheiden zwischen geordneter Zuwanderung und Flüchtlingshilfe.
Hallo Atze 30
Sehen sie das Ganze doch mal als langfristige Folgen des Naziregimes und de zweiten Weltkriegs. Nach 1945 waren alle Leute froh das diese ganze Scheiße vorbei war gründeten Familien und zeugten Kinder. Und diese Kinder kommen jetzt ins Rentenalter.

19.04.2019 11:18 Mediator an Bernd L.(34) 35

Na klar Bernd: Nur wir Deutsche oder Europäer haben Universitäten aus denen Quaifizierte Absolventen hervorgehen. Einbildung ist auch eine Bildung!

Mal ganz abgesehen, dass es hier im Artikel um Ärzte aus Syrien handelt und du keine Ahnung hast, wo diese Menschen überhaupt studiert haben.

Wie soll man den sächsische Hochschulabsolventen bezeichenen? Es hat ja laut MDR BEricht bei keiner ostdeutschen Hochschule für die Exzellenzinitiative und Förderung des Bundes gereicht was die wissenschaftlichen Leistungen angeht.

Freu dich doch einfach, dass du von einem Arzt behandelt wirst wenn du einen brauchst. Wo der herkommt sollte nebensächlich sein wenn er dir hilft.

18.04.2019 21:46 Bernd L. 34

Hochschulstudien in Ländern der 3. Welt sind nicht mit unseren zu vergleichen. Menschen, die dort das Studium abgeschlossen haben, würden bei uns oft nicht das 1. Studienjahr schaffen. Ich kann das aus meiner beruflichen Tätigkeit belegen. Es ist unverantwortlich, Ärzte aus der 3. Welt hier zuzulassen. Ganz abgesehen davon, dass wir anderen Ländern ihre dort dringend gebrauchten Fachkräfte entziehen.

18.04.2019 21:31 Veltnermann P. 33

Es ist bald Ostern, draußen ist schönes Wetter - und die üblichen Lautsprecher von rechts-außen reden sich hier in Rage - weil deutsche Ärzte Unterstützung aus dem Ausland bekommen. Mann, mann, mann.

Was macht ihr eigentlich, wenn ihr selber mal ins Krankenhaus kommt und ein syrischer Arzt euch hilft? Hilfe ablehnen? Lieber krank bleiben? Den Arzt verfluchen? Ihn bepöbeln? Darf er euch überhaupt anfassen? Man kann nur noch mit dem Kopf schütteln.

18.04.2019 20:55 Peter 32

@24: Na ja, was ich allerdings nicht verstehe, ist folgendes:
Es fehlt an Lehrern. Es fehlt an Ärzten. Es fehlt an IT-Experten. Es fehlt an Ingenieuren.
Ergo: Es müssen noch viel mehr junge Leute studieren.
Allerdings klagt das Handwerk auch: Es fehlt an Nachwuchs.
Ergo: Es müssen noch viel mehr junge Leute einen Handwerksberuf lernen.
Es scheint so, dass der Mangel an einheimischen Ärzten hier im Beitrag repräsentativ für den generellen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zu stehen.
Quereinsteiger wie bei den Lehrern ist bei den Ärzten schlecht möglich.
Wenn Sie einfach mal ehrlich zu sich selbst sind, werden Sie feststellen: Ohne Migration sind wir aufgeschmissen.