Eine Bahncard 50 liegt auf einem Online Ticket
Die Bahncard ist auf vielen Regionalstrecken nutzlos. Bildrechte: IMAGO

Tarifsystem Warum gilt die Bahncard nicht für alle Regionalzüge?

Viele Bahnfahrer beschweren sich über hohe Ticketpreise. Auch den Sparpreis muss man weit im Voraus buchen und eine Bahncard lohnt sich auch nicht immer. Wer zum Beispiel im Nahverkehr pendelt, für den ist die Bahncard oft nutzlos – denn hier fahren viele Unternehmen, die nicht zur Bahn gehören. In Mitteldeutschland akzeptieren etwa der MDV und der Verkehrsverbund Mittelthüringen die Bahncard - und auch nicht ausnahmslos.

von Christine Reißing, MDR AKTUELL

Eine Bahncard 50 liegt auf einem Online Ticket
Die Bahncard ist auf vielen Regionalstrecken nutzlos. Bildrechte: IMAGO

Wenn Person X mit dem Zug von Dresden nach Heidenau fahren möchte, kann sie die Fahrzeiten aller Anbieter auf der Website der Deutschen Bahn einsehen. Tickets kann sie dort aber nicht kaufen und auch ihre Bahncard nicht anrechnen lassen. "Das ist ein bisschen so, wie wenn Sie ne Rabattkarte von der einen Supermarktkette haben und dann zum nächsten Supermarkt gehen." erklärt Christian Schlemper vom Verkehrsverbund Oberelbe (VVO).

"Und so ist es bei den Bahngesellschaften auch. Das sind verschiedene Unternehmen, die alle auf ihr eigenes Geld achten." Die Bahncard ist ein Produkt der Deutschen Bahn. Man könnte daraus schließen, der Rabatt gelte ausschließlich für Züge der Deutschen Bahn.

Fahrgastverband "Pro Bahn" kritisiert System

Dieser Schluss ist aber falsch, erklärt Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband "Pro Bahn". Bei der Sächsischen Städtebahn etwa, die auch nach Heidenau fährt, könne prinzipiell auch der Tarif der Deutschen Bahn gelten.

Das gilt etwa wenn man aus Leipzig kommt. Bleiben Sie aber im VVO, also im Verkehrsverbund Oberelbe, dann ist es ein anderer Tarif und dann gilt die Bahncard nicht.

Karl-Peter Naumann, Fahrgastverband "Pro Bahn".
Ein Fahrgast hält ein Ticket vor einen Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn
Der Ticketkauf ist bei den vielen Tarifzonen oft kompliziert. Bildrechte: dpa

"Alles verstanden?" fragt Naumann ironisch: Denn das System sei schlicht nicht zu verstehen. Welcher Tarif in Sachsen gilt, entscheidet sich nicht danach, was auf den Zügen draufsteht, sondern welche Gesamtstrecke zurückgelegt wird.

Naumann fordert einfachere Regeln, etwa wie in Schleswig-Holstein. Dort gebe es einen Verbundtarif für das gesamte Bundesland. Dort werde jede Bahncard mit 25 Prozent Rabatt anerkannt. "Das ist eine einheitliche Regel. Und das kann jeder verstehen."

Verkehrsministerium will Sachsen-Tarif

Etwas Ähnliches plant auch das sächsische Verkehrsministerium. Ergänzend zu den Einzeltarifen, die die fünf Verkehrsverbünde mit 15 Subunternehmen anbieten, soll künftig ein übergreifender Sachsentarif gelten, erklärt Staatssekretär Hartmut Mangold von der SPD.

"Wenn Sie über Zweckverbandsgrenzen hinwegfahren, soll es einen einheitlichen Preis geben, der an Kilometern festgelegt ist", erklärt er. Für das Konzept soll ein Gutachten angefertigt werden, das Einzelheiten und Kosten klärt.

Laut Mitteldeutschem Verkehrsverbund MDV werde in diesem Konzept sicher auch die Frage der Anerkennung der Bahncard aufgegriffen". Fertig werden soll dieses Konzept laut Ministerium aber erst bis Sommer 2020 - vor der Landtagswahl also nicht mehr.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Februar 2019 | 06:53 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2019, 05:00 Uhr