Lunikoff-Verschwörung-Sänger Michael Regener auf der Bühne eines Rechtsrock-Festivals.
Michael "Lunikoff" Regener ist seit Jahrzehnten in der rechtsextremen Szene in Deutschland aktiv. Bildrechte: IMAGO

"Schild und Schwert"-Festival in Ostritz Diese Bands spielen auf dem Rechtsrock-Festival

Das "Schild und Schwert"-Rechtsrock-Festival in Ostritz sorgt für viel mediale Aufmerksamkeit. Veranstalter Heise ist überzeugter Rechtsradikaler und soll Kontakte zum in Deutschland verbotenen "Blood & Honour"-Netzwerk haben. Dazu passt, dass fast alle Musiker, die in Ostritz auftreten, mit "Blood & Honour" in Verbindung stehen. Ein Überblick.

von Ayke Süthoff, MDR AKTUELL

Lunikoff-Verschwörung-Sänger Michael Regener auf der Bühne eines Rechtsrock-Festivals.
Michael "Lunikoff" Regener ist seit Jahrzehnten in der rechtsextremen Szene in Deutschland aktiv. Bildrechte: IMAGO

Rechtsrock-Festivals werden meist als politische Versammlung angemeldet. Dadurch sind sie durch Artikel 8 des Grundgesetzes geschützt, ein Verbot ist kaum durchzusetzen. Allerdings können Behörden Auflagen erteilen – in Ostritz dürfen die Veranstalter auf dem Festivalgelände keinen Alkohol ausschenken, Waffen und Hunde sind verboten.

Über die auf so einem Festival spielenden Bands bestimmt der Veranstalter. Die Bands, die beim "Schild & Schwert Festival" (kurz: "SS-Festival") auftreten, sind Größen in der rechtsextremen Szene. Fast alle verfügen über Kontakte zur in Deutschland verbotenen "Blood & Honour"-Bewegung oder deren militanten Ableger "Combat 18".

Oidoxie

Rechtsrock-Band Oidoxie
Rechtsrock-Band Oidoxie bei einem Auftritt im Jahr 2003. Bildrechte: dpa

Die Dortmunder Band Oidoxie steht in enger Verbindung zu "Combat 18". Sänger Marko Gottschalk bewegte sich etwa seit dem Jahr 2000 im Netzwerk der Internationalen "Combat 18"-Zellen und hielt auch nach dem Verbot des militanten "Blood & Honour"-Arms in Deutschland seine Kontakte in die europaweit organisierte Szene. In Liedern wie "Terrormachine Combat 18" singt die Band auf English: "Fight for Combat 18, hail to Combat 18".

Laut Recherche der Seite Belltower News lebte Gottschalk zwischenzeitlich in Skandinavien. 2012 sollen sich im Rahmen eines Oidoxie-Konzerts in Schweden internationale Vertreter von "Combat 18" getroffen haben, um eine Neustrukturierung der Gruppe zu organisieren. Seit Gottschalk 2016 wieder nach Deutschland gezogen ist, tritt Oidoxie wieder häufiger auf und ist zu einer festen Größe im Rechtsrock geworden.

Sturmwehr

Oidoxie hat enge Verbindungen zur Gelsenkirchener Band Sturmwehr, die ebenfalls in Ostritz erwartet wird. So spielte Oidoxie-Gitarrist Marco Eckert früher auch bei Sturmwehr. Seit ihrer Gründung im Jahr 1993 hat die Band mehr als 40 CDs veröffentlicht. Auch Sturmwehr trat immer wieder bei Konzerten des "Blood & Honour"-Netzwerks auf, oft im europäischen Ausland.

Die Lunikoff Verschwörung

Die Lunikoff Verschwörung ist eine der populärsten Bands in der rechtsextremen Szene. Angeführt vom ehemaligen Landser-Frontmann Michael "Lunikoff" Regener tritt die Band bei vielen Rechtsrock-Festivals als Headliner auf.

Regener hat eine lange Vorgeschichte in der rechtsextremen Szene. Seine ehemalige Band Landser wurde Anfang des Jahrtausends sogar als kriminelle Vereinigung eingestuft. 2005 bestätigte der Bundesgerichtshof das Urteil im Wesentlichen, Regener ging für knapp drei Jahre ins Gefängnis. Im Prozess hatten mehrere Landser-Mitglieder gegen Regener ausgesagt, er gilt in der Szene seitdem als Kultfigur.

Regener steht der NPD nahe und ist führendes Mitglied der "Vandalen – Ariogermanische Kampfgemeinschaft", einer militanten Neonazi-Bruderschaft aus Ostberlin. Der Auftritt der Band in Ostritz ist allerdings auch in der Szene umstritten. Denn zu dem Festival direkt an der polnischen Grenze wollen auch polnische Neonazis kommen. Diese wiederum hat Regener in dem Landser-Lied "Polackentango" unter anderem als "Untermenschen" und nicht zugehörig zur "arischen Rasse" bezeichnet.

Kategorie C

Die Bremer Band Kategorie C gilt als Bindeglied zwischen Neonazi- und Hooliganszene. Gegründet vor der Fußball-WM 1998 in Frankreich als unpolitische Hooligan-Band entwickelte sich Kategorie C seit 2010 mehr und mehr zu einer Neonazi-Band. zum Beispiel trat die Band zunehmend bei rechtsextremen Veranstaltungen auf.

Im April berichtet Belltower News, die Band habe viele Konzerte unter dem Banner von "Blood & Honour" und gemeinsam mit rechten Gruppen gegeben. Kategorie C spielte auch bei der HoGeSa-Demo in Köln eine Rolle, trat mit einem HoGeSa-Song auf.

Nahkampf

Kategorie-C-Sänger Hannes Ostendorf ist außerdem Frontmann der Band Nahkampf, die ebenfalls eng mit "Blood & Honour" verknüpft ist. Unter dem Namen Nahkampf wird Ostendorf schon am Freitag solo im "Balladenprogramm" des Festivals in Ostritz auftreten.

Bataillon 500

Auch die Mecklenburger Band Bataillon 500 soll enge Kontakte zu "Blood & Honour" haben. Sänger Ronny Zick und Bandmitglied Marten Geron sollen vor dem Verbot selbst im "Blood & Honour"-Netzwerk aktiv gewesen sein.

Die Band erinnert mit ihrem Namen an das Fallschirmjäger-Bataillon 500 der Waffen SS und glorifiziert in ihren Texten das Dritte Reich und dessen Taten. Ihre Songs heißen "Blut und Ehre", "Vorwärts… für Deutschland" oder "Blut, Volk und Heimat". Bataillon 500 tritt nur selten live auf, das Konzert in Ostritz gilt daher als Publikumsmagnet in der rechtsextremen Szene.

Sons of Odin

NPD-Politiker Thorsten Heise
Der NPD-Politiker Thorsten Heise organisiert das "Schild & Schwert"-Festival in Ostritz. Bildrechte: IMAGO

Sons of Odin ist eine Band, die sich selbst als "100% RAC" bezeichnet. "RAC" steht für "Rock Against Communism", ist in der rechtsextremen Szene aber ein Sammelbegriff für Rechtsrock. Der kanadische Sänger von Sons of Odin, David Allen Surette, ist seit Jahren aktiver Neonazi.

Er lebt in Berlin und tritt unter den Namen Griffin oder Stonehammer europaweit als Liedermacher auf, er spielt auch als Griffin solo auf dem Ostritzer Treffen. Wie Michael "Lunikoff" Regener ist Surette Mitglied des rechtsextremen Rockerclubs "Vandalen – Ariogermanische Kampfgemeinschaft". Die restliche Band besteht ausschließlich aus ungarischen "Blood & Honour"-Mitgliedern.

Flak

Flak kommen aus Bonn. Frontmann Philipp Neumann ist laut Belltower News bestens in der Rechtsrock-Szene vernetzt und hat Kontakte zu rechtsextremen Bands wie Stahlgewitter oder Division Germania. Flak covert zum Teil Lieder von Bands wie Landser. In Ostritz wird Sänger Neumann solo auftreten.

Amok

Ursprünglich war mit Amok auch eine der bekanntesten rechtsextremen Bands der Schweiz angekündigt. Doch Sänger Kevin Gutmann, der laut "Zeit" zum "Blood & Honour"-Netzwerk gehört, wurde im März wegen eines antisemitischen Angriffs zu zwei Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt und musste die Teilnahme am "Schild und Schwert"-Festival daher absagen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. April 2018 | 06:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2018, 14:53 Uhr

Link zu Belltower News