Eugal-Pipeline Rohre
Durch solche Rohre wird in Zukunft Erdgas von der Ostsee quer durch Ostdeutschland transportiert. Bildrechte: dpa

Eugal Baubeginn der Erdgastrasse umstritten

Der Streit um die geplante Ostsee-Pipeline Nordstream II hat jetzt auch Sachsen erreicht. Denn wenn das russische Erdgas erst mal in Deutschland angekommen ist, soll es nach Südost-Europa weitertransportiert werden – auch durch Sachsen. Der Bau dieser Europäischen Gas-Anbindungsleitung (kurz: Eugal) steht unmittelbar bevor. Doch das Projekt stößt auf heftigen Protest bei den Bürgermeistern einiger betroffener Gemeinden.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Eugal-Pipeline Rohre
Durch solche Rohre wird in Zukunft Erdgas von der Ostsee quer durch Ostdeutschland transportiert. Bildrechte: dpa

Es ist noch nicht viel zu sehen, außer ein paar Archäologen. Zwischen einem Maisfeld und der Elbe in der Nähe von Coswig graben sie die Erde um. Hier beginnt in diesen Tagen der Bau der Eugal-Trasse, der sächsische Teil des derzeit größten Pipeline-Projekts Europas. Gerade wird die Baustelle entsprechend vorbereitet, erklärt Bauleiter Ioannis Plakidis-Adamer. "Dann kommen die ersten Maschinen und beräumen das Baufeld. Im nächsten Arbeitsgang werden wir im Bereich der Elbe die Böschungen sichern und dann kommen die Rohre."

Sicherheit hat oberste Priorität

Geplante Erdgastrasse EUGAL
Verlauf der geplanten Erdgas-Pipeline Eugal Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Leitung wird 480 Kilometer lang werden. Sie soll an der Ostsee russisches Erdgas von der Pipeline Nordstream II übernehmen. Dann transportiert sie es quer durch Ostdeutschland zu Kunden nach Südost-Europa.

Bauherr ist der Gasnetzbetreiber Gascade. Projektleiter Ludger Hümbs hat spezialisierte Fachfirmen mit den Arbeiten beauftragt, damit am Ende alles höchsten Sicherheitsanforderungen entspricht. "Das Rohr hat eine Wandstärke von über zwei Zentimetern. Jede Schweißnaht wird mehrfach überprüft. Bevor wir die Pipeline in Betrieb nehmen, machen wir eine Hochdruckprobe, wo mit Überdruck geprüft wird, ob die Leitung wirklich dicht ist."

Trotz der sicheren Bauweise sorgt die Trasse für Kritik. Einzelne Gemeinden fühlen sich überrumpelt, zum Beispiel das sächsische Klipphausen. Bürgermeister Gerold Mann kritisiert, die neue Leitung werde nur gebaut, weil Russland sein Gas nicht mehr über die Ukraine transportieren wolle. Klipphausen müsse nun den Preis für den Konflikt bezahlen.

Bürgermeister fühlen sich überrumpelt

"Wir haben in unmittelbarer Nähe der Leitungstrasse ein Gewerbegebiet. Die Erweiterungsflächen dieses Gebietes gehen über die Trasse hinaus. Also haben wir zukünftig bei Erschließungsmaßnahmen einen erhöhten Aufwand und einen zusätzlichen Flächenverbrauch, den wir gewerblich nicht nutzen können." An Klipphausen vorbei führt schon die Opal-Trasse nach Tschechien. Noch so eine Leitung, sagt Mann, sei zu viel. Der Bürgermeister hat Widerspruch eingelegt. Vergeblich.

Hier wird Basisdemokratie mit Bürokratie erstickt. Wenn man viel Geld auf den Weg bringt, kann man schnell so eine Gasleitung bauen.

Gerold Mann, Bürgermeister von Klipphausen

Auch in Deutschneudorf vor der tschechischen Grenze gibt es Protest. Ein Windparkbetreiber beklagt, wegen der Leitung könne er nicht weiter ausbauen.

Ohne Einbußen geht es nicht

Eugal-Projektleiter Hümbs entgegnet, man sei mit jedem Kritiker im Gespräch und habe den Streckenverlauf nicht leichtfertig gewählt. "Wir haben uns sehr genau angeschaut, welche Möglichkeiten wir haben und auch Alternativen untersucht." Am Ende sei man zu dem Schluss gekommen:

Ein Mann steht vor einem Bauwagen neben einem Maisfeld.
Ludger Hümbs vom Gasnetzbetreiber Gascade Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Bei dieser Trassenführung nehmen wir die geringsten Eingriffe in die Interessen Dritter vor.

Ludger Hümbs, Projektleiter der Eugal-Trasse

Schon in anderthalb Jahren soll Erdgas durch die Leitung strömen. Von außen sichtbar ist sie dann nicht mehr. Die Rohre werden eingegraben, erzählt Bauleiter Ioannis Plakidis-Adamer. "Wenn wir die Baustelle verlassen und die Trasse rekultivieren, sehen sie einfach eine Wiese." Knapp zwei Meter tief liegen die Rohre dann unter der Erde. Ackerbau und Tierhaltung seien darüber kein Problem, versichert Plakidis-Adamer. Nur überbauen dürfe man die Leitung nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. September 2018 | 06:07 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2018, 05:00 Uhr

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9 Kommentare

14.09.2018 20:54 Fragender Rentner 9

Zitat von Oben: Bürgermeister Gerold Mann kritisiert, die neue Leitung werde nur gebaut, weil Russland sein Gas nicht mehr über die Ukraine transportieren wolle. Klipphausen müsse nun den Preis für den Konflikt bezahlen.

Wieso müssen da Häuser weggerissen werden und kommt die Leitung da nicht unter die Erde?

14.09.2018 13:41 Alf 8

@ 3: Hr. "Möller", lernen Sie doch erst mal richtig deutsch. Grammatik, rec htschreibung, Phonetik, Satzbau ...
Das tut ja schon richtig weh!

14.09.2018 12:49 Rasselbock 7

Ätsch, nun wird Polen und die komische Ukraine ausgebremst im Stänkern. Gut so!

14.09.2018 12:02 W. Merseburger 6

Die Geschichte der letzten Jahrzehnte hat gezeigt, dass die Ukraine und auch Polen an der vorhandenen Erdgasleitung ordentlich verdienen und diese auch als politisches Druckmittel einsetzen. Deshalb wurde ja durch die Ostsee verlegt, sehr zum Ärger oben benannter Länder aber auch zum Ärger der USA, die ihr teures Gas uns gerne liefern würden. Wenn nun in den Kommentaren gegen den Bau von Eugal polemisiert wird, dann seien sie bitte konsequent und fordern gleich Volksabstimmungen über jeden Leitungsbau, wie Wasserleitungen, Stromkabel, schnelles Internet usw., damit endlich wieder Demokratie in der BRD einzieht (Satire Ende).

14.09.2018 10:29 Zeitgeist 5

Die Rohre kann man auf einen Feld kurz vor Deutschneudorf besichtigen. In der Erde machen Sie weniger Schaden als so eine Windkraftanlage der Multimillionäre! Nur der Begriff "überbauen"
? ist schwammig. Denn die Straßen / Wege bleiben ja !

14.09.2018 09:53 Oskar75 4

@1: Das ist richtig. Nur die Bürgermeister/Verwaltungen durften sich offizioell äußern. Der Rest des Volkes ist "stimmlos".

Wesentlich ist die Aussage des Herrn Mann: "Hier wird Basisdemokratie mit Bürokratie erstickt. Wenn man viel Geld auf den Weg bringt, kann man schnell so eine Gasleitung bauen."
Mit viel Geld und (politischem) Druck werden Tatsachen geschaffen, die die Justitz dann nur schwer rückgängig machen kann. Selbst OPAL - also die ANschlussleitung von Nordstream I hat offiziell noch keine Baugenehmigung, wurde aber vor 8 Jahren in Betrieb genommen.
Das sollte sich Otto-Normalverbraucher mal erlauben...
Selbst die

14.09.2018 09:52 Michael Möller 3

dieser Artikel belegt doch nur was viele Bürger schon immer behauptet haben und zur Zeit kann man das täglich erleben, Deutschland ist keine Demokratie und Rechtsstaat mehr sind ( laut GG. Artikel 20, Absatz 2 geht alle Macht vom Volk aus ,durch Wahl und Abstimmung aus ) und das alles nur damit die Lieferungen nicht mehr über die Ukraine geht und immer zu lasten der Bürger was für eine Politik ist das für mich ist das eine Wirtschaftsdiktatur durch die Lobbyisten durchgedrückt zum Nachteil des Souverän. das auch ein oder mehrere Bürgermeister Wiederspruch eingelegt haben und durch die Justiz und andere abgelehnt wurde beweist das doch eindeutig das wir kein Rechtsstaat mehr sind wenn über den Souverän entschieden wird. so sehe ich das persönlich und das erleben wir ja täglich wie Politik gegen den Willen des Deutschen Souverän betrieben wird .

14.09.2018 09:23 maheba 2

Weiter russisches Erdgas. Die Abhängigkeit und damit die politische Erpressbarkeit werden zunehmen.

14.09.2018 08:46 Na so was 1

Das nur die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden gegen diese Baumaßnahme sind, denke ich, ist nur die halbe Wahrheit. Die Bürgermeister sind vielleicht die Einzigsten, die nach ihrer Meinung gefragt worden sind. Die Mehrzahl der Bürger in diesen Orten wird man "schlicht vergessen haben". Aber das wiederrum ist nichts Neues.