Jäger
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Landtag Thüringen Thüringen beschließt umstrittenes Jagdgesetz

Totschlagfallen, bleihaltiges Schrot oder die Fütterungspflicht – das sind alles Dinge, an denen sich in Thüringen die Geister scheiden. Am Donnerstag soll das neue Jagdgesetz Klarheit bringen. Nachdem es zwei Jahre lang diskutiert wurde, soll nun der Landtag einen Beschluss fällen.

von Lily Meyer, Landeskorrespondentin Thüringen MDR AKTUELL

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Wenn Egon Primas von seinen Jagdausflügen erzählt, kommt der CDU-Abgeordnete ins Schwelgen, spricht von Vögeln, Schmetterlingen und kleinen Füchsen, die er beobachtet hat.

"Nach zwei Stunden auf dem Hochsitz ist der Kopf einfach wieder frei. Dann ist das Alltagsleben beiseite. Und dann genießt man einfach diese Natur." Wenn dann noch eine Beute erlegt wurde, dann sei es auch gut. Aber etwas zu erlegen müsse auch nicht immer sein, fügt Primas hinzu.

CDU unzufrieden mit Jagdgesetz

Wenn es um das geplante Jagdgesetz geht, ändert sich Primas' Tonfall, denn für ihn sei Jagd ein hohes thüringisches Kulturgut mit Brauchtum. "Die Menschen erwarten das, dass man im Harz oder zum Beispiel im Thüringer Wald jetzt hingeht und hört die Hirsche brüllen in der Brunft."

Das werde bald aber nicht mehr der Fall sein, wenn das Gesetz verabschiedet wird, denn das würde alles ausrotten, kritisiert Primas. Der größte Fehler im Gesetz sei, dass das Wild als Ungeziefer betrachtet werde.

Kritik am Landesjagdverband

Primas kritisiert unter anderem, dass die Fütterungspflicht aufgehoben werden soll. Bisher mussten Jäger die Wildtiere in Notzeiten füttern, zum Beispiel in besonders harten Wintern. Mit dem neuen Gesetz müssten sie das nicht mehr.

Primas ärgert sich auch über den Landesjagdverband. Denn dort kann man mit dem Gesetzentwurf weites gehend leben. Geschäftsführer Frank Herrmann erklärt, dass man in vielen Sachen Kompromisse gefunden habe. "Wir hatten im Vergleich zu dem Ergebnis des Diskussionsprozesses beispielsweise 29 Kritikpunkte – von denen im Endeffekt jetzt aktuell fünf bis sechs übrig geblieben sind."

Verbot von Totschlagfallen

Einer davon ist, dass sogenannte Totschlagfallen verboten werden sollen. Ein Tier, das in so eine Falle geht, ist sofort tot. "Wir haben mit Mader und Nutria zwei Wildtierarten, deren Fang nicht ganz unproblematisch ist. Und da sind Totschlagfallen eigentlich am besten geeignet und am tierschutzgerechtesten."

Auch ein in einer Lebendfangfalle gefangenes Wildtier müsse letztendlich getötet werden, was auch mit entsprechendem Stress und dergleichen verbunden sei, erklärt Herrmann. Das könne jedoch bei einer Totschlagfalle durch einen professionellen Einsatz vermieden werden. In Einzelfällen sollen Totschlagfallen aber weiter genutzt werden können.

Ein Umdenken erforderlich

Anders ist das beim Bleischrot. Ab 2022 sollen Jäger in Thüringen diese Munition gar nicht mehr verwenden dürfen. Auch das sieht Herrmann kritisch, weil es keine Alternativen dazu gebe.

Silvester Tamás vom Thüringer Naturschutzbund meint hingegen, dass durch ein Verbot auch schnell eine neue Innovation kommen könne und die Entwicklung dahin sei auch auf einem guten Weg. "Es ist Zeit, das bleihaltige Schrot endlich aus dem Verkehr zu nehmen. Denn wir wissen, dass wir da draußen eine Akkumulierung von Bleischrot haben." Dabei habe Blei in der Landschaft überhaupt nichts zu suchen, meint Tamás.

Viele verschiedene Meinungen beachtet

Tamás hält das geplante Jagdgesetz für gelungen. Auch wenn er sich gewünscht hätte, dass geschützte Tierarten, wie Luchs, Wildkatze und Krickente nicht mehr im Jagdrecht auftauchen würden. Diese Tiere dürfen auch jetzt nicht gejagt werden, für Tamás gehören sie aber ins Naturschutzgesetz, nicht ins Jagdrecht.

Am Ende ist der Gesetzentwurf ein Kompromiss, bei dem die Ideen und Vorschläge von 37 verschiedenen Interessensvertretern berücksichtigt worden sind. Landwirtschaftsministerin Birgit Keller, aus deren Haus der Entwurf stammt, meint: "Es ist ein modernes Jagdgesetz."

Nicht zuletzt, weil erstmalig alle vom ökologischen Jagdverband über den Landesjagdverband zusammen diskutiert hätten, berichtet Keller. Auch andere Interessensvertreter aus Wald und Jagd und des Tierschutzes bis hin zu Peta hätten an den Gesprächen teilgenommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. September 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2019, 05:00 Uhr

5 Kommentare

MaP vor 10 Wochen

Sie vergessen, dass die meiste Zeit auf dem Hochsitz Wartezeit ist, da wird nicht 2 Std. lang rumgeballert. Auch wird das Wild nicht sinnlos erschossen. Die Stärke der Populationen muss dem Territorium entsprechen. Der Wildfraß in den Wäldern ist oft erheblich und reden sie mal mit Bauern, wenn Wildschweinhorden ihre Felder "umgepflügt" haben. Die Jagd hat vor allem etwas mit Hege und Pflege zu tun.

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 10 Wochen

"Wenn es um das geplante Jagdgesetz geht, ändert sich Primas' Tonfall, denn für ihn sei Jagd ein hohes thüringisches Kulturgut mit Brauchtum."

Klöppeln zum Beispiel ist ein Kulturgut, die Jagt gehörte den Reichen, den Königen und Fürsten, dem armen Mann blieb nur die Wilderei und wurde er erwischt, kam er in den Kerker!

Was ist denn in Thüringen los?

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 10 Wochen

""Nach zwei Stunden auf dem Hochsitz ist der Kopf einfach wieder frei. Dann ist das Alltagsleben beiseite. Und dann genießt man einfach diese Natur." "

das meint der ernst?

nach zwei Stunden Tiere abknallen ist der Kopf frei?