Autos befahren 2001 bei Abbenrode die Bundesstraße B6n.
Die Bundesstraße 6n soll Autobahn werden. Dann müssen alle gelben Schilder in blaue getauscht werden. Bildrechte: dpa

Harz "Harz-Highway" - Bundesstraße wird zur Autobahn

Die Bundesstraße 6n im Nordharz gilt als gute Alternative zur A2. Sie hat vier Spuren, lässt sich schnell befahren und fühlt sich an wie eine Autobahn. Offiziell ist sie aber eine Bundesstraße. Doch das soll sich ändern. Aus der B6n soll die Autobahn 36 werden - am 1. Januar soll die Umwidmung erfolgen.

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

Autos befahren 2001 bei Abbenrode die Bundesstraße B6n.
Die Bundesstraße 6n soll Autobahn werden. Dann müssen alle gelben Schilder in blaue getauscht werden. Bildrechte: dpa

Die B6n ist schon immer eine etwas "höherklassige" Bundesstraße gewesen. Der Grund liegt rund 25 Jahre zurück. Ursprünglich sollte die Straße Anfang der 90er Jahre als "Nordharz-Autobahn" gebaut werden. Dagegen gab es aber Widerstand, sagt der ehemalige Verkehrsminister von Sachsen-Anhalt, Karl-Heinz Daehre. Der CDU-Politiker erinnert sich: "Niedersachsen mit Rot-Grün hat gesagt, eine Autobahn wird nicht gebaut. Wir sind dann auf die glorreiche Idee gekommen, eine vierspurige, autobahnähnliche Bundesstraße zu bauen. Damit war der Konsens dann gegeben."

Daehre: Zufrieden mit Hochstufung

Daehre war damals bei den Planungen dabei gewesen und enttäuscht, dass sich die Autobahn nicht durchgesetzt hatte. Dementsprechend zufrieden ist er nun, dass die B6n endlich hochgestuft wird. Vor sechs Jahren hatte Sachsen-Anhalt die Aufwertung beim Bund beantragt. Denn der ist für die Bundesstraßen und Autobahnen zuständig. 

Doch was wird sich jetzt konkret verändern? "Eventuell wird sie irgendwann etwas voller, also mehr befahren sein", sagt ADAC-Sprecherin Alexandra Kruse.

Sie ist schön ausgebaut, das wird so bleiben. Die Schilder werden Blau statt Gelb und darüber hinaus ändert sich eigentlich für den Fahrer nichts.

Alexandra Kruse Sprecherin ADAC

Neue Schilderbrücken nötig

Denn die Sicherheitsvorkehrungen waren vorausschauend bereits getroffen worden und auch das Tempolimit ist unbegrenzt, da es sich um eine vierspurige Bundesschnellstraße handelte.

Den Aufwand für den Schilderwechsel sollte allerdings nicht unterschätzt werden, meint Kruse. "Die Autobahnschilder sind schwerer. Dementsprechend müssen die Schilderbrücken mehr tragen. Da muss zum Teil wirklich umgebaut werden, damit die Schilder auch entsprechend halten."

Zwei Millionen Euro für neue Schilder

Die Kosten schätzt Verkehrsminister Thomas Webel für den Bund auf rund zwei Millionen Euro. Dieser Betrag gilt allein für sachsen-anhaltische Strecke. Weiter will sich sein Ministerium erst einmal nicht äußern.

Lohnt es sich, zwei Millionen Euro für ein neues Etikett auszugeben? Ja, findet der Verkehrspolitische Sprecher der SPD, Falko Grube. Es sei eine einmalige Investition.

Ansonsten ist es eine Aufwertung der Straße für den Bundesverkehrswegeplan. Das heißt auch bei zukünftigen Planungen und Sanierungen ist der erhöhte Status ein besserer.

Falko Grube SPD-Fraktion

Auch für Touristen sei es noch ein anderes Argument, wenn die Orte im Harz eine Anbindung zur Autobahn hätten, sagt ADAC-Sprecherin Alexandra Kruse.

Autobahn für Investoren

Ex-Verkehrsminister Daehre findet, es sei eine psychologische, aber sehr nützliche Maßnahme - vor allem um internationale Investoren anzulocken. Der ehemalige Verkehrsminister spricht dabei aus Erfahrung.

Das ist Anfang der neunziger Jahre so gewesen, als wir angefangen haben, Investoren zu suchen. Die erste Frage war: Wie ist die Anbindung? Die Bezeichnung vierspurige, autobahnähnliche Bundesstraße versteht in Japan keiner.

Karl-Heinz Daehre (CDU) Ex-Verkehrsminister Sachsen-Anhalt

Dagegen benötigt das deutsche Wort "Autobahn" in der Welt keinerlei Übersetzung. Und Sachsen-Anhalt bekommt nach über 20 Jahren endlich seine Nordharz-Autobahn – ganz offiziell.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. September 2018 | 05:18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. September 2018, 07:02 Uhr