Umweltbundesamt in Sachsen-Anhalt Kritik von Haseloff: Beamte arbeiten, aber leben nicht in Dessau

Das Umweltbundesamt in Dessau ist die einzige Bundesbehörde, die es in Sachsen-Anhalt gibt. Vor fast 14 Jahren wurde die Behörde aus Berlin an die Elbe geholt, auch um Dessau und das Umland zu stärken. Die Bundesbeamten pendelten jedoch und ließen sich nicht in Dessau nieder, sagen Kritiker. Erst kürzlich monierte der Dessauer Bundestagsabgeordnete Sepp Müller: Der Standort versinke in der Bedeutungslosigkeit, weil die neue Präsidentin Maria Krautzberger selten vor Ort sei.

von Anne-Marie Kriegel, MDR AKTUELL Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt

Knapp 1.000 Mitarbeiter zählt das Umweltbundesamt (UBA) am Hauptsitz in Dessau. 600 weitere arbeiten in Berlin, Sachsen, Hessen und den Messstationen, beispielsweise auf der Zugspitze.

Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes
Zu selten in Dessau: Präsidentin Maria Krautzberger Bildrechte: imago/Metodi Popow

Doch die UBA-Chefin Maria Krautzberger hat offiziell ihr Hauptbüro in Dessau – nur sei sie viel zu selten auch dort, kritisiert Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU): "Die Erwartungen waren einfach anders." Er habe gehofft, dass die Führungskräfte vor Ort lebten und so Impulse setzten. Mit diesem Prinzip habe man über einen längeren Zeitraum eine Enttäuschung erlebt. "Ich glaube, dass wir hier politisch nachfassen müssen", so Haselhoff.

Hauptziel des Amtes: Umweltprobleme lösen

Ob die Chefin der Behörde in Dessau eine Wohnung hat und wie viele ihrer Arbeitstage sie vor Ort verbringt, war aus dem Umweltbundesamt nicht zu erfahren. Auf eine Anfrage von MDR AKTUELL hieß es, dass sich der Erfolg der Arbeit nicht daran bemesse, wer an welchem Standort anwesend sei.

Erfolgreich sind wir, wenn wir die uns gestellten Aufgaben bewältigen, also Lösungen für Umweltprobleme erarbeiten, die oft grenzüberschreitend, meist sogar global sind.

Umwelbundesamt auf Anfrage von MDR Aktuell

Haseloff unzufrieden

Reiner Haseloff
Ministerpräsident Reiner Haseloff Bildrechte: imago stock&people

Die Bereitschaft, an den Arbeitsort zu ziehen, sollte bei der Bewerbung dennoch eine stärkere Rolle spielen, meint Reiner Haseloff. Rechtlich ist das schwierig, das weiß auch der Regierungschef. Schließlich kann jeder Mensch seinen Wohnort frei wählen.

Trotzdem ist Haseloff der Meinung, dass deutlich Luft nach oben sei. Die politische Erwartung an die Standortverlagerung sei deutlich größer gewesen und wurde nicht erfüllt.

Grüne: Präsenz der Präsidentin nicht relevant

Beim Koalitionspartner, den Grünen, sieht man das ohnehin ein wenig anders. Fraktionschefin Cornelia Lüddemann hat ihren Wahlkreis in Dessau. Lüddeman stört sich daran, dass die Diskussion sich an der Präsenz der Präsidentin Krautzberger festmache.

Im 21. Jahrhundert ist es eine Frage von gutem Arbeiten. Das muss man überall tun können. Wichtig ist, dass diese Veranstaltungstätigkeit ausgebaut wird.

Mit Fachtagungen und Kongressen will Lüddemann Fachpublikum und Politiker nach Dessau holen und die Stadt und die Behörde so ins Rampenlicht rücken. Immerhin sei das Umweltbundesamt nicht nur bundes-, sondern auch europaweit aktiv.

Anbau als Zeichen für Stärkung

Das Amt selbst erklärt schriftlich: "Dass wir unseren Hauptdienstsitz Dessau-Roßlau nicht schwächen, sondern deutlich stärken, sieht man allein daran, dass wir hier sogar anbauen." Im Anbau des Umweltbundesamtes sollen über 100 neue Büroarbeitsplätze entstehen. Der Einzugstermin ist noch unklar, heißt es auf der Internetseite des Umweltbundesamtes.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Januar 2019 | 05:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 05:00 Uhr

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41 Kommentare

18.01.2019 08:34 Ricarda 41

H.E. 34 früher ^^ konnten wir täglich paar mal von Aschersleben über Dessau nach Berlin. Es waren nur Eil- und D-Züge aber meist pünktlich und frau bekam immer Anschlusszug weil dieser (langsamere) warten musste.
Vllt. wurde die Verbindung gekappt weil dich SPD von Linken tolerieren lies

17.01.2019 22:36 Ekki 40

unser mp übergiebt 2019 an den stählernen der schon [un]heimlich bei den extremen im lt baggert die beim nachsitzen gemeinsam hausaufgaben machen

17.01.2019 22:31 Dieter 39

Haseloff hat Recht. Der Fisch immer zuerst am Kopf:
die Behördenleiterin sollte den Stuhl räumen müssen, möglichst schnell.

17.01.2019 22:30 Gerd Müller 38

MP Haseloff hat Recht das Verlagerung von Berlin nach Dessau "ungeschickt" und rückgängig gemacht werden sollte. Der Grund für die Abnahme von Veranstaltungen in Dessau liegt vor allem deren schlechte Anbindung an den überregionalen Fernverkehr. Die 980 Mitarbeiter mal fragen ...

17.01.2019 18:02 Anja (an Gerhard Meier) 37

Erstens sind viele Tarifbeschäftigte und zweitens mit Zeitvertrag. Mit dieser kurzen Perspektive nach Dessau ziehen, wo es außer dem UBA kaum Jobalternativen gibt - da muss man sich schon was trauen.

17.01.2019 11:59 uwe Konrad 36

Sollte der Ministerpräsident nicht erst mal selber im Land seine Hausaufgaben machen und dafür sorgen das seine Behördenleiter und Ministeriumsspitzen auch in Sachen-Anhalt wohnen?
Herr Böhmer hatte das schon mal vor und ist als Bettvorleger gelandet .
Aber über andere reden ist ja auch viel einfacher.
Reden und nix machen so ist das eben bei uns .

17.01.2019 09:30 Jakob 35

Wahrscheinlich liegt's einfach daran, dass die vielen Exilberliner im Umweltbundesamt nicht so gerne früh aufstehen, wie sich das für echte Sachsen-Anhaltiner*innen gehört ;)

17.01.2019 04:49 H.E. 34

Ich selbst bin aus Baden-Württ. bin aber häufig bei der Familie meiner Tochter.
Als Kulturinteressierte kenne ich inzwischen dadurch auch einiges in Sachsen-Anhalt. Während des Luther Jahres wollte ich auch einige Ausstellungen und Veranstaltungen dann von Südniedersachsen aus wahrnehmen, konnte aber leider nicht aufgrund der nicht besonders prickelnden Bahnverbindungen und weil ich abends wieder zurück sein mußte wegen der Enkelbetreuung.
Z.B. fuhren früher auch immer regelmäßig Züge Stuttgart -Berlin über Göttingen dann Magdeburg, Berlin und dann von einem Tag auf den anderen nur noch Göttingen, Braunschweig, Berlin und seit 1.6.2018 Frankfurt, Eisenach, Berlin. Die Sachsen-Anhaltiner ließen sich dadurch doch die Butter vom Brot nehmen.

16.01.2019 22:33 Max W. 33

@16.01.2019 15:20 A. (Um mit Albert Einstein zu sprechen: "Es gibt so viele Wege zum Glück. Einer davon ist aufhören zu jammern!")

Einstein hat nämlich auch gesagt, dass, im Gegensatz zum Universum, die menschliche Dummheit gesichert unendlich ist. Und genau das können wir exemplarisch einmal mehr besichtigen.

16.01.2019 20:49 Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm, ... 32

(* 19. November 1954 in Mühldorf am Inn) ist eine deutsche politische Beamtin (SPD)

Tja, selbst schuld wenn ihr niemanden aus Sachsen Anhalt nehmt.

Aber vielleicht wollte sie auch mehr Zeit für die Familie ;-)